Filisur

Polit. Gem. GR, Kreis Bergün, Bez. Albula. Strassendorf (1084 m) rechts der Albula, mit dem Weiler Jenisberg (1504 m) am linken Abhang des Landwassertales. 1262 villa Fallisour. 1803 164 Einw.; 1850 280; 1888 273; 1900 644 (Bahnbau); 1910 333; 1950 375; 2000 466. In F. wurden bronzezeitl. Fragmente gefunden. Das obere Albulatal wurde im HochMA von Rätoromanen, das Maiensässgebiet von Jenisberg im 15. Jh. von deutschsprachigen Walsern besiedelt. Die oberhalb von F. gelegene Burg Greifenstein (ausgehendes 12. Jh.) war Sitz des Vogtes mit einem Grosshof und Meierhöfen im Dorfbereich. Über Wildenberger, Werdenberger und Matscher gelangte die Herrschaft Greifenstein 1394 an das Bistum Chur, das die Burg zum Verwaltungszentrum der Region machte. 1537 kaufte die Gem. die bischöfl. Herrschaftsrechte aus. Die Nachbarschaft F. besass ein eigenes Zivilgericht in der Gerichtsgem. Bergün (bis 1851). Kirchlich gehörte F. bis 1496 zu Bergün. Die St. Jodocus und Florinus geweihte Kirche datiert von 1495 (später Patroziniumswechsel zu St. Martin), diejenige in Jenisberg von 1681. Um 1590 trat F. zum ref. Glauben über.

In der waldreichen Gegend wurde bis 1848 Erzabbau und -verhüttung betrieben mit der Schmelze Bellaluna als Zentrum. Neben Viehwirtschaft und Ackerbau fand die Bevölkerung weitere Verdienstmöglichkeiten im Durchgangsverkehr. Der 1855-58 erfolgte Ausbau der Albulastrasse sowie die 1903 bzw. 1909 eröffneten Linien der Rhät. Bahn ins Engadin und nach Davos machten F. zum Verkehrsknotenpunkt. Bekannt ist der Landwasserviadukt nördlich des Dorfes. 1942 erfolgte die Gesamtmelioration. In F. befanden sich anfangs des 21. Jh. ein Gartenbauunternehmen, Holzwerke sowie die 1967 in Betrieb genommene Zentrale der Albula-Landwasser-Kraftwerke AG. 2000 arbeiteten über ein Drittel der in F. Erwerbstätigen im 2. und fast die Hälfte im 3. Sektor. F. wurde bis Ende 19. Jh. weitgehend germanisiert. Das Dorfbild, das stark ans Engadin erinnert, ist von nationaler Bedeutung.


Literatur
Kdm GR 2, 1937, 393-400
Gem. GR

Autorin/Autor: Jürg Simonett