No 1

Coubertin, Pierre de

geboren 1.1.1863 Paris, gestorben 2.9.1937 Genf, 1937 Ehrenbürger von Lausanne. Der franz. Aristokrat mit republikan. Gesinnung war von der Bedeutung einer mit der Kultur verbundenen Leibeserziehung überzeugt. Er förderte den Sport, indem er mehrere Gesellschaften gründete und zahlreiche Publikationen verfasste. 1894 rief er in Paris das Internat. Olymp. Komitee (IOK) ins Leben, das er 1896-1925 in autokrat. Weise präsidierte. Als grosser Bewunderer von Lausanne liess er sich 1915 in dieser Stadt nieder und verlegte auch den Sitz des IOK hierher. Die Schweiz wurde zu C.s zweiter Heimat. Nach dem Zerwürfnis mit dem IOK, dem er eine zu entgegenkommende Haltung gegenüber dem kommerziell betriebenen Sport vorwarf, gründete er mehrere Institutionen: 1925 den Pädagog. Weltbund, im gleichen Jahr das Museum und die olymp. Bibliothek, 1928 das Internat. Büro für Sportpädagogik. Sie sollten dazu dienen, seine auf dem Sport basierenden reformpädagog. Ideen zu verbreiten. Sein Ziel war es, den antiken olymp. Gedanken zu einer Art universellen Religion zu machen. Ohne grossen Erfolg versuchte er, in polit. und universitären Kreisen Unterstützung zu finden. Seine vielfältigen Aktivitäten und ein unglückl. Geschäftsgebaren brachten ihn zunehmend in finanzielle Nöte. Dank der Grosszügigkeit von Freunden und der Stadt Lausanne, die einige seiner Unternehmungen subventionierte, konnte C. dennoch seinen Lebensunterhalt fristen.


Werke
Textes choisis, hg. von N. Müller, 3 Bde., 1986, (mit Bibl.)
Archive
– Olymp. Museum, Lausanne, Nachlass
Literatur
– C. Gilliéron, Les relations de Lausanne et du mouvement olympique à l'époque de Pierre de C., 1894-1939, 1993
– P. Cholley, Pierre de C., la deuxième croisade, 1996

Autorin/Autor: Karel Wendl, Marco Marcacci / AA