• <b>Ofenbau</b><br>Vom Lausanner François Pollien für das Pfarrhaus von Crissier 1746 gefertigter Kachelofen, wiederhergestellt (mit Schnitt) anlässlich einer Ausstellung im Musée historique de Lausanne 1997 (Musée historique de Lausanne).

Ofenbau

Der O. hat seinen Ursprung in der ummauerten, überwölbten Feuerstelle. Am stärksten verbreitet sind in der Schweiz Kachelöfen, doch auch gemauerte Öfen haben sich im Alpenraum bis ins 21. Jh. erhalten. Öfen aus Speckstein gibt es v.a. noch im Wallis und südlich der Alpen.

Für die Konstruktion von Ofengewölben müssen schon früh Tongefässe verwendet worden sein. Noch vor 1200 begann man Becher aus gebranntem Ton mit der Mündung nach aussen auch in die Ofenwand einzusetzen. Um 1300 erscheint ein solcher Ofen in ausgebildeter, in Feuerkasten, Turm und Kuppel gegliederter Form und mit reichem Becherbesatz auf dem Dezemberbild der Monatsdarstellungen aus dem Haus Zum langen Keller in Zürich. Wenig später tauchten in Zürich auch die ersten, mit einem Reliefbild geschmückten Ofenkacheln auf, deren Schauseite meist schon glasiert war (Keramik).

Das 14. Jh. brachte mit dem Aufstieg des Hafnerhandwerks in Städten der dt. Schweiz wie Zürich, Bern und Luzern die rasche Entwicklung des vollständig mit Reliefkacheln verkleideten Ofens. Der Kachelofen wurde damit zum repräsentativen Schmuckstück der Stube in Rats-, Gesellschafts- und Herrschaftshäusern in der Stadt und auf dem Land. Im 15. Jh. waren die Öfen meist nur grün glasiert. Kurz nach 1450 kamen in Basel und Zürich mehrfarbige und teilweise weisse Kacheln mit blauer Bemalung vor. Die entscheidende Anregung zur Herstellung von bunt glasierten oder weiss grundierten, bemalten Öfen erhielt die Hafnerei erst in den Jahrzehnten engster Kontakte mit Italien nach 1500. Der fast ausschliesslich in Majolikatechnik ausgeführte, d.h. opakweiss glasierte und bemalte Ofen von 1518 aus dem Schloss Holligen in Bern ist das bis anhin früheste datierte Beispiel dieser Art in der Schweiz.

<b>Ofenbau</b><br>Vom Lausanner François Pollien für das Pfarrhaus von Crissier 1746 gefertigter Kachelofen, wiederhergestellt (mit Schnitt) anlässlich einer Ausstellung im Musée historique de Lausanne 1997 (Musée historique de Lausanne).<BR/>
Vom Lausanner François Pollien für das Pfarrhaus von Crissier 1746 gefertigter Kachelofen, wiederhergestellt (mit Schnitt) anlässlich einer Ausstellung im Musée historique de Lausanne 1997 (Musée historique de Lausanne).
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Im Lauf des 16. Jh. nahm der O. die Architekturformen der Renaissance auf. Ein hervorragendes, frühes Beispiel ist der Ofen aus farbig bemalter Majolika, den der Luzerner Hafner Martin Knüsel 1566 in die Rosenburg nach Stans lieferte (heute im Schweiz. Landesmuseum). Zum bedeutendsten Zentrum für die Herstellung von Öfen, die mit reichem Bilderschmuck belehrenden und erbaul. Inhalts verziert waren, wurde die Stadt Winterthur. Hier waren Meister der Fam. Pfau während des ganzen 17. Jh. in dieser Kunst führend. Im 18. Jh. traten andere Orte in den Vordergrund, etwa Steckborn, Zürich, Zollikon, Muri (AG), Aarau, Bern, Freiburg, La Neuveville, Yverdon und Vevey. Dazu kam eine wachsende Zahl kleinerer Hafnereien. In Zürich entstanden von den 1740er Jahren an plastischer gebildete, von einer Kuppel bekrönte Öfen mit ganz in Blautönen gehaltener Bemalung. Rokokoöfen mit feinen, polychromen Blumendekors in Aufglasurmalerei wurden in Bern, Beromünster und Lenzburg gefertigt. Gegen Ende des 18. Jh. setzte sich der Klassizismus mit weissen Öfen durch. Gleichzeitig wurde die alte Frage der Holzsparkunst neu verhandelt.

Ende des 19. Jh. strebten die Firma Bodmer & Biber in Zürich und der Hafner Josef Anton Keiser in Zug eine Erneuerung des historisch bemalten Kachelofens an. Die Entwicklungen in der Heiztechnik führten im 20. Jh. aber dazu, dass der O. viel von seiner einstigen Bedeutung verlor.


Literatur
– K. Frei, Zur Gesch. der aarg. Keramik des 15.-19. Jh., 1931
– W.A. Staehelin, «Die Öfen der Manufaktur Frisching», in Mitteilungsbl. / Keramik-Freunde der Schweiz 81, 1970, 3-35
– B. Zehmisch, «Das Zürcher Hafnerhandwerk im 18. Jh.», in Mitteilungsbl. / Keramik-Freunde der Schweiz 90, 1977, 3-54
– M.-T. Torche-Julmy, Poêles fribourgeois en céramique, 1979
– U. Bellwald, Winterthurer Kachelöfen, 1980
– M. Früh, «Winterthurer Rathausöfen», in Mitteilungsbl. / Keramik-Freunde der Schweiz 95, 1981, 3-147
– M. Fontannaz, Les cures vaudoises, 1986
– E. Kaufmann Roth, Spätma. reliefierte Ofenkeramik in Bern, 1994
Die Entdeckung der Stile: die Hafnerei Keiser in Zug, Ausstellungskat. Zug, 1997
K+A 50, 1999, H. 2
– C. Kulling, Poêles en catelles du Pays de Vaud, 2001
– M. Früh, Steckborner Kachelöfen des 18. Jh., 2005
– C. Kulling Catelles et poêles du Pays de Vaud du 14e au début du 18e siècle, 2010
– R. Schnyder Ma. Ofenkeramik, 2 Bde., 2011

Autorin/Autor: Rudolf Schnyder