14/01/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Mulegns

Polit. Gem. GR, Kreis Surses, Bez. Albula. An der Julierstrasse gelegenes Dorf am Eingang zum Seitental Val Faller. Dt. Mühlen (bis 1943 offizielle Schreibweise). 1850 120 Einw.; 1900 146; 1950 109; 1960 57; 2000 33. Im Val Faller wurde 600-500 v.Chr. Kupfer abgebaut und eine Schmelze betrieben, ebenso bestand ein Erzbergwerk. M. ist eine Gründung der Walser aus dem 15. Jh. (1521 urkundlich erw.). Diese wanderten aus dem Val Faller ein, das sie ab 1200 besiedelt hatten. 1315 ist die Alp Faller als bischöfl. Lehen erstmals belegt. Die spätma. Kirche St. Gaudenz (heute Gaudentius und Franziskus) in M. wurde von den Kapuzinern 1643 durch die Barockkirche St. Franziskus ersetzt. Bis in die Gegenwart haben Kapuziner die gemeinsame Pfarrstelle von M. und Sur inne. In der Kapelle von Faller (Maria Heimsuchung) befindet sich ein bemerkenswertes Altarbild von 1760. Im 19. Jh. wurden in M. die Postpferde gewechselt (Ställe für bis zu 150 Pferde). Im Hotel Löwen stiegen bedeutende Persönlichkeiten ab. Die Eröffnung der Albulabahn 1903 leitete die Abwanderung ein. Zu Beginn des 21. Jh. gab es nur noch wenige Landwirte im Dorf. Die Alpen im Val Faller - das im 18. Jh. verlassen wurde - sind verpachtet, die Bergwiesen werden genutzt. Seit 1975 hat M. eine Primarschule mit Sur und Marmorera, seit 1963 besuchen die Schüler die Sekundarschule in Savognin. Die Poststelle teilt M. seit 1994 mit Sur.


Literatur
– E. Meyer-Marthaler, «Zur Frage der Walser im Oberhalbstein», in BM, 1941, 321-336
– M. Bundi, Zur Besiedlungs- und Wirtschaftsgesch. Graubündens im MA, 1982
– E. Brun, Gesch. des Bergbaus im Oberhalbstein, 1987

Autorin/Autor: Gion Peder Thöni