11/06/2004 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Bergün/Bravuogn

Polit. Gem. GR, Kreis B., Bez. Albula. Strassendorf an der Albula, mit Preda am Albulapass sowie den rechtsseitigen Terrassensiedlungen Latsch (1912 eingemeindet) und Stugl/Stuls (1920 eingemeindet). 1209 de Bregonio, dt. Bergün, rätorom. Bravuogn. 1571 542 Einw.; 1803 495; 1850 637 (mit Latsch und Stuls); 1900 1'537; 1950 608; 1970 451; 2000 520.

Im Dorf und in der nächsten Umgebung wurden Objekte aus der Bronzezeit gefunden. Erst im HochMA siedelten sich Romanen im Waldgebiet des oberen Albulatals dauerhaft an. 1154 ist ein bischöfl. Hof in Latsch erwähnt, 1270 ein Gut in Stuls. Im 12. Jh. entstand die geschlossene Grundherrschaft der Greifensteiner, deren Amtssitz in B. wahrscheinlich der ma. Wohnturm in der Dorfmitte war. Über die Wildenberger, Werdenberger und Matscher gelangte die Herrschaft 1394 an das Bistum Chur. Um 1400 nennt das bischöfl. Urbar in B. zwei Meierhöfe und 27 Huben. 1537 kam es zum Auskauf der Herrschaftsrechte. Von der 1188 erstellten Mutterkirche St. Petrus und Florinus lösten sich 1496 Filisur, 1620 Latsch und Stuls. 1577-90 trat die Gem. zum ref. Glauben über. B. war Hauptort der gleichnamigen Gerichtsgemeinde mit Richtstätte, wobei die zugehörigen Nachbarschaften Filisur, Latsch und Stuls eigene Zivilgerichte besassen. Der 1854 geschaffene Kreis B. umfasst B., Filisur und Wiesen. Die Nachbarschaften besassen eigene Zivilgerichte. Existenzmöglichkeiten boten neben Viehwirtschaft und Ackerbau vom 16. bis 19. Jh. Erzabbau und -verhüttung. Der Verkehr über den Albulapass gewann nach dem Durchbruch des Bergünersteins 1696 und dem Bau der Fahrstrasse um 1865 stark an Bedeutung und erklärt die Ausrichtung B.s nach dem Engadin. Eine Ziegelfabrik am Crap Alv existierte 1860-75. Die Albulabahn (1903) förderte den Fremdenverkehr (Kurhaus 1905); Preda war in der Folge ganzjährig bewohnt. Der Wintertourismus profitiert von der Schlittelbahn Preda-B. und den ab 1959 entstandenen Ski- und Sesselliften. Der 3. Sektor bot 1985 61% der Arbeitsplätze an. 1986 standen von 2'079 Fremdenbetten 64% in Zweitwohnungen. 1975-76 wurde eine Gesamtmelioration durchgeführt. Die ETH betreibt auf der Alp Crap Alv die Forschungsstelle der Tierzuchtabteilung. Der rätorom. Sprachanteil ist von über 80% (1860) auf 21% (1990) gesunken.


Literatur
– G.G. Cloetta, B., 1937 (31978)
Kdm GR 2, 1937, 379-393

Autorin/Autor: Jürg Simonett