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Stierva

Polit. Gem. GR, Kreis Alvaschein, Bez. Albula. Haufendorf über dem unteren Albulatal. Um 840 Seturiuo. Dt. Stürvis (offizieller Name bis 1943). 1850 179 Einw.; 1900 150; 1950 150; 2000 128. 1984 stiess man beim Maiensäss Tiragn (1 600 m) auf die Überreste einer Eisenschmelze von 1800 v.Chr. Im 12.-13. Jh. war S. Grenzort zwischen dem Gebiet der Frh. von Vaz und dem bischöfl. Oberhalbstein. Aus diesem Grund bauten Erstere um 1275 die Burg La Tor (zu Beginn des 21. Jh. noch bewohnt), die als Sitz der 1312 erstmals erwähnten Herren von Stürffis (im 15. Jh. ausgestorben) diente. Die heutige, 1521 errichtete got. Marienkirche ruht auf dem Fundament älterer Vorgängerbauten, die um 840, 1290 und 1357 bezeugt sind. S. gehörte nach 1356 zum bischöfl. Gebiet und 1552-1851 zusammen mit Mutten zum Hochgericht Obervaz als Teil des Gotteshausbundes. Bis gegen 1950 bestand S. als Bauerndorf, das aus der Waldbewirtschaftung einen wichtigen Ertrag löste. Aus den Ställen der drei früher als Frühjahrsweide genutzten Maiensässe entstanden Ferienhäuser, ebenso auf der alten Alp (Alp da S.). Nach 1950 nahm die Zahl der Betriebe ab, dank der Melioration nach 1960 und jungen Bauern kann sich die Landwirtschaft jedoch halten. S. bildet mit Mon und Salouf einen Schulverband mit Unterstufe in S. Die rätorom. Sprache geriet zu Beginn des 21. Jh. unter Druck.


Literatur
Kdm GR 2, 1937, 310-320
– J.L. Muraro, Unters. zur Gesch. der Frh. von Vaz, 1972
– U. Clavadetscher, «Ausgrabungen in der Pfarrkirche St. Maria Magdalena in S.», in Gesch. und Kultur Churrätiens, hg. von U. Brunold, L. Deplazes, 1986, 147-180
– G.P. Thöni, «Eine prähist. Verhüttungsanlage», in Der Bergknappe, 1991, Nr. 57, 7-18, Nr. 58, 9-13

Autorin/Autor: Gion Peder Thöni