22/06/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken

Mutten

Polit. Gem. GR, Kreis Alvaschein, Bez. Albula. Dreistufensiedlung südlich über der Schinschlucht, mit Unter-M. (ganzjährig bewohnt, 1394 m), Stafel (1761 m) und Ober-M. (1860 m). 1363 unz uff die Mutten (nicht belegt), 1549 Hans ab Mutten. Rätorom. Mut. 1803 98 Einw.; 1850 132; 1900 193; 1910 99; 1950 125; 2000 80. Ursprünglich Alp- und Maiensässgüter von Stierva und Zillis. Die Vazer Territorialherren scheinen das Gebiet nach 1300 mit Walsern besiedelt zu haben. Mit Stierva bildete M. ein Viertel der Gerichtsgemeinde Obervaz, besass aber einen eigenen Ammann und ab 1655 ein Ehegericht. Kirchlich gehörte M. zu Stierva. 1582 trat es zur Reformation über. Kirchen entstanden 1583-84 in Unter- und 1718 in Ober-M. Die Bewohner von M. lebten von Viehwirtschaft und Ackerbau in isolierter Lage mit prekären Fusswegen; die Landwirtschaft auf drei Stufen zog im Jahreslauf den Ortswechsel der ganzen Bevölkerung nach sich. Seit 1851 ist M. die einzige deutschsprachige und ref. Gem. im Kreis Alvaschein. Die 1869 erbaute Strasse (seit 1903 mit Anschluss an die Station Solis der Albulalinie der Rhät. Bahn) ermöglichte einen bescheidenen Tourismus. 1946 brannte ein grosser Teil von Ober-M. nieder. 2005 stellte der 1. Sektor 83% der Arbeitsplätze.


Literatur
– R. Hotzenköcherle, Die Mundart von M., 1934
Kdm GR 2, 1937, 290-292
Gem. GR

Autorin/Autor: Jürg Simonett