23/11/2007 | Rückmeldung | PDF | drucken

Lantsch/Lenz

Polit. Gem. GR, Kreis Belfort, Bez. Albula. Strassendorf auf 1294 m auf einer Terrasse rechts über der Albula gelegen. Um 850 Lanzes, rätorom. Lantsch, dt. Lenz. 1710 215 Einw.; 1850 353; 1900 363; 1950 355; 2000 485. Siedlungsfunde aus der älteren Eisen- bis zur Römerzeit. Das churrät. Reichsgutsurbar aus der Mitte des 9. Jh. erwähnt u.a. die Kirche St. Maria (heute Begräbniskirche), einen Königshof sowie Zinsabgaben zweier Herbergen. L. war Eigen der Herren von Belfort; ab dem 12. Jh. bis 1338 lag die Grundherrschaft bei den Frh. von Vaz. Als Teil von Belfort (ab 1436 im Zehngerichtenbund) kam L. über Toggenburger, Montforter und Matscher 1477 an Österreich. Daneben existierte ein Personenverband von Gotteshausleuten (ausgehend vom bischöfl. Meierhof in L.), die der Herrschaft Greifenstein angehörten. Bei der Aufteilung des Gerichts Belfort 1613 in die Halbgerichte Ausser- und Innerbelfort mit je eigenem niederem Gericht kam L. zu Ausserbelfort. 1652 wurden die letzten österr. Rechte ausgekauft. 1405 ist die Richtung Lenzerheide liegende Kapelle St. Cassian erwähnt. 1656 wurde die heutige kath. Pfarrkirche St. Antonius von Padua von den Kapuzinern erbaut, 1663 geweiht. Die Einwohner betrieben Viehwirtschaft und Ackerbau; zusätzl. Verdienst brachte der Transitverkehr Richtung Septimer (Strassenbau 1387-90), Julier, Albulapass und Landwassertal. L. bildete eine der vier Porten an der sog. Oberen Strasse und verfügte über eine Sust sowie das Zollrecht. 1834-40 wurde die durchgehend fahrbare Julierstrasse errichtet, 1870-73 die in L. abzweigende Landwasserstrasse Richtung Davos. Der in den 1960er Jahren einsetzende Bau von Ferienhäusern wurde in den 70er Jahren intensiviert. Anfang der 80er Jahre überstieg die Zahl der Ferienwohnungen diejenige der ständig bewohnten. 1986 verfügte die Gem. über 1'197 Fremdenbetten, davon 68% in Zweitwohnungen. 2000 betrug der Anteil der Romanischsprachigen knapp zwei Fünftel.


Literatur
Kdm GR 2, 1937, 349-370
– K. Egli, Die Landschaft Belfort im mittleren Albulatal, 1978
Gem GR

Autorin/Autor: Jürg Simonett