11/10/2012 | Rückmeldung | PDF | drucken

Tiefencastel

Dieser Artikel wurde für die Buchausgabe des HLS mit einem Bild illustriert. Bestellen Sie das HLS bei unserem Verlag.

Polit. Gem. GR, Hauptort des Bez. Albula, Dorf am Fuss von Albulapass und Julierpass. 831 in Castello Impitinis mit Sitz des königl. Verwalters, ab 14. Jh. Tüffenkasten, rom. Casti. 1850 135 Einw.; 1880 209; 1900 257; 1950 327; 2000 230. Auf Plattas bronzezeitl. Siedlung, auf dem Kirchenhügel röm. Kastell, Erzmünzenfunde aus dem 3. und 4. Jh. Im FrühMA befestigte Siedlung, im MA Zollbrücke. Vermutlich von der Schenkung Ottos I. 960 an bischöfl. Herrschaftsgebiet, ging T. als Lehen an die Vazer und andere lokale Vasallen. Nach Mitte des 16. Jh. war das Gericht T. (niedere Gerichtsbarkeit) mit den Nachbarschaften T., Alvaschein und Mon Teil des Hochgerichts Oberhalbstein im Gotteshausbund. Beim heutigen Bildstock an der Julierstrasse stand die im 6./7. Jh. erbaute Kapelle St. Ambrosius. 1343 wird die heutige Kirche St. Stefan erw., die 1650 durch Kapuziner neu erbaut und mit bedeutenden Schnitzereien und Malereien ausgestattet wurde. 1635-1945 besorgten ital. Kapuziner von T. aus das Albulatal. 1890 zerstörte ein Grossbrand grosse Teile des Dorfes. Bis 1900 führte die Hauptverkehrsachse der sog. Oberen Strasse über Julier- und Septimerpass durch T. Nach dem Ausbau der Passwege machten die Errichtung der Pferdepost- (1835) und der Bahnstation (1900) T. zum Verkehrsknotenpunkt. Eine teilweise Dorfumfahrung (1999) brachte Erleichterung für das ab den 1970er Jahren unter enormem Durchgangsverkehr leidende Dorf. Der ursprünglich landwirtschaftlich geprägten Gem. brachten ab 1850 erste Hotelbauten v.a. für Passanten zusätzl. Verdienst. Bis 1950 war T. der wichtigste Viehmarktort der Region. Kleingewerbe- und Dienstleistungsbetriebe, wenig Industrie. 1990 Eröffnung der Kraftwerkzentrale Filisur-T. 2005 arbeiteten 34% der in T. Erwerbstätigen im 2., 62% im 3. Sektor. Teilweise regionale Zentrumsfunktionen (Kreis-Sekundarschulen, Consumverein Albula-Oberhalbstein). Trotz rom. Kindergarten und Unterstufe ist die rom. Sprache auf dem Rückzug (1980 50%, 2000 38%).


Literatur
Kdm GR 2, 1937, 320-328
– P. Palmy, Zur Gesch. des MA von Albula/Surmeir und Umgebung, Beil. zum Bündner Kal., 1966-71
– J.A. Sigron, Heimatbuch T., 1968
Gem. GR

Autorin/Autor: Gion Peder Thöni