• <b>Hülsenfrüchte</b><br>Werbeplakat für Erbsenkonserven der Firma Hero in Lenzburg, 1958 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste). Nach der Einführung der Drescherbsen in der Schweiz 1947 konnten dank maschineller Ernte die Produktionsmengen von Erbsenkonserven massiv gesteigert werden.

Hülsenfrüchte

Unter den artenreichen H.n (Leguminosen, Hülsenfrüchtler) wurden die heute bekannten zahlreichen Sorten der Busch- und Stangenbohnen spätestens im 16. Jh. aus Amerika nach Europa eingeführt (Welschbohnen 1563) und in der Schweiz auf Pflanzland (Pünten) angebaut (Gartenbau). Ursprünglich waren in Europa nur wenige Arten von H. bekannt. Diese aber kamen sogar in alpinen bronzezeitl. Siedlungen wie Savognin-Padnal vor. Die Sorten der Alten Welt sind - anders als die der Neuen - frostresistent und ab Februar bzw. März anbaubar. Dazu zählen Acker- (Vicia faba minor) bzw. Puffbohnen (Vicia faba maior), besser bekannt unter dem Namen Pferde- oder Saubohnen, und v.a. versch. Arten von Erbsen (Pisum sativum), Linsen (Lens culinaris) und Wicken (Vicia sativa).

H. waren als bedeutendste pflanzl. Eiweisslieferanten seit dem Neolithikum eine wichtige Ergänzung zur Getreidenahrung. Sie wurden mittels Dörren lager- und transportfähig gemacht und meist zu Suppen und Brei (Mues) verkocht. In stark bevölkerten Regionen, etwa in den Heimindustrie betreibenden Dörfern am Zürichsee, entwickelten sich die nahrhaften H. ab dem 17. Jh. und besonders während Erntekrisen im Getreidebau zunehmend zum Brotersatz. Man baute sie sowohl auf der Brache wie auch auf der Sommerzelg an, wo sie z.T. den Hafer verdrängten. Da sich H. dank stickstoffhaltiger Wurzelknöllchen vorzüglich zur Gründüngung eignen, wurden sie bald in den regulären Fruchtwechsel eingebunden. Meist kamen sie als Mischkorn unter dem Sammelbegriff Fasmus (Schmalsaat) aufs Feld, und zwar als Mischung von Erbsen, Linsen oder Wicken zusammen mit Gerste, Hirse oder Einkorn, seltener auch als Reinsaat. Im 18. Jh. ergänzten als Dünger und Futtermittel verwendete verwandte Kleearten das Anbauprogramm der Brache.

<b>Hülsenfrüchte</b><br>Werbeplakat für Erbsenkonserven der Firma Hero in Lenzburg, 1958 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).<BR/>Nach der Einführung der Drescherbsen in der Schweiz 1947 konnten dank maschineller Ernte die Produktionsmengen von Erbsenkonserven massiv gesteigert werden.<BR/>
Werbeplakat für Erbsenkonserven der Firma Hero in Lenzburg, 1958 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).
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Mit dem Erfolg der Kartoffel im 19. Jh. verloren die H. in der Schweiz an Bedeutung. Die Rationierung während des 2. Weltkrieges und das spätere Aufkommen gesundheitsbewusster Reformkost brachten aber eine Trendwende. Neue Konservierungsmethoden (Büchsenkonserven, Tiefkühlprodukte) liessen den Anbau von Drescherbsen (ab 1947) und Maschinenbohnen auf durchschnittlich ein Drittel (1969 39%, 1980 28%) des Gemüsebaus anschwellen. Ab den 1980er Jahren wurden vermehrt Ackerbohnen und Erbsen als eiweissreiche Futtermittelzusätze sowie Sojabohnen als Öllieferanten angebaut.


Literatur
– C. Pfister Klimagesch. der Schweiz 1525-1860, Bd. 2, 1984 (31988)
Statist. Erhebungen und Schätzungen über Landwirtschaft und Ernährung, 1985-97
– S. Jacomet et al., «Ackerbau und Sammelwirtschaft während der Bronze- und Eisenzeit in den östl. Schweizer Alpen - vorläufige Ergebnisse», in Prähist. Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft in den Alpen, hg. von P. Della Casa, 1999, 231-244

Autorin/Autor: Markus Mattmüller, Stefanie Jacomet