Jonschwil

Polit. Gem. SG, Region Wil, welche die Dörfer J. und Schwarzenbach (779 erw.), die Weiler Bettenau (772 Betinauvia) und Oberrindal sowie mehrere Einzelhöfe umfasst. 796 Johannisvilare, 1282 Jonswiler. 1819 867 Einw.; 1850 1'307; 1900 1'201; 1950 1'383; 1970 1'708; 2000 3'134. Im FrühMA erwarb v.a. die Abtei St. Gallen Grundbesitz, den sie an Adlige verlieh. Die freien Bauern bildeten eine Hundertschaft. Im 10. Jh. bestand eine klösterl. Niederlassung (vermutlich ein Eigenkloster des in der Umgebung begüterten Geschlechts Notkers des Stammlers). Es wurde v.a. Getreide angebaut (Mühle, 1271 erw.). Burgen standen in den Gemarchen Feldegg, Burg und Wildberg (1224 erw.). Im 15. Jh. gab es u.a. die Niedergerichte Schwarzenbach und Rindal sowie das Freigericht Thurlinden. Das Dorfrecht (1556 erw.) regelte die innere Ordnung. Das Patronat der Pfarrkirche (814 erw., Martinspatrozinium, 1866-70 neu errichtet) hatte die Abtei St. Gallen inne. Zur Pfarrei gehörten auch Oberuzwil und Bichwil. 1527 schloss sich Pfarrer Achilles Thalmann der Reformation an. Er war erster Dekan der Toggenburger Synode. Von 1541 an wurde die Pfarrkirche paritätisch benützt. Die Reformierten konnten 1771 in Oberuzwil eine eigene Kirchgemeinde gründen. 1803 schlossen sich J. und Schwarzenbach zur Gem. J. zusammen. Mehrfach (z.B. 1824) wurden bei Schwarzenbach eidgenössische militär. Übungslager abgehalten. 1855 erhielt J. durch den Bahnhof Schwarzenbach Anschluss an die Bahnlinie Zürich-St. Gallen. Am 9.4.1859 brannte Schwarzenbach mit 35 Häusern und der Kapelle nieder. 1893-99 wirkte in J. der Kaplan und Dichter Heinrich Federer. Im 19. Jh. siedelten sich neben häusl. Stickereien einzelne grössere Textilbetriebe an. Nach 1918 kamen holzverarbeitende Betriebe, um 1970 metallverarbeitende sowie Maschinenbauunternehmen hinzu. Die Gesamtmelioration, die eine Fläche von 1'021 ha betraf, erfolgte 1956-77. 1995 wurde in der Degenau, nordwestlich des Dorfes J., das neugebaute Oberstufenzentrum eröffnet. Der 2. Sektor stellte 2000 zwei Fünftel der Arbeitsplätze in der Gem., fast soviel wie der 3. Sektor.


Literatur
J., 1986
Jb. der polit. Gem. J., 3 Bde., 1991-93

Autorin/Autor: Beat Bühler