Niederbüren

Polit. Gem. SG, Region Wil. N. besteht aus dem Dorf am rechten Rand der Thurebene sowie Weilern im angrenzenden Hügelland. Um 737 Gaulichesburia, 817 ad Purias, 1266 Nidernburron. 1798 947 Einw.; 1850 1'181; 1900 1'038; 1950 1'135; 2000 1'414. 1210-1398 erschienen die Lindenberg als Ministeriale, 1268-1358 die Om von Rätenberg, 1262 die Hertenberg. Schriftzeugnisse zur ma. Burganlage Ochsenrain fehlen. 1468 erwarb die Abtei St. Gallen die Vogtei N., erliess 1469 eine Offnung und teilte den Ort dem Wiler Amt zu. 1798-1803 war N. Teil des Kt. Säntis.

1266 wurde die Pfarrkirche erstmals erwähnt, was die Trennung von Oberbüren voraussetzt. Vor 1635 erfolgte die Schulgründung, 1761-65 der Neubau der Pfarrkirche St. Michael als spätbarockes Gesamtkunstwerk. 1848 zerstörte ein Dorfbrand 28 Gebäude. Bis ins 19. Jh. überwogen Ackerbau und Heimweberei. In den Allmenden der Thurauen besassen die Dorfbürger Nutzungsprivilegien (ab dem 19. Jh. als Bürgerkorporation). Beim Übergang zur Milchwirtschaft fiel der 1845 in der Mühle Sorntal gegr. Käserei eine Pionierrolle zu. Die 1886 im Sorntal eingerichtete kant. Molkereischule übersiedelte 1896 nach Rheineck. Nach der ab 1919 ausgeführten Thurkorrektion wurden die Thurauen bis 1944 zur Arbeitsbeschaffung und zum Mehranbau gerodet und melioriert, was 1948 die Anlage des Golfplatzes ermöglichte. Einziger Industriebetrieb war 1823-1969 die von Zürcher Unternehmern gegr. Spinnerei und Weberei Sorntal, die als Zetag bis 2007 Heimtextilien produzierte. Daneben entstanden ab 1874 kleinere Stickereibetriebe. Industriegeschichte und Arbeitstechniken werden seit 1994 im Textilmuseum Sorntal dokumentiert. Der 2. Sektor stellte 2005 53% der Arbeitsplätze, wobei die 1971 gegr. Aluwag der wichtigste Arbeitgeber war. 2008 arbeiteten viele Einwohner von N. in St. Gallen, Gossau (SG) oder Uzwil.


Literatur
– G. Lutz, Textilgesch. Sorntal, 1823-1989, 1989
– H. Hungerbühler, N., 2007

Autorin/Autor: Markus Kaiser