20/05/2010 | Rückmeldung | PDF | drucken

Juchart

Ehemals wichtigstes Flächenmass für Äcker in der Schweiz (franz. pose, ital. pertica), in der Ostschweiz auch Mal und Tagehri genannt. Bei der J. handelt es sich um ein Schätzmass, das einem Tagewerk des Pflügers entspricht und je nach Gelände variiert: In Ebenen waren J.e am grössten (41-62 a), im Korngebiet des Mittellands lagen sie zwischen 27 und 36 a und in hügelig-bergigem Gelände umfassten sie besonders kleine Einheiten, so die pertica in der Südschweiz (7-8,5 a), auch als Spazzo oder Staggio bezeichnet, im Wallis der Fischel (3,8-8,5 a) und im hoch gelegenen Jura der Journal, die Chaîne und die Béquille (1-2 a). Neben dem Ackerjuchart galten in der Deutsch- und Westschweiz bis zur Angleichung im 18. Jh. verschieden grosse Landmasse für Wiesen (Mannwerk, franz. seiteur); nicht angeglichen wurden die oft grösseren Waldjucharte (33,6-44,6 a). Für Rebgelände benützte man teils kleinere J.e, oft unter anderem Namen (Manngrab, franz. fossorier oder pose de vigne). Eine J. unterteilte sich in 4 Vierlinge oder 16 Quärtli und 1 pose in 8 fossoriers oder ouvriers (in Neuenburg hiessen letztere perches oder émines). Die pertica zerfiel je nach Gegend in tavole, gettate, once oder quadretti. 1822 wurde die pose in der Waadt auf 45 a (in 10 Manngrab zu 4,5 a unterteilt), 1826 die pertica im Tessin auf 5 a und 1838 die J. in der Deutschschweiz auf 36 a vereinheitlicht. 1877 wurde sie im metr. System durch die Are als gesetzl. Einheit ersetzt, ist aber in der Umgangssprache noch gebräuchlich (Masse und Gewichte).


Literatur
– A.-M. Dubler, Masse und Gewichte im Staat Luzern und in der alten Eidgenossenschaft, 1975, 24-32

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler