04/06/2015 | Rückmeldung | PDF | drucken

Gaiserwald

Polit. Gem. SG, Region St. Gallen. Ortsbürgergem. ohne Ortschaft gleichen Namens, durch den Sittergraben von St. Gallen getrennt. Umfasst die Dörfer St. Josefen, Abtwil (Sitz der Gemeindeverwaltung) und Engelburg. Vorortsgem. der Stadt St. Gallen. 1282 Gaiserwalt. 1850 1'269 Einw.; 1900 2'508; 1941 2'173; 1950 2'396; 1960 2'319; 2000 7'495.

Das Waldgebiet wurde vom Kloster St. Gallen aus erschlossen und besiedelt. Im 12. oder 13. Jh. gab es bereits Streusiedlungen und die Burgen Aetschberg und Spisegg, während die Burgen Alt- und Neumeldegg aus dem 13. und 14. Jh. stammen. Bis ins 17. Jh. waren die Höfe und Weiler im G. "vor und hinter dem Tobel" nach der Stiftskirche St. Gallen pfarrgenössig. 1660 wurde unter Abt Gallus Alt eine eigene Pfarrkirche errichtet, die 1960 abgebrochen und durch eine Kapelle ersetzt wurde. Die entstehende Häusergruppe wurde vorerst Hofacker, später St. Josefen genannt. Die heutige Pfarrkirche der kath. Kirchgemeinde St. Josefen befindet sich seit 1905 in Abtwil. G. bildete bis 1798 eine Hauptmannschaft des fürstäbt. Landeshofmeisteramtes. Ab 1803 Gem. des neu gegr. Kt. St. Gallen als Teil des Distrikts Rorschach, 1831-2002 beim Bez. Gossau.

Bis in die 1. Hälfte des 19. Jh. waren Acker-, Garten- und Obstbau sowie v.a. Viehhaltung vorherrschend, mit Absatz auf dem Markt in St. Gallen. Seit 1860 Aufschwung der Stickerei als Haus- und Fabrikindustrie. In der Gem. liefen in den späten 1880er Jahren 340 Stickmaschinen, die von 15 Fabrikanten und 42 selbstständigen Stickern betrieben wurden. Gleichzeitig Übergang zur Milchwirtschaft (1889: 103 Landwirte, 9 Käser und "Milchler"). Weitere Arbeitsplätze boten Fabriken im Sittertal und Gewerbebetriebe in der Stadt St. Gallen. Seit 1925 verkehrt ein regelmässiger Postautokurs nach St. Gallen.

Naturnahe Wohnanlage und grosses Angebot an günstigem Bauland liessen seit 1960 neue Wohnsiedlungen entstehen, wodurch das ansässige Gewerbe gefördert, in erster Linie aber der Pendlerstrom nach St. Gallen verstärkt wurde (2000 gut zwei Drittel Wegpendler). Neue Infrastrukturen wurden notwendig. 1987-90 Errichtung eines Oberstufenzentrums. Grössere Veränderungen brachte die Eröffnung eines Migros-Freizeitparks (1986). Die ärml. Bauerngem. wandelte sich zur Agglomerationsgem. mit mehrheitlich urbanisierter, mittelständ. Bevölkerung.


Literatur
– E. Ziegler, G. in alten Ansichten, 1983 (21996)
– D. Studer, Ortsbildinventar der Gem. G., 1990
G., hg. von E. Ziegler, 2004

Autorin/Autor: Ernst Ziegler