08/06/2004 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Brütten

Polit. Gem. ZH, Bez. Winterthur. Das auf einem Hochplateau westl. des Kempt- und Tösstals gelegene Gemeindegebiet umfasst neben dem Kirchdorf B. die Weiler Strubikon, Birch, Eich und seit 1922 Obereich. 876 Pritta. 1467 ca. 70 Einw.; 1634 230; 1850 515; 1900 462; 1950 492; 1970 671; 2000 1'774.

Südöstlich des heutigen Dorfs stand in spätröm. Zeit eine Villa nahe der Römerstrasse Vindonissa-Brigantium (Bregenz). 876 erhielt das Kloster St. Gallen Güter in B., die 979 über Verwandte des ersten Einsiedler Abts Eberhard (gestorben 958) an das Kloster Einsiedeln kamen und später von evtl. in der Wehranlage Buch ansässigen Ministerialen verwaltet wurden (belegt im 13. Jh.). Um 1300 wurde das Einsiedler Hofrecht für B. schriftlich festgehalten. Die Vogtei, ein Einsiedler Lehen, kam 1293 von den Herren von Rapperswil an die Habsburger, von diesen 1424 bzw. 1452 zusammen mit dem Hochgericht an Zürich. Das Gallus-Patrozinium der 1223 erw. Kirche deutet auf eine frühere Gründung. Im 13. Jh. besass das Kloster Einsiedeln die Kollatur, die es, wie das Zehnten-Einzugsrecht und das Niedergericht, auch nach der Reformation behielt. Erst 1834 wurde sie durch Zürich abgelöst. Der Kirchenneubau von 1907-08 ist ein Werk von Robert Rittmeyer und Walter Furrer.

Im Spannungsfeld zwischen der von der Landvogtei Kyburg ausgeübten zürcher. Oberhoheit und den Rechten des Klosters Einsiedeln erfolgte die Gemeindebildung in der frühen Neuzeit zögernd. Um 1540 erhielt B. einen Einzugsbrief. 1798 wurde B. zur polit. Gem., zuerst im helvet. Distrikt Bassersdorf, seit 1831 im Bez. Winterthur. B. entwickelte sich zur ökonom. Mustergem. unter dem Einfluss von Pfarrer David Kitt (1718-1802). Die viel befahrene Landstrasse Zürich-Winterthur südl. des Dorfes verlor nach der Verkehrsführung über Tagelswangen (1841) an Bedeutung. Verbindungen boten 1901-26 eine Pferdepost nach Effretikon, 1926-82 das Postauto nach Kemptthal, seit 1963 der Anschluss an die Buslinie Winterthur-Flughafen Kloten. Das peripher gelegene B. entwickelte sich nur langsam und bewahrte bis gegen 1970 seinen bäuerl. Charakter (1930 56% Erwerbstätige im 1. Sektor, 1990 noch 24%). Seit ca. 1960, verstärkt 1975-85, sind Einfamilienhaus-Quartiere an bevorzugter Wohnlage entstanden. Das geringe Arbeitsplatzangebot B.s führte zu einem Anwachsen des Wegpendleranteils (1990 78%).


Literatur
– H. Kläui et al., Gesch. der Gem. B., 1972

Autorin/Autor: Ueli Müller