• <b>Bodenmarkt</b><br>Plakat zur Volksinitiative vom 1. Oktober 1950 (Schweizerische Nationalbibliothek). Das Volksbegehren «Zum Schutz des Bodens und der Arbeit durch Verhinderung der Spekulation» richtete sich gegen die Bodenspekulation. Unterstützt wurde die Initiative von der Sozialdemokratischen Partei, der Partei der Arbeit und vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund. Mit 73% Nein-Stimmen und einer Stimmbeteiligung von 43,6% scheiterte die Vorlage.
  • <b>Bodenmarkt</b><br>Genfer Abstimmungsplakat mit der Nein-Parole zur eidgenössischen Volksinitiative «zum Schutz des Bodens und der Arbeit durch Verhinderung der Spekulation» vom 1. Oktober 1950 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste). In ihrem Kampf gegen Eingriffe des Bundes in die kantonale Souveränität beschworen die Föderalisten häufig das Feindbild eines «Bundesvogtes». Sie verteidigten das Privateigentum, fürchteten eine Verstaatlichung des Bodens und stellten sich deshalb gegen die von der Jungbauernbewegung lancierte Volksinitiative, die den Erwerb von landwirtschaftlichem Boden auf Landwirte begrenzen wollte.

Bodenmarkt

Im Gegensatz zum Güter- und Arbeitsmarkt steht im B. ein grundsätzlich unvermehrbarer und immobiler Bestand im Kräftefeld von Angebot und Nachfrage. Angebotsseitig haben zu allen Zeiten v.a. die Bodenqualität (inkl. Bodenverbesserungen), Lage und Nutzungsbeschränkungen den B. beeinflusst, nachfrageseitig v.a. das Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum sowie das Anlageverhalten. In der folgenden Übersicht steht mit dem landwirtschaftl. B. der bis zur Industrialisierung wichtigste Teilbereich im Vordergrund, der B. für den Industriesektor, den Dienstleistungssektor und das Wohnen eher im Hintergrund.

1 - Mittelalter

Ein B. im marktwirtschaftl. Sinne war ma. Rechtsdenken, insbesondere den Denkmustern innerhalb der Feudalgesellschaft, fremd. Dennoch wird im MA eine erhebl. Gütermobilität festgestellt. Wenn aber Grundbesitz gekauft, getauscht, geschenkt oder verliehen wurde, so kam der Sachgewalt und den an den Boden gebundenen Rechten bzw. Pflichten entscheidende Bedeutung zu. Will man im ma. Lehenswesen (Lehen) überhaupt von einem B. sprechen, so ist grundsätzlich zwischen der Übertragung von Eigentum und Nutzungsrechten zu unterscheiden. Rechtsgelehrte haben dafür vom 12. Jh. an die Lehre des geteilten Eigentums entwickelt, mit dem dominium directum des Eigentümers und dem dominium utile des Nutzeigentümers: Auf Eigengütern (Allod) lasteten allenfalls gerichtsherrl. Abgaben, kirchl. Rechte und vom Besitzer durch den Verkauf von Renten oder durch Jahrzeitstiftungen eingegangene Zinspflichten. Leihegüter (Leihe) dagegen waren zusätzlich durch grundherrl. Abgaben und weitere Verpflichtungen gegenüber dem Inhaber der Grundherrschaft belastet, Pachtgüter (Pacht) durch den Pachtzins.

Die Preisbildung bei Gütertransaktionen wurde von zahlreichen Faktoren beeinflusst: von der Grundstücksfläche, von den darauf stehenden Gebäuden, von der Bodenqualität, von der Art und Intensität der Nutzung, von kommunalen Nutzungsrechten und -beschränkungen (Dorf), von Ehaften und -- bei der Übertragung von Nutzeigentum entscheidend -- von der Leihe- oder Pachtform mit allen damit verbundenen Rechten, Pflichten und Abgaben. Langfristig wirksam waren sicher auch der hochma. Landesausbau bzw. die spätma. Agrarkrise. Die Vielzahl von in der Praxis meist unbekannten Faktoren erschwert die Interpretation von Preisen bei ma. Güterübertragungen.

Die ältesten bekannten Güterübertragungen im schweiz. Raum sind durch Privaturkunden aus dem Gebiet der ital. Schweiz und durch den Urkundenbestand der frühen Klöster, namentlich St. Gallens, überliefert: Im 8.-11. Jh. waren es vorwiegend Adlige und Kleriker sowie vereinzelt freie Bauern, welche Güter im Rahmen von Erbgängen, infolge Auflösung von Erbengemeinschaften, allgemein in Verfolgung von Herrschafts- oder Familienstrategien, zum eigenen Seelenheil oder schlicht aus materiellen Gründen übertrugen bzw. erwarben. Später erscheinen in der ganzen Schweiz zahlreiche Adlige und Angehörige des geistl. Standes, die aus denselben Gründen handelten. Hinzu kamen im SpätMA der Rentenkauf und das Pfandschaftswesen.

Im 14. und 15. Jh. investierten auch vermögende nichtadlige Stadtbürger in zunehmendem Masse ihr Kapital in ländl. Grundbesitz (Stadt-Land-Beziehungen). Zum einen strebten sie in Nachahmung adliger Lebensnormen nach Burgsitzen und Gerichtsherrschaften, zum andern investierten sie, von ökonom. Zielen geleitet, in die Viehwirtschaft und in den Weinbau. Dabei bedienten sie sich des direkten Gütererwerbs, der Pfandschaft, häufig auch des Rentenkaufs und des Teilbaus. Sie schoben sich oft zugleich in die Leihebeziehung zwischen Grundherren und Bauern hinein, womit sie die feudalen Bindungen allmählich lösten und durch ökonom. Abhängigkeiten ersetzten. Insbesondere der Rentenkauf bewirkte im ausgehenden 15. Jh. eine zunehmende Agrarverschuldung.

Die Bauern des SpätMA kauften oder verkauften ihre sog. freien Eigengüter wie auch ihre Erblehengüter, die sie immer mehr als fakt. Besitz betrachteten. In zahlreichen Fällen waren Erbgänge oder die Auflösung von Erbengemeinschaften die Ursachen solcher Besitzerwechsel, die Zersplitterungen bzw. Konzentrationen und damit Verschiebungen im ländl. Sozialgefüge erkennen lassen. Handänderungen von Erblehengütern boten für Grundherren ein erhebl. Verlustrisiko. Deshalb stehen in den grundherrl. Quellen das Verbot der "Entfremdung" von Eigentum und die Wahrung der Zinseinkünfte oft an erster Stelle. Der hohe Ehrschatz sollte ebenfalls die Bereitschaft zur Güterübertragung senken, und die Ausbildung der besonderen Leiheform der Tragerei ist auch als Massnahme der Sicherung grundherrl. Einkünfte aus zersplitterten Gütern zu sehen. Die langfristige Schwächung grundherrl. Bindungen durch den spätma. B. vermochten diese Massnahmen indes nicht aufzuhalten.

Autorin/Autor: Alfred Zangger

2 - Frühe Neuzeit

2.1 - Quellen und Forschungsstand

Grundlegend für die Dokumentation des B.es sind die Notariatsakten, deren Vorhandensein und Gestalt von der regional stark variierenden Organisation des Notariats abhängt. Die Möglichkeiten hist. Rekonstruktion werden zudem durch den unterschiedlich weit gehenden Notariatszwang für Immobilientransaktionen und durch das Obligatorium von öffentl. Versteigerungen beeinflusst. Sog. Fertigungsbücher wurden z.B. in der dt. Schweiz auf Gemeinde- oder Amtsebene ohne Beizug von Notaren geführt. Verschiedenenorts erhalten haben sich auch Gantrödel, wogegen das 1771-98 in der Genfer Finanzverwaltung geführte Register zu Handänderungen als Quelle eine Seltenheit darstellt. Parallel zur Herrschaftsintensivierung nahm die Quellenqualität zu, die allerdings erst für das 18. Jh. eine wirtschaftsgeschichtl. Analyse des B.es in geschlossenen Gebieten möglich macht. Forschungen zum frühneuzeitl. B. in der Schweiz sind noch selten. Das Folgende stützt sich primär auf Auswertungen für drei Zürcher Gemeinden in den Jahren 1770-79, das Waldenburger Amt im Basler Jura um 1700 sowie die Genfer Landschaft im Zeitraum 1771-98.

Autorin/Autor: Ulrich Pfister

2.2 - Strukturen und Tendenzen

Vom 16.-18. Jh. setzte sich die Tendenz fort, Erblehen als fakt. Eigentum zu behandeln, der bäuerl. B. entwickelte sich weiter. Zwar waren Notabeln aus Stadt und Land in der ganzen Periode wichtige Käufer und Verkäufer, v.a. von Objekten, deren Ertrag sich kommerzialisieren liess, und die deshalb gut verpachtet werden konnten (Alpweiden, Gärten, Weingüter). Im 18. Jh. scheinen sie jedoch nur für eine kleine Minderheit von (allerdings grossen) Transaktionen aufgekommen zu sein, während die grosse Mehrheit der (kleineren) Handänderungen innerhalb der dörfl. Ober- und Mittelschicht stattfanden. Die Abschliessung der dörfl. Gesellschaft, namentlich mittels Einzugsgebühren, Beschränkungen der Allmendnutzungsrechte und Vorkaufsrechten, beeinflusste auch die räuml. Strukturen des B.es.

Der Kommerzialisierungsgrad des Bodens lag in den untersuchten Räumen bei ca. 1% der landwirtschaftl. Nutzfläche, die pro Jahr in neuen Besitz überging: In den drei agrarisch geprägten Gem. Oberrieden, Oetwil am See und Schöfflisdorf wechselten im Jahrzehnt 1770-79 ca. 12-20% der Bodenfläche die Hand. Im Waldenburger Amt ging innert 50 Jahren mehr als die Hälfte des Bodens an andere Familien über, und in Genf gelangten (ohne Erbgänge) pro Jahr 0,62% der Bodenfläche an neue Besitzer. Überdurchschnittlich war die Besitzmobilität von Rebbergen und Gärten mit marktorientierter Produktion, unterdurchschnittlich diejenige von Waldparzellen und Baumgärten. Ansonsten bestanden keine systemat. Unterschiede zwischen verschieden kultivierten Böden (Äcker, Wiesen). In einem durch starke Protoindustrialisierung gekennzeichneten Kontext waren der Kommerzialisierungsgrad und die Marktkontinuität über Konjunkturen und Jahreszeiten hinweg höher als im Kontext mit vorherrschender Subsistenzlandwirtschaft (Subsistenzwirtschaft). Eine wichtige Erklärung dafür liegt in der stärkeren Entwicklung des Hypothekarmarkts (Agrarverschuldung, Hypothek): Im protoindustriellen Umfeld wurden gegen zwei Drittel des Kaufbetrags durch die Übernahme bzw. den Neuabschluss von Hypothekarschulden beglichen, im subsistenzorientierten weniger als die Hälfte. Die Dynamik des B.es wurde somit durch einen entwickelten Hypothekarmarkt unterstützt.

Im 18. Jh. ist in der Schweiz generell, v.a. wohl wegen der Bevölkerungszunahme, eine Erhöhung der Bodenpreise festzustellen, wobei z.B. in Genf die innenpolit. Krise von 1782 preisdämpfend, die Flucht in die Sicherheit von Bodenbesitz in den Revolutionsjahren 1791-96 preistreibend wirkten. Im Einzelnen waren die Preise sehr variabel und richteten sich nach Kriterien wie Bodenqualität, Kultivierung, Exponierung und Distanz zum Dorf bzw. zur Stadt. In Genf war der mittlere Bodenpreis in Stadtnähe sechsmal höher als in der stadtfernen Landschaft; der Preis von Weinbergen lag fünfmal, der von Wiesen doppelt so hoch wie der von Äckern. Kein Zusammenhang bestand dagegen zwischen der Preisentwicklung im B. und im Agrarmarkt (Getreide, Wein). Im Jahreslauf ruhte der B. in Erntezeiten (Juli, Okt.), während seine grösste Dynamik auf die Wintermonate fiel. Bevölkerungskrisen bewirkten überdurchschnittlich viele Transaktionen.

Autorin/Autor: Ulrich Pfister

2.3 - Funktionen

Zur Verhinderung von Streitigkeiten in einer komplizierten Erbnachfolge (Erbrecht) veranstalteten Gem. oder Erbengemeinschaften manchmal eine öffentl. Versteigerung (Gant). Kontrakte unter entfernten Verwandten aus unterschiedl. Generationen beinhalteten bisweilen die vollständige Überwälzung des Kaufpreises in eine Hypothek und errichteten so eine Altersvorsorge für den Verkäufer als Entgelt für die Vererbung. Verträge dieses Typs sind zwar nicht sehr häufig, doch zeigen sie die Ordnungsfunktion des von der Obrigkeit formalisierten B.es und damit einen wichtigen Grund für die Bereitschaft der Untertanen, den Notariatszwang anzuerkennen. Im Waldenburger Amt um 1700 wirkten v.a. Ganten dynamisierend auf den B., die übrigen Handänderungen (Fertigungen) spielten eine bescheidenere Rolle. In Baselland wie in Genf sind gezielte und z.T. spekulative Bodenkäufe und -verkäufe durch Grossbauern und Städter nachgewiesen, ebenso die preisdrückende Wirkung von Zwangsversteigerungen. Der B. im Tessin ist noch wenig untersucht, jedoch konzentrierte sich dort der Landbesitz im Flachland deutlich stärker als in der übrigen Schweiz auf Adels- und städt. Notabelnfamilien, während sich bäuerl. Kleinbesitz eher in den Hügel- und Berggebieten behauptete.

Die in bäuerl. Gesellschaften vorherrschend abwärts gerichtete soziale Mobilität verlief über den B.: Über den ganzen Lebenszyklus hinweg verkauften vollbäuerl. Haushalte in der Regel mehr Boden, als dass sie kauften. Sie mussten dies z.T. wegen persönl. Unfähigkeit tun, v.a. aber in Folge von "demografischem Pech", wenn z.B. das geteilte Erbe nicht für lebensfähige Betriebe ausreichte oder nach dem frühen Tod des Familienvaters eine zur Betriebsleitung befähigte Person fehlte. Besonders gut verdienende Heimarbeiter kauften dagegen z.B. in den erwähnten Zürcher Gemeinden über den Grossteil ihres Lebens mehr Boden als sie verkauften: Ersparte Lohnanteile aus protoindustrieller Tätigkeit wurden in den Aufbau landwirtschaftl. Betriebe investiert. Somit verlief auch in diesem Kontext der Transfer des Bodens zwischen den Generationen nicht mehr ausschliesslich innerhalb der Familie, sondern z.T. über den Markt.

Autorin/Autor: Ulrich Pfister

3 - 19. und 20. Jahrhundert

Die Entwicklung des bäuerl. B.es in der 1. Hälfte des 19. Jh. ist mit geprägt von der Ablösung der Feudallasten. Der landwirtschaftlich nutzbare Boden der Schweiz war damals wegen der ausgedehnten Sumpf- und Flusslandschaften sehr knapp. Im Lauf des 19. Jh. vergrösserte man die Nutzfläche mit Meliorationen und Rodungen. Ab 1876 durfte jedoch die Waldfläche im Gebirge endgültig nicht mehr reduziert werden. Eine erneute Verknappung, diesmal v.a. von Bauland für Wohn- und gewerbl. Zwecke, erfolgte durch zunehmende Überbauungen, die Industrialisierung und den nach 1950 beschleunigten Infrastrukturausbau. Das 1980 in Kraft getretene Raumplanungsgesetz (RPG) verlangt geografisch begrenzte Zonen für spezif. Nutzungen (Raumplanung). Generell stand dem relativ knappen nutzbaren Boden in der Schweiz eine über den gesamten Zeitraum ständig wachsende private und öffentl. Nachfrage gegenüber, so dass die Bodenrente als Nettoertrag seiner Nutzung und damit die Bodenpreise langfristig stets anstiegen.

Der landwirtschaftl. B. wurde von der Eigennachfrage dominiert, d.h. der grösste Teil des Bodens wurde nie verkauft, sondern den Nachkommen vererbt oder übergeben. Diese Anteile waren abhängig von der jeweiligen wirtschaftl. Lage. So waren in der Wirtschaftskrise der 1870er und 80er Jahre etwa 40% aller Handänderungen Freihandverkäufe. Die nachfolgende Industrialisierung erhöhte die Bodennachfrage, die um 1900 zu starken Preisanstiegen und weniger Freihandverkäufen führte. Auch während des 1. Weltkriegs waren die Letzteren wegen der prekären Versorgungslage mit landwirtschaftl. Produkten selten. Die Nachkommen Boden besitzender Eltern sicherten sich ihre Anteile durch Realteilungen. So verankerte sich die Vorstellung, dass Bodenbesitz nicht nur kurzfristige Lebensgrundlage, sondern auch die beste langfristige Anlageform sei. Zwar erfuhr diese Entwicklung während der Wirtschaftskrise der 1930er Jahre erneut einen Rückschlag; im Kt. Zürich waren in jener Zeit etwa die Hälfte aller Übertragungen landwirtschaftl. Bodens Konkursfälle. Nach dem 2. Weltkrieg traten aber keine Konkurse solcher Art mehr auf, einerseits als Folge der Agrarpolitik seit 1951, andererseits auch dank des Konjunkturaufschwungs. 1950-92 stiegen die Bodenpreise so stark an, dass sie in vielen Gegenden der Schweiz den landwirtschaftl. Ertragswert um das 15- bis 20-fache übertrafen. Im Kt. Bern z.B. stiegen 1968-86 die Preise für landwirtschaftl. Boden stärker als jene für Bauland. Solche Entwicklungen führten zu Spekulationskäufen nichtbäuerl. Nachfrager. Gleichzeitig begannen manche nichtbäuerl. Erben von Landwirtschaftsboden und Bauern, die die Landwirtschaft aufgaben, ihre Landanteile nur noch zu verpachten. Dies erklärt, weshalb 1990 rund 40% der landwirtschaftlich genutzten Fläche Pachtland war, wobei dieser Anteil in tourist. Bergdörfern mit Realteilungen noch erheblich höher lag. Die rechtl. Rahmenbedingungen dafür sind im Bundesgesetz von 1985 über die landwirtschaftl. Pacht enthalten.

<b>Bodenmarkt</b><br>Plakat zur Volksinitiative vom 1. Oktober 1950 (Schweizerische Nationalbibliothek).<BR/>Das Volksbegehren «Zum Schutz des Bodens und der Arbeit durch Verhinderung der Spekulation» richtete sich gegen die Bodenspekulation. Unterstützt wurde die Initiative von der Sozialdemokratischen Partei, der Partei der Arbeit und vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund. Mit 73% Nein-Stimmen und einer Stimmbeteiligung von 43,6% scheiterte die Vorlage.<BR/>
Plakat zur Volksinitiative vom 1. Oktober 1950 (Schweizerische Nationalbibliothek).
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<b>Bodenmarkt</b><br>Genfer Abstimmungsplakat mit der Nein-Parole zur eidgenössischen Volksinitiative «zum Schutz des Bodens und der Arbeit durch Verhinderung der Spekulation» vom 1. Oktober 1950 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).<BR/>In ihrem Kampf gegen Eingriffe des Bundes in die kantonale Souveränität beschworen die Föderalisten häufig das Feindbild eines «Bundesvogtes». Sie verteidigten das Privateigentum, fürchteten eine Verstaatlichung des Bodens und stellten sich deshalb gegen die von der Jungbauernbewegung lancierte Volksinitiative, die den Erwerb von landwirtschaftlichem Boden auf Landwirte begrenzen wollte.<BR/>
Genfer Abstimmungsplakat mit der Nein-Parole zur eidgenössischen Volksinitiative «zum Schutz des Bodens und der Arbeit durch Verhinderung der Spekulation» vom 1. Oktober 1950 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).
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Die staatl. Einflussnahme auf landwirtschaftl. Bodeneigentum und -preise war in der Schweiz stets schwach. Mit den Eingriffen wollte man in erster Linie den Landwirten den Zugang zu Bodeneigentum ermöglichen und ungerechtfertigte Spekulationskäufe verhindern. Das Bundesgesetz von 1940 über die Entschuldung landwirtschaftl. Heimwesen (1947 in Kraft gesetzt) brachte für landwirtschaftl. Grundstücke in Form des Schätzungswerts eine obere hypothekar. Verschuldungsgrenze von 125% des Ertragswerts. Das Bundesgesetz von 1951 über die Erhaltung des bäuerl. Grundbesitzes regelte v.a. die Vorkaufsrechte für bäuerl. Erben. Da aber die sozialpolit. Problematik der Bodenspekulation bestehen blieb, wurden 1960-90 von der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz und von Bauerngruppen mehrere Volksinitiativen gegen die Bodenspekulation ergriffen, die aber alle erfolglos blieben. 1994 trat das bestehende Bundesgesetz über das bäuerl. Bodenrecht (BGBB) in Kraft. Neu sind darin ein Vorkaufsrecht für Selbstbewirtschafter sowie Maximalpreise vorgeschrieben. Damit ist aber auch die Gefahr verbunden, dass der landwirtschaftl. B. schlechthin erliegt und der polit. erwünschte Strukturwandel der Landwirtschaft behindert anstatt gefördert wird.

Auf dem nichtagrar. B. führten die Überhitzungserscheinungen (Konjunktur) in den 1960er und erneut in den 1980er Jahren zu versch. Vorstössen im Bodenrecht. Unter dem Schlagwort Ausverkauf der Heimat nahmen die Bemühungen zur Einschränkung des Immobilienerwerbs durch ausländ. Personen z.T. auch fremdenfeindl. Züge an. In den 1980er Jahren löste die Überhitzung u.a. die (1988 abgelehnte) "Stadt-Land-Initiative gegen die Bodenspekulation" sowie dringl. Bundesbeschlüsse zur Spekulationsbekämpfung aus. Durch das RPG bzw. die darauf beruhenden Richt- und Nutzungspläne ist der schweiz. B. stärker als zuvor in getrennte Teil-B.e für Wald-, Landwirtschaft, Wohnen, Industrie und Gewerbe gegliedert. Neben den traditionellen Promotoren (Architekten, Bauunternehmer, Handwerker) und Vermittlern (Liegenschaftenhändler, Treuhänder) auf dem B. hat sich in jüngerer Vergangenheit auch das Anlageverhalten institutioneller Investoren (z.B. Pensionskassen) preisbildend auf den B. ausgewirkt. Die Bodenpreise werden nur in den Kt. Zürich, Freiburg, Basel-Landschaft, Tessin und Genf statistisch erfasst. Eine Motion von 1986, aufgrund derer das Bundesamt für Statistik eine schweiz. Bodenpreisstatistik hätte aufbauen sollen, wurde 1997 durch das Parlament abgeschrieben, das entsprechende Projekt abgebrochen.

Autorin/Autor: Peter Rieder

Quellen und Literatur

Literatur
  • Mittelalter

    – H.-J. Gilomen, Die Grundherrschaft des Basler Cluniazenser-Priorates St. Alban im MA, 1977
    – N. Morard, «Les investissements bourgeois dans le plat pays autour de Fribourg de 1250 à 1350», in Freiburg: Die Stadt und ihr Territorium, hg. von G. Gaudard et al., 1981, 89-104
    – D. Rippmann, Bauern und Städter, 1990, 162-179, 192-202, 308-310
    – G. Vismara et al., Ticino medievale, 1990, 83-99
    – A. Zangger, Grundherrschaft und Bauern, 1991, 378-380, 495-497, 608-619
    – M. Othenin-Girard, Ländl. Lebensweise und Lebensformen im SpätMA, 1994, 224-257, 388-398
    – S. Sonderegger, Landwirtschaftl. Entwicklung in der spätma. Nordostschweiz, 1994, 123-137
  • Frühe Neuzeit

    – A. Schnyder-Burghartz, Alltag und Lebensformen auf der Basler Landschaft um 1700, 1992, 183-230
    – D. Zumkeller, Le paysan et la terre, 1992, 137-154
    – U. Pfister, «Volumes et prix sur le marché immobilier de trois communes zurichoises au XVIIIe siècle», in Les mouvements longs des marchés immobiliers ruraux et urbains en Europe (XVIe-XIXe siècles), hg. von M. Dorban, P. Servais, 1994, 71-84
  • 19. und 20. Jahrhundert

    – J. Hübschle et al., Die Rolle der Promotoren und Vermittler auf dem B., 1988
    – R. Baumann, Die Einflussfaktoren auf die Bodenpreise in Landwirtschaftszonen, 1989
    – P. Rieder, R. Huber, Landwirtschaftl. B. und Bodenpolitik, 1992
    – P. Rieder, «Bodeneigentum und Landnutzung im Berggebiet», in Agrarforsch. 3, Nr. 1, 1996