27/10/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Marmorera

Polit. Gem. GR, Kreis Surses, Bez. Albula. Bis 1950 Strassendorf an der Septimer-Julier-Route, heute Dorf am östl. Hang oberhalb des Marmorerasees. Um 840 ad Marmoraria, dt. Marmels, rätorom. auch Murmarera. 1850 156 Einw.; 1900 143; 1920 100; 1941 94; 1950 140; 1960 28; 2000 49. Im MA war M. Herrschaft der Herren von Marmels, deren unterhalb eines Felsvorsprungs gelegene Burg 1193 erstmals erwähnt wird. Kirchlich gehört M. bis heute zu Bivio; 1631-1925 wurde es von Kapuzinern betreut. Sowohl die alte wie auch die neue Kirche wurden dem Bündner Heiligen Florin geweiht. Vom MA bis ins 17. Jh. wurden in der Umgebung M.s Serpentiniten abgebaut. Bis 1950 lebten in M. v.a. Bergbauern, die vom MA an im Fuhrwesen und im Passverkehr einen Nebenerwerb gefunden hatten. Eine Abwanderungsbewegung setzte nach der Eröffnung der Albulabahn 1903 ein. 1948 erteilte die Gemeindeversammlung dem Elektrizitätswerk der Stadt Zürich die Konzession für den Bau eines Stausees mit Zentrale in Tinizong. Durch einen Erddamm - den ersten in Europa - wurde darauf der Marmorerasee aufgestaut (2,5 km lang); seit 1954 steht das alte Dorf unter Wasser. In Neu-M. oberhalb des Stausees leben keine Bauern mehr, die Alpen sind an Auswärtige verpachtet. Der eigenartige rätorom. Dialekt ist vom Aussterben bedroht; der rätorom. Sprachanteil betrug 2000 noch ein Drittel.


Literatur
– A. Grisch, En curt viada tras Surses e la sia istoria, 1915
– E. Brun, Bergbau im Oberhalbstein, 1986
– P.J. Mark, Ein Bergdorf geht unter, 2005

Autorin/Autor: Gion Peder Thöni