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Färberei

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F. bezeichnet sowohl die Verfahren, mit denen Textilien (Garn, Strangen, Gewebe, Strickwaren usw.) eine bestimmte Farbe gegeben wird, als auch den zum Färben erforderl. Betrieb. Bis um 1800 gehörten F.en zu den konzessionspflichtigen, besonders privilegierten Ehaften. Mit der expandierenden Textilindustrie des 19. Jh. blühte auch die Textilveredlung; F.en und Bleichereien gingen vom Handwerks- zum Fabrikbetrieb über. Die Krise der Textilindustrie in den letzten Jahrzehnten des 20. Jh. schadete auch der F.

1 - Verfahren und Farben

Die F. ist seit dem Altertum bekannt. Gewisse Fasern (Wolle, Seide) nehmen bestimmte Farben direkt auf, andere Fasern müssen vorbereitet werden und können z.B. erst nach Beizen durch chem. Reaktion in oder auf dem Textil gefärbt werden; viele Farbtöne entstehen erst durch Überfärben. Die unterschiedl. Färbetechniken, die eine grosse Sachkenntnis verlangten, wurden bereits im MA in Rezeptbüchern aufgezeichnet. In Textilzentren etablierten sich auf besondere Färbeverfahren spezialisierte Berufe wie Schwarz-, Kunst-, Schön- und Seidenfärber.

Bis zur Entdeckung der synthetischen Farbstoffe (ab 1856) verwendete man pflanzliche und tierische Naturfarbstoffe (Gewerbepflanzen). Die meisten gelangten als Handelsgut aus ausländ. Anbaugebieten (z.B. Waid aus Thüringen) in die heutige Schweiz, so Krapp und Kermes (Rot), Waid (Blau), Safran und Saflor (Gelb), Galläpfel (Schwarz). Als Beizmittel verwendete man u.a. Aschen- und Kalklaugen, Alaun und Urin. Der Überseehandel machte Farbstoffe seit dem 15. Jh. leichter verfügbar (z.B. Indigo) und brachte neue Farbstoffe, v.a. Hölzer (Brasil-, Blau-, Campecheholz).

Im MA waren Schwarz und Blau, in der Frühneuzeit Scharlachrot, im 18. Jh. Blau und Türkischrot beliebt. Lange genoss aber gebleichte Ware Vorrang vor gefärbter: In St. Gallen, Zentrum des Leinwandgewerbes, veredelte man schöne Leinwand durch Bleichen, Walken und Mangeln und färbte nur qualitativ minderwertige. Die lange Bleichzeit der Rasen- oder Ozonbleiche und der Trend zur Stoffdruckerei (Zeugdruck) begünstigten seit dem 17. Jh. die F.

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler

2 - Der Färbereibetrieb

Den versch. Arbeitsgängen wie Waschen, Beizen, Färben, Spülen, Auswringen und Trocknen entsprechend bestand die Einrichtung einer F. aus Bottichen für die Farbbrühe (Flotte), einem Feuerherd zur Erhitzung von Wasser oder Flotte und Hängevorrichtungen zum Trocknen des Färbgutes. Strangen und Gewebe hängte man an Holzstöcken in die Brühe, oder aber spannte sie auf Kurbeln und zog sie durch die Brühe. F.en benötigten viel Wasser und Brennholz; da sie Gewässer verschmutzten, wurden sie am Stadtrand oder in Vororten angesiedelt. Bleichereien mit viel Platzbedarf zum Ausbreiten der Rohleinwand lagen ausserhalb der Städte (in Luzern z.B. Bleichereien in Kriens). Von Bleichereien zeugen die Flurnamen Bleiche und Bleichi.

Kennzeichnend für die F. war ihre z.T. auch betriebl. Bindung an das Textilgewerbe. So gab es in der heutigen Schweiz F.en zwar in allen Städten und Marktflecken, doch nur in Textilzentren wie im spätma. Freiburg (Wollgewerbe), in St. Gallen und Wil (Leinwand), seit dem 16. und 17. Jh. in Lugano (Wollweberei), Genf und Zürich (Seidenweberei) gelangten sie zu Bedeutung.

Neben selbstständigen Färbern mit Ehaften, die im Auftrag von Webern und Kaufleuten einheimische oder importierte Ware färbten, gab es Weber und Tuchscherer (Kardierer), auch Kaufleute, die nebenher selbst oder mit Hilfe von Lohnfärbern färbten. Fehlende Arbeitsteilung führte zu Kämpfen um das Färbereimonopol: In Basel stritten sich Färber und Tuchscherer (1504); in Luzern behielten Leinen- und Wollweber (1678, 1739), in Zürich Wollweber das Recht (1702), eigene Ware zu färben. In Basel griffen umgekehrt Färber in die Garnproduktion ein und liessen verlagsweise spinnen, was zu färben war (16. Jh.); in St. Gallen trieben sie nebenher Samthandel (1673).

Bleiche, Walke und Mangel waren je nach Ort Nebenbetriebe der F. (z.B. Zürich 1580 Färben und Mangeln als ein einziges Handwerk) oder selbstständige Betriebe im Besitz Privater (Luzern), einer Stadt (St. Gallen, Basel) oder des Landesherrn (in Rorschach des St. Galler Fürstabts).

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler

3 - Zünftige Organisation, Betriebsmonopol und sozialer Rang der Färber

Die Färber gehörten zu den spätorganisierten Berufen ohne selbstständige Zünfte, doch mit einflussreichen Meisterschaften (Untergruppen innerhalb von Zünften). Erfolglos machte die Weberzunft in Basel 1599 Zunftzwang geltend; den Färbern war freigestellt, welcher der vier textilen Zünfte (zwei Handels-, zwei Handwerkerzünfte) sie beitreten wollten. In Zürich galt die F. als sog. freies Handwerk ohne Zunftzwang (1674); Färbern stand jede Zunft, auch die Konstaffel, offen. In St. Gallen und Luzern schlossen sie sich der Schneiderzunft an. Die Handwerksordnung der Färber schrieb Lehre, Wanderschaft und Geschenk (Zehrpfennig an die Wandergesellen), nicht aber ein Meisterstück vor. Die Qualitätskontrolle (Farbschau) mit Schadenshaftung war streng und Sache der Meisterschaft (z.B. Luzern) oder städt. Beamter (Textilstadt St. Gallen).

Schon im SpätMA gab es auch grosse Betriebe mit mehreren Gesellen. Seit dem 16. Jh. bauten Färber und Bleicher ihre Monopolstellung als sog. bürgerliches Handwerk (Handwerk) aus; konzessionierte Betriebe sollten auf Städte und Marktflecken beschränkt bleiben. Um diese galten Bannmeilen mit Berufsverbot; ländl. Stümper wurden von den Meistern handgreiflich bekämpft. Aufgrund der wachsenden Nachfrage eröffneten einzelne Färber und Bleicher auf dem Land Annahmestellen, eine in der Gewerbepolitik des Ancien Régime ungewöhnl. Erscheinung. Wohl verlangte die F. ein hohes Start- und Betriebskapitel, doch sicherte der Schutz vor Konkurrenz ein gutes Einkommen. Färber wie Bleicher zählten daher mehrheitlich zu den gut situierten Berufsleuten.

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler

4 - Färberei und Bleicherei nach 1800

Nach 1800 nahm die F. im Schlepptau der schweiz. Textilindustrie, teils in Verbindung mit der Stoffdruckerei, v.a. in den Kantonen Glarus, Zürich und Thurgau einen enormen Aufschwung und ging teilweise zum Fabrikbetrieb über. 1843 gab es im Kt. Zürich 19 Betriebe, darunter zwei Fabriken mit 426 bzw. 150 Beschäftigten; im Kt. Glarus galt die F. zusammen mit der Stoffdruckerei als bedeutendster Industriezweig (1837 17 Fabriken mit 2'976 Arbeitnehmern). Zahlreiche neue Garn-F.en arbeiteten für die blühende Buntweberei. 1843 zählte man im Kt. St. Gallen 40-45 F.en, im Thurgau 37, in Zürich 14 und im Aargau 11.

Nach 1850 revolutionierten neue Methoden wie Baumwoll-Mercerisation, Seidenbeschwerung, Hochveredlung und Kunstfaserveredlung (Kunstfaserindustrie), v.a. aber die synthet. Farbstoffe und die chem. Schnellbleiche die Textilveredlung (Chemische Industrie). Färbe- und Bleichprozesse wurden dabei wesentlich verkürzt, die Qualität und Farbechtheit verbessert. Mit der Mechanisierung entwickelten sich F. und Bleicherei zur Veredlungsindustrie, die eigenständig im Werkvertragsverhältnis arbeitete (Lohnveredler) oder als Annexbetrieb einer Textilfabrik oder einer Fabrik für Strohflechterei angegliedert war (Betriebsveredler). Als sog. Bereitschaftsindustrien waren F. wie Bleicherei in hohem Grad konjunkturempfindlich und unmittelbar den enormen Schwankungen der Textilindustrie ausgesetzt. Bestanden z.B. 1929 noch 178 Betriebe mit 14'476 Beschäftigen, waren es 1939 101 Betriebe mit 7'854 Beschäftigten, 1955 89 Betriebe mit 10'216 Beschäftigten, 1995 157 Betriebe mit 2'738 Beschäftigten und 2001 109 Betriebe mit 1'680 Beschäftigten.

Zunahme und Rückgang waren von Standortverlagerungen begleitet: Vom 18. zum 19. Jh. verschob sich der Schwerpunkt der Färberei und Stoffdruckerei von der Westschweiz (Genf, Neuenburg) in die Ostschweiz (Glarus, Zürich), derjenige der Baumwollbleicherei von St. Gallen nach Appenzell Ausserrhoden (Baumwolle). Seit 1900 ist die Textilveredlung in der nordöstl. Hälfte der Schweiz konzentriert.

Die Krisenanfälligkeit führte zur Gründung von Branchenverbänden. 1941 schlossen sich die meisten von diesen im Verband der schweiz. Textilveredlungsindustrie zusammen (seit 1991 unter dem Dach des Textilverbands Schweiz). Die Berufsgruppe der Textilveredler umfasst Textilfärber und -ausrüster (Bleicher, Appretierer, Imprägnierer, Plisseebrenner) und Textilpfleger (Wäscher, chem. Reinigung).

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler

Quellen und Literatur

Quellen
StJ
HistStat
Literatur
– T. Geering, Handel und Industrie der Stadt Basel, 1886
Hb. der schweiz. Volkswirtschaft 2, 1955, 440-443
– W. Bodmer, Die Entwicklung der schweiz. Textilwirtschaft im Rahmen der übrigen Industrien und Wirtschaftszweige, 1960
– A.-M. Dubler, Handwerk, Gewerbe und Zunft, 1982, 290-294
– B. Veyrassat Négociants et fabricants dans l'industrie cotonnière suisse 1760-1840, 1982
LexMA 4, 285-291
– R. Reith, Lex. des alten Handwerks, 1990

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler