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Cunter

Polit. Gem. GR, Kreis Surses, Bez. Albula. An der Julierstrasse gelegenes Dorf auf interglazialem Bergsturz östl. der Julia, mit dem Weiler Burvagn sowie den Maiensässen Promastgel und Muntschect. 1370 Contra, bis 1943 dt. Conters im Oberhalbstein. 1850 182 Einw.; 1900 152; 1950 152; 1970 116; 2000 198.

Bronzezeitl. Siedlung des 12. Jh. v.Chr. in Caschligns oberhalb von C., vermutlich früheste Wegverbindung zum Albulatal. Bis 1850 Teil des Hochgerichts Oberhalbstein im Gotteshausbund, in dessen Ämtern sich diverse Mitglieder der im Tal führenden Fam. Scarpatetti als Landvögte finden. Eine Kirche ist erstmals 1392 erwähnt, der barocke Neubau wurde 1677 S. Carlo Borromeo geweiht. C. wurde bis 1725 von Riom aus kirchlich betreut. Ursprünglich zu Riom gehörend, verselbstständigte sich C. in polit. und ökonom. Hinsicht in einem längeren Prozess vom 17. bis ins frühe 20. Jh. 1566 unterstützte eine ausserordentl. Landsgem. des Oberhalbsteins in C. die Forderung des Gotteshausbundes nach Absetzung des Churer Bf. Beatus a Porta. 1740 verhalfen Leute von C. desertierenden österr. Rekruten zur Flucht; die Aktion führte zur Kornsperre für die Drei Bünde durch Österreich. Dorfbrände 1754, 1812, 1824 und 1896 (Brandstiftung) liessen wenig ältere Bausubstanz übrig. Bis 1950 ein reines Bauerndorf, hatte C. Ende des 20. Jh. noch wenige landwirtschaftl. Betriebe und Gewerbe. Ab ca. 1845 führte C. eine Primarschule, später wurde mit Nachbargem. ein Schulkonsortium gebildet. 2000 betrug der Anteil der romanischsprachigen Einwohner noch 51%. Im Sog der tourist. Entwicklung von Savognin entstehen seit 1970 Ferienhäuser und -wohnungen. Zusammen mit den Wasserzinsen des Elektrizitätswerks Zürich und des Kieswerks an der Julia tragen sie zur guten Finanzlage von C. bei.


Literatur
Kdm GR 3, 1940, 238-245
– A. Janutin, «L'arsa da C.», in Igl Noss Sulom 48, 1969, 49-57
Gem. GR

Autorin/Autor: Gion Peder Thöni