Alvaneu

Ehemalige politische Gemeinde GR, Kreis Belfort, Bezirk Albula, seit 2015 mit Alvaschein, Brienz/Brinzauls, Mon, Stierva, Surava und Tiefencastel Teil der neuen Gemeinde Albula/Alvra. Haufendorf auf einer nördlich über der Albula gelegenen Terrasse, mit der Fraktion Alvaneu Bad im Talboden, dem Maiensäss Aclas d'Alvagni sowie den Alpen Creusch und Ramoz, Letztere im Aroser Welschtobel. 1244 Aluenude, 1530 Allweneü, rätorom. Alvagni. 1838 362 Einw.; 1850 354; 1900 382; 1950 475; 2000 403. Eine latènezeitl. Lanzenspitze und röm. Münzen wurden in A. Bad entdeckt. Im 13. Jh. begann die Besiedlung durch Walser auf einem Herrschaftshof der Frh. von Vaz, neben bischöfl. Gütern von Romanen mit vorwiegender Schafzucht. Seither liegt A. im Bereich der dt.-rätorom. Sprachgrenze. 1338 gelangte A. mit dem Gericht Belfort an die Gf. von Toggenburg. 1436 wurde das Landgesetz für das Halbgericht A. festgehalten, das bis 1850 Teil des Zehngerichtebunds blieb. In diesem spielte im 16.-17. Jh. die Fam. Walthier von A. eine führende polit. Rolle. 1480 erfolgte die Aufteilung der Gerichtsgemeinde A. in die Nachbarschaften A., Schmitten und Wiesen, 1481 der Zukauf des Aroser Welschtobels zur Galtviehalp Ramoz. Im Welschtobel wurden bis um 1700 Blei und Zink abgebaut und im Schmelzboden, später in Bellaluna, verhüttet. Als erste Gemeinde Graubündens stimmte A. 1799 für den Anschluss an die Helvet. Republik. Die 1290 erw. Kirche (Mauritius-Patrozinium 1353 genannt) teilte mit St. Luzius in Schmitten den dortigen Friedhof. Sie wurde beim Dorfbrand 1460 zerstört, 1495 neu geweiht. 1697 entstand ein barocker Neubau durch Kapuziner von Tiefencastel, die 1686-1890 die Pfarrei betreuten. Das erste Schulhaus von 1849 (70 Schüler) wich 1955 einem Neubau. Zwei Grossbrände, 1859 und 1873, zerstörten viel hist. Bausubstanz. Bis nach dem 2. Weltkrieg war A. ganz, 1990 noch zu 40% rätorom. Um 1950 wurde fast nur Vieh- und Forstwirtschaft nebst wenig Ackerbau betrieben. 1990 zählten noch 21% der Arbeitsplätze zum 1. Sektor. Viele Einwohner des Dorfs, das nur wenige Gewerbe- und Gastbetriebe aufweist, gingen auswärts, v.a. in Gewerbe und Hotellerie, einer Beschäftigung nach. 1976-82 entstanden zwei grosse Ferienhaus-Siedlungen. Seit 1990 hat A. Anteil am Elektrizitätswerk Albula des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich. Mit Filisur und Schmitten erstellte es eine Abwasserreinigungsanlage in A. Bad. 1997 beschlossen die Gemeinden des Kreises Belfort den Bau eines Tal-Altersheims in A.


Archive
– GemA
Literatur
– P. Gillardon, Gesch. des Zehngerichtenbundes, 1936
Kdm GR 2, 1937, 329-342
– K. Egli, Die Landschaft Belfort im mittleren Albulatal, 1978
Gem. GR

Autorin/Autor: Gion Peder Thöni