Schokolade

Die S. gehört seit der 2. Hälfte des 19. Jh. zum verniedlichenden Klischee, das sich das Ausland von der Schweiz und diese von sich selbst macht. Die S. ist ein Nahrungs- und Genussmittel aus einer Mischung unterschiedlich verarbeiteter Kakaobohnen und Zucker, der je nach Verwendungszweck Kakaobutter, weitere pflanzl. Fette, Milchprodukte (Kondensmilch), Gewürze, Nüsse usw. beigefügt werden.

Von Hernando Cortez 1528 aus Mittelamerika nach Europa gebracht, gelangten Kakaobohnen und S. spätestens im 17. Jh. in das Gebiet der heutigen Schweiz. Die Verbreitung und handwerkl. Verarbeitung, zu der in der Schweiz Wasserkraft und Mühlen genutzt wurden (um 1750 Schermenmühle bei Bern), erfolgte im 18. Jh. vorwiegend durch ital. und franz. Wanderarbeiter. Neben dem Tessin, wo hauptsächlich im Bleniotal S. produziert wurde, kam es v.a. am Genfersee zur Gründung solcher Kleinbetriebe (1767 in Vevey, 1788 in Morges, 1792 zwei in Lausanne).

Nur wenige der zahlreichen im 19. Jh. gegründeten Fabriken konnten sich über eine längere Zeit oder bis heute behaupten. Zu diesen gehören Cailler (ab 1819 in Vevey-Corsier), Suchard (1826, Serrières), Favarger (1826, Genf), Kohler (1830, Lausanne), Sprüngli (1845, Zürich), Maestrani (1852, Luzern), Klaus (1856, Le Locle), Peter (1867, Vevey), Lindt (1879, Bern), Frey (1887, Aarau) und Tobler (1899, Bern). Auch im 20. Jh. entstanden noch Schokoladefabriken, wie z.B. Camille Bloch (1929, Bern). Nestlé (gegr. 1867) ist heute der bedeutendste Schokoladehersteller der Welt.

Obwohl die meisten Betriebe schon früh S. exportierten, setzte der Durchbruch auf dem Weltmarkt und damit der Aufschwung der Schokoladeindustrie erst ab den 1880er Jahren ein. Zum Weltruf der Schweizer S. trugen die Entwicklung der Milchschokolade durch Daniel Peter (1875) und jene der Fondantschokolade (Conche) durch Rudolf Lindt (1879) massgeblich bei. Der Export stieg von 502 t (1887) auf 27'262 t (1915). Diese Menge wurde erst 1987 wieder erreicht. Der Ausfuhranteil an der Produktion erlangte mengenmässig vor dem 1. Weltkrieg mit rund zwei Dritteln den Höhepunkt. 1994 betrug er noch 44%, 2010 wieder 60%. Die Erschliessung ausländ. Märkte und der dazu notwendige Kapitalbedarf begünstigten Fusionen und Kooperationen. Handelsrestriktionen verstärkten die Tendenz zur Gründung ausländ. Produktions- und Verkaufszentralen. Heute wird die im Ausland verkaufte Schweizer S. zum grössten Teil auch dort hergestellt. Beim Pro-Kopf-Verbrauch von S. liegt die Schweiz mit 12 kg (2010) weltweit an der Spitze. Die verkaufte Gesamtmenge stieg von 108'882 t (1990) auf 176'424 t (2010). Der Produktionszuwachs wurde mit einer von 5'236 (1990) auf 4'241 (2010) gefallenen Beschäftigtenzahl erreicht.

Export von Schokoladeprodukten (in t)
JahrSchokoladePulver/HalbfabrikateTotal
188747329502
189064239681
19002 9431973 140
191010 04071610 756
192015 60764616 253
19306 1851546 339
194025275327
1950a1 5742241 798
19606 9883397 387
19708 3476308 977
198014 8281 65016 478
199036 0574 03640 093
200055 1858 76063 945
201090 90615 689106 595

a Bis 1950 basieren die Zahlen auf den Zollpositionen 63 und 64, danach auf den Angaben der Schokoladefabrikanten.

Quellen:Aussenhandelsstatistik, Chocosuisse

Aus der 1901 gegründeten Union libre des fabricants suisses de chocolat gingen 1916 die Chambre syndicale des fabricants suisses de chocolat (heute Chocosuisse) und die Convention chocolatière suisse hervor, die sich 1994 auflöste. Erstere nimmt die allg. Interessen ihrer Mitglieder wahr, letztere kümmerte sich um einheitl. Preis- und Lieferbedingungen.

Wichtigste Produktgruppen der schweiz. Schokoladeindustrie sind heute die Tafelschokolade (Gesamtverkauf 2010: 97'528 t), Konfiserieartikel wie z.B. Pralinés und Riegel (38'797 t), Halbfabrikate für den Konfiseur (30'773 t) sowie div. Festartikel (8'109 t). Seit jeher eine untergeordnete Rolle spielen Schokolade- und Kakaopulver (2010: 1,2 t).


Literatur
– V. Hadorn et al., S., 1994
150 Jahre Freude bereiten, 1995
BZGH 63, 2001
– A.J. Bougard, CH comme CHocolat, 2001
Il cioccolato: Industria, mercato e società in Italia e Svizzera (XVIII-XX sec.), hg. von F. Chiapparino, R. Romano, 2007
L'oro bruno - Cioccolato e cioccolatieri delle terre ticinesi, Ausstellungskat. Lottigna, 2007
– R. Rossfeld, Schweizer S., 2007

Autorin/Autor: Albert Pfiffner