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Das ehem. Transport- und Rechnungsmass für Getreide (franz. muid, ital. moggio) entsprach in der Deutschschweiz einer Mannslast (Sack), die in der Kornbauzone des Mittellands zwischen 65 und 108 l lag. Bei den grösseren M., etwa in der Innerschweiz (138-150 l), in Bern und Solothurn (158-168 l) sowie in Graubünden (165-185 l), wich der Handel auch auf kleinere Säcke aus. 1 M. unterteilte sich im Raum Ostschweiz bis Napflinie in 4 Viertel, in Graubünden in 5½ Viertel sowie in Bern und Solothurn in 12 Mäss. In der Westschweiz war der muid ein Rechnungsmass ohne Messform und wurde in der Waadt (1822) auch als Hohlmass für Flüssigkeiten verwendet (1 muid zu 12 setiers), während in der Deutschschweiz dafür der Saum gebraucht wurde. In Freiburg existierte der kleinere muid zu 3 Sack (307-384 l), in der Waadt jener zu 6 Sack (600-840 l). 1822 setzte die Waadt den muid auf 13,5 hl fest, was 10 sacs entsprach. In der Südschweiz (Tessin, Misox) fasste das Transport- und Rechnungsmass moggio 135-239 l und war in 8 staja unterteilt. 1826 war im Tessin der Mailänder moggio zu 146,2 l in Gebrauch. Im schweiz. Masssystem wurde der M. 1838 vom Malter verdrängt. 1877 schaffte man M., muid und moggio im metr. System ab (Masse und Gewichte).


Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler