15/08/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken

Ganterschwil

Polit. Gem. SG, Region Toggenburg. Zu ihr gehören neben dem Dorf G. und zahlreichen Einzelhöfen die Weiler Äwil, Anzenwil, Bleiken, Ötschwil, Tobel. G. liegt auf einer Hochfläche zwischen den Flüssen Thur und Necker. 779 Cantrichesuilare. 1800 681 Einw.; 1834 732; 1900 868; 1950 971; 2000 1'111.

Die Abteien St. Gallen und Magdenau sowie die Gf. von Toggenburg hatten in G. Grundbesitz. Neben deren Eigenleuten erscheinen urkundlich auch Angehörige des niederen Adels, z.B. Wenzel von G. (1102). Im 15. Jh. gehörte G. zur Vogtei der Gf. von Toggenburg, bis 1798 zum Gericht Mogelsberg. Nach dem Verkauf des Toggenburgs an den Abt von St. Gallen 1468 wurde G. dem Landvogt von Lichtensteig unterstellt. Das Patronatsrecht der Kirche (1361 erw., ursprünglich Maria geweiht) kam der Abtei St. Gallen zu. Die 1375 bei Ötschwil gegr. Einsiedelei mit Kapelle wurde 1865 aufgelöst. Nach 1528 bildete sich eine ref. Kirchgem., die seither neben der kath. Kirchgemeinde besteht. Nach dem Bau einer kath. Kirche (1939) wurde die parität. Pfarrkirche den Reformierten überlassen. (2000 603 kath., 398 ref.). Das Dorfrecht, 1621 erwähnt, regelte die innere Ordnung. Es wurde v.a. Korn und Hafer angebaut (3 Mühlen). Ab dem 18. Jh. gewann die Lohnweberei an Bedeutung. In Hengarten wurde bis 1863 Tuffstein abgebaut. Aus Familienbetrieben entwickelten sich kleine Textilfabriken, wie jene von Johann Georg Berlinger. Im 19. Jh. löste die Vieh- und Milchwirtschaft den Getreideanbau ab (1992 2 Käsereien). Nach der Krise der Textilindustrie ab 1918 konnten nur noch kleinere Betriebe errichtet werden. 2000 war rund die Hälfte der erwerbstätigen Bevölkerung im Dienstleistungssektor beschäftigt. Das 1913 vom ref. Pfarrer Alfred Lauchenauer für sozial benachteiligte Kinder gegr. Heim entwickelte sich zum Kinder- und Jugendpsychiatr. Zentrum.


Literatur
– B. Bühler, Gesch. von G., 1979

Autorin/Autor: Beat Bühler