• <b>Kapitalmarkt</b><br>Am 6. Dezember 1852 in St. Gallen ausgegebene Inhaberaktie der Gesellschaft Lake Constance and Basle Railway im Wert von Fr. 500.- für den Streckenabschnitt zwischen Wil (SG) und Rorschach (Schweizerisches Nationalmuseum). Zu Beginn des Eisenbahnbaus wurden viele Bauvorhaben durch privates englisches Kapital finanziert. Die Verlängerung der Strecke Winterthur–Wil bis nach Rorschach erfolgte 1856.
  • <b>Kapitalmarkt</b><br>Am 15. November 1920 in Täuffelen ausgegebene Obligation der Seeländischen Wasserversorgungs-Genossenschaft zu 10 Franken (Schweizerisches Nationalmuseum). Lithografierte Darstellungen des unterschiedlichen Wassergebrauchs (Kühe an der Tränke, Feuerwehr, Waschfrauen) zieren das Wertpapier.
  • <b>Kapitalmarkt</b><br>Quellen: Statistisches Jahrbuch der Schweiz; Schweizerische Nationalbank   © 2007 HLS und Marc Siegenthaler, Bern.
  • <b>Kapitalmarkt</b><br>Quellen: Statistisches Handbuch des schweizerischen Geld- und Kapitalmarktes, 1944; Statistisches Jahrbuch der Schweiz; Schweizerische Nationalbank  © 2006 HLS und Marc Siegenthaler, Bern. Die Statistik weist ab 1924 auch die nicht öffentlich gezeichneten Emissionen aus, wobei die Aussagekraft zu den ausländischen Anleihen beschränkt ist, da deren Ausmass stark unterbewertet ist.
  • <b>Kapitalmarkt</b><br>Von   Advico, Young & Rubbicam   gestaltete Werbung für die Wirtschaftszeitung "Cash", 1989 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste). Die zur Ringier AG gehörende Wochenzeitung machte sich als Wirtschaftsblatt einen Namen, das eine breite Öffentlichkeit ansprach. Im Juli 2007 stellte "Cash" sein Erscheinen ein, fand aber in der täglich erscheinenden Gratiszeitung "Cashdaily" einen Nachfolger und wird als Online-Zeitung mit Links zu Banken, Fonds und Derivaten sowie zur Börse weitergeführt.

Kapitalmarkt

Unter K. versteht man den Markt für langfristige Kredite und Kapitalanlagen, im Gegensatz zum Geldmarkt für kurzfristige Kredite (Geldwechsel). Wichtigstes Steuerungselement des K.s ist der Zins als Preis für die Überlassung von Kapital. Der Markt für langfristige Wertpapiere (K. im engeren Sinne) gliedert sich heute in den Aktienmarkt für Beteiligungspapiere und den Anleihen- oder Rentenmarkt für festverzinsl. Wertpapiere. Die Wertpapiermärkte an der Börse werden auch als organisierter K. bezeichnet, wogegen unter nicht organisiertem K. Darlehen, Beteiligungen und Hypotheken verstanden werden, die entweder über Banken oder direkt zwischen Anbietern und Nachfragern gehandelt werden. Ein organisierter K. bestand in der Schweiz vor der Gründung der Börsen um 1850 einzig für öffentl. Anleihen. Der nicht organisierte (informelle) K. spielte sich vor 1850 nicht auf dem anonymen Markt ab, sondern auf persönl. Basis und weitgehend ohne die Beteiligung von Finanzintermediären.

1 - Der Kapitalmarkt vor 1850

1.1 - Allgemeines

Bereits vor der Reformation waren trotz des Verbots der Zinsnahme Formen des Kredits bekannt; mit der allmähl. Verbreitung der Geldwirtschaft entwickelte sich ab dem SpätMA ansatzweise ein K. Obwohl sich die meisten Kreditgeschäfte direkt zwischen Privatleuten abspielten, bestimmten in der frühen Neuzeit oftmals die Obrigkeiten den Zinssatz. Die Reformatoren hielten die vom 15. Jh. an üblichen 5% für langfristige Kredite für einen gerechten Zinsfuss. Im 16. Jh. tendierten die Zinsen nach oben; 5% stellten nun den Mindestzinsfuss dar. Mit der zunehmenden Kapitalakkumulation entstand ein Überangebot an Kapital, wodurch der Zinssatz im 17. Jh. auf 4%, teilweise gar auf 3% sank. Vom ausgehenden 16. Jh. bis zur Helvetik blieben die Zinsen in der Schweiz tiefer als im Ausland, wobei der Zins für kurzfristige Kredite jeweils bedeutend höher lag als jener des K.s.

Der Bodenkredit diente bereits vor dem HochMA als Mittel zur längerfristigen Geldbeschaffung. Wichtige Veränderungen auf dem K. waren ab dem SpätMA nicht nur das zunehmende Kapitalvolumen, sondern auch Innovationen bezüglich der langfristigen Finanzierungsinstrumente und die Herausbildung von grundpfandgesicherten Forderungen (Grundpfandrecht). Der K. in der Schweiz war vom 17. Jh. bis zur Mitte des 19. Jh. bestimmt durch ein Überangebot, das zu tiefen Zinssätzen und einem hohen Kapitalexport führte. Weitgehend getrennt von einem international orientierten, systemat. Kapitalexport durch Privatbanken entstanden regionale Netzwerke, in denen Schuldner und Gläubiger die Erwartungen bezüglich Gewinn und Risiko teilten. Der industrielle Investitionskredit war vor 1850 unbedeutend.

Autorin/Autor: Stefan Altorfer

1.2 - Kreditformen

Die wichtigste Form von Kredit auf dem K. stellte die gegen Grundpfand gewährte Hypothek dar. War dem ma. Rechtsdenken trotz Gütermobilität die Idee eines Bodenmarkts noch fremd, so konnte - gefördert durch Instrumente legaler Protektion - ab dem 14. und 15. Jh. durch den Rentenkauf nichtadliger Stadtbürger ein Hypothekenmarkt als Element rationeller Vermögensverwaltung entstehen. Er wurde insbesondere in Gebieten mit protoindustrieller Produktion und hohem Kommerzialisierungsgrad dank der Möglichkeit einer Kapitalakkumulation für Landbürger zum Medium sozialer Mobilität. Neben Erbkaufbrief und Kaufzahlungsbrief war die Gült die wichtigste Form des Hypothekarkredits. Trotz ihrer rechtl. Form als Rente wurde sie in der Frühneuzeit zur beidseitig kündbaren Forderung, zum grundpfandgesicherten Bodenkredit, bei dem ausschliesslich die Immobilie haftete. Einzig in der Nordostschweiz existierten Elemente persönl. Haftung. Das Hypothekargeschäft spielte sich informell auf einer individuell-persönl. Ebene ab, wobei auch Staaten und lokale Institutionen (Kirchen, Zünfte) als Gläubiger auftraten. Erst im 19. Jh. tauchten erste Intermediäre am Hypothekar-K. auf.

Die meist von polit. Körperschaften ausgegebenen Leibrenten oder -(ge)dinge waren im SpätMA und in der Frühneuzeit die gängigste Form von langfristigem Kredit in Europa. Gegen die Bezahlung einer Kapitalsumme erwarb sich der Rentner das Recht auf eine lebenslängl. Zinszahlung, in der Regel 10% des Kapitals. Leibrenten waren als Form des öffentl. Kredits in der alten Eidgenossenschaft im 16. Jh. verschwunden. Privatbanken, insbesondere in Genf, verkauften ihrer Schweizer Kundschaft im 18. Jh. jedoch fremde Leibrenten, z.B. jene der franz. Krone. Diese weitverbreiteten Renten dienten Wohlhabenden als Altersvorsorge .

Wenn nicht persönliche oder familiäre Beziehungen als Sicherheit ausreichten, standen Privatpersonen für kleinere Darlehen in den meisten Städten ab dem 15. Jh. Pfandleihen zur Verfügung, die - eigentlich kurzfristige, jedoch oft verlängerte - Kredite gegen Hinterlegung von Wertgegenständen, Schuldtiteln oder Waren gewährten. Bei Darlehen zwischen verbündeten polit. Körperschaften wurden u.a. künftige Steuer- oder Verwaltungseinnahmen sowie das Vermögen einer Körperschaft und ihrer Bürger als Sicherheit akzeptiert. Solche Darlehen handelten Gläubiger und Schuldner direkt aus. Erst die Erfindung der öffentl. Anleihe durch Emission von Teilschuldscheinen (Obligationen) zu Beginn des 16. Jh. ermöglichte eine Abwicklung über den Markt und damit die Mobilisierung eines grösseren Investorenkreises. Der Basler Stadtwechsel funktionierte ab 1504 als Drehscheibe für den K. in einem Einzugsgebiet von mindestens 150 km (Kapitalverkehr).

Andere Kreditformen wie der Wechsel oder der Lombardkredit sind zwar wegen ihres kurzfristigen Charakters nicht dem K. zuzurechnen, wurden jedoch oftmals durch permanente Verlängerung ihrer Laufzeit zu einer Form langfristiger Darlehen. Verglichen mit dem schwach organisierten K. und seinen einfachen Finanzierungsinstrumenten stand beim kurzfristigen Handelskredit eine breite Auswahl an hochentwickelten Kreditformen zur Verfügung. Industrielle Beteiligungen hingegen waren vor Erfindung der Aktie nur mit grossen Einschränkungen handelbar und tauchten entsprechend nicht auf dem K. auf.

Autorin/Autor: Stefan Altorfer

1.3 - Kreditnachfrage

Die Nachfrage nach (proto-)industriellem Investitionskredit vor der Zeit des Eisenbahnbaus lässt sich kaum belegen. Obwohl die Schweiz eines der am stärksten industrialisierten Gebiete war, spielte für die Produktion (v.a. Textil- und Uhrenindustrie) der kurzfristige Handelskredit eine weitaus wichtigere Rolle. Der langfristige Kapitalbedarf der Fabrikanten wurde über Darlehen des Handels oder über Hypothekarkredite finanziert. Daneben kam wie beim lokalen Gewerbe der Selbstfinanzierung durch zurückgelegte Gewinne und familiäre Darlehen eine grosse Bedeutung zu. Vereinzelt profitierte die lokale Wirtschaft von staatl. Krediten oder Beteiligungen. Einzelne Produzenten fanden jedoch vor der Gründung der Spar- und Leihkassen sowie der Kantonalbanken keinen Zugang zum K., was die Mechanisierung ihrer Betriebe verzögerte oder gar verhinderte.

Neben der relativ unbedeutenden Nachfrage nach Hypothekarkrediten für den privaten städt. Wohnungsbau benötigte in der frühen Neuzeit v.a. die Landwirtschaft fremde Kapitalien. Der Agrarkredit wurde jedoch weniger für produktive Investitionen als zur Überwindung von Notsituationen und zur Ausbezahlung der Geschwister bei der Erbteilung verwendet. Die regional variierende Agrarverschuldung war in der Schweiz ausserordentlich hoch.

Anders als im übrigen Europa existierte eine staatl. Nachfrage nach Kredit auf dem Schweizer K. ab dem 17. Jh. nicht mehr. Im SpätMA hatten noch viele Orte ihre Expansion u.a. mit Anleihen finanziert; im 16. und 17. Jh. bauten diese ihre Schulden dann durch Steuereinnahmen, Bündnisgelder sowie teilweise durch die Säkularisation von Kirchenbesitz ab und gerieten selber in eine Gläubigerposition auf dem K. Die gegenseitige Gewährung von Darlehen führte ab dem 15. Jh. zu einer immer stärkeren Kapitalverflechtung und zu einer Vervielfachung des Kreditvolumens, v.a. zwischen den Städten.

Autorin/Autor: Stefan Altorfer

1.4 - Kreditangebot

Infolge des Fehlens von Intermediären zeichnete sich das Angebot auf dem K. durch eine Vielzahl privater und institutioneller Akteure aus. Die Grundlage für das Überangebot an langfristigem Kapital in der Schweiz bildeten die seit dem 16. Jh. kaum unterbrochene, massive Kapitalkumulation in den Händen von Gemeinwesen und Privaten durch Protoindustrie, Handel, fremde Dienste sowie Zinseinnahmen aus Auslandinvestitionen.

Das staatl. Kreditangebot fand über direkte Darlehen an Private, Handel, Gewerbe, Gemeinwesen und Institutionen statt, aber auch über staatl. Intermediäre wie Staatsbanken (Stadtwechsel) oder Finanzämter (z.B. Säckelmeisteramt). Daneben traten die Staaten auf dem Hypothekar-K. auf und finanzierten sowohl den städt. Wohnungsbau als auch den Agrarkredit der Landschaft. Mit Letzterem verbanden sich oft auch polit. Ambitionen (Klientelismus, Stadt-Land-Beziehungen). Lokale Institutionen wie Zünfte oder Klöster boten auf eine ähnl. Art Kredit an.

Neben dem Staat waren Private die wichtigsten Anbieter von Kapital in Form von Darlehen und Hypotheken. Die arbeitsfreien, profitablen und sicheren Einkommen des K.s bildeten eine ideale Altersvorsorge für städt. Notabeln und Kaufleute, aber auch für eine ländl. Mittel- und Oberschicht. Durch den stark informellen Charakter des K.s entstand ein engmaschiges Kontaktnetz zwischen Gläubigern und Schuldnern, wobei die Kreditbeziehungen mit anderen Verhältnissen familiärer, klientelist. oder geschäftl. Natur einhergingen.

Die Privatbanken spielten auf dem einheim. K. keine bedeutende Rolle. Ihr Hauptgeschäft blieb der systemat. Kapitalexport für wohlhabende Privatleute und Institutionen. Neben der Gewährung von kurzfristigem Handelskredit finanzierten Marchand-Banquiers vereinzelt die Mechanisierung der (Proto-)Industrie. In einigen Regenerationskantonen wurden Leih- und Bodenkreditbanken gegründet, um dem lokalen Handwerk und Gewerbe das nötige Fremdkapital in Form von Hypothekar- und Handelskrediten, selten auch von Investitionskrediten, zur Verfügung zu stellen (Bank Leu). Der Nachfrage nach einer sicheren Anlageform für kleinere Vermögen des städt. und ländl. Proletariats kamen die Sparkassen entgegen, die ihre Depositen auf dem lokalen Hypothekarmarkt ausliehen.

Autorin/Autor: Stefan Altorfer

2 - Der Kapitalmarkt nach 1850

2.1 - Allgemeines

Die Gründung des Bundesstaats und der Beginn des Eisenbahnbaus beschleunigten die Entwicklung des schweiz. K.s, der sich bis dahin durch eine bescheidene Binnennachfrage und eine starke regionale Abschottung ausgezeichnet hatte. Der Eisenbahnbau und die Finanzierung der aus der sog. zweiten Industriellen Revolution hervorgegangenen Branchen, besonders der Elektrizitätswirtschaft, trugen zu einer erhebl. Steigerung der privaten Nachfrage bei, doch erst die wachsenden Interventionen des Staates und v.a. die Übernahme der wichtigsten privaten Bahngesellschaften (Eisenbahnen) durch die Eidgenossenschaft ab 1898 führten zur Entstehung eines eigentl. Markts für Staatsanleihen. Das Auftreten neuer Finanzintermediäre zwischen 1850 und 1870, darunter die zukünftigen grossen Handelsbanken, die gleichzeitige Eröffnung der wichtigsten Börsen des Landes (die erste 1855 in Genf), der Aufschwung der Finanzierungsgesellschaften und die Betriebsaufnahme der Schweizerischen Nationalbank 1907 förderten die Vernetzung des schweiz. K.s auf nationaler Ebene. Diese Tendenz zur Vereinheitlichung beseitigte zwar die noch heute feststellbaren Besonderheiten der damals wichtigsten Zentren Zürich, Basel und Genf nicht, doch ging sie - begleitet von fiskal. Erleichterungen sowie der Entwicklung neuer Aufgaben im Bereich der Vermögensverwaltung und des Treuhandwesens - von der ersten Vorkriegszeit an mit einer beachtl. Stärkung der Rolle des schweiz. K.s auf internat. Ebene (Finanzplatz) einher.

<b>Kapitalmarkt</b><br>Am 6. Dezember 1852 in St. Gallen ausgegebene Inhaberaktie der Gesellschaft Lake Constance and Basle Railway im Wert von Fr. 500.- für den Streckenabschnitt zwischen Wil (SG) und Rorschach (Schweizerisches Nationalmuseum).<BR/>Zu Beginn des Eisenbahnbaus wurden viele Bauvorhaben durch privates englisches Kapital finanziert. Die Verlängerung der Strecke Winterthur–Wil bis nach Rorschach erfolgte 1856.<BR/><BR/>
Am 6. Dezember 1852 in St. Gallen ausgegebene Inhaberaktie der Gesellschaft Lake Constance and Basle Railway im Wert von Fr. 500.- für den Streckenabschnitt zwischen Wil (SG) und Rorschach (Schweizerisches Nationalmuseum).
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<b>Kapitalmarkt</b><br>Am 15. November 1920 in Täuffelen ausgegebene Obligation der Seeländischen Wasserversorgungs-Genossenschaft zu 10 Franken (Schweizerisches Nationalmuseum).<BR/>Lithografierte Darstellungen des unterschiedlichen Wassergebrauchs (Kühe an der Tränke, Feuerwehr, Waschfrauen) zieren das Wertpapier.<BR/>
Am 15. November 1920 in Täuffelen ausgegebene Obligation der Seeländischen Wasserversorgungs-Genossenschaft zu 10 Franken (Schweizerisches Nationalmuseum).
(...)

Zwischen dem 1. Weltkrieg und den frühen 1950er Jahren stieg der schweiz. Markt zu einer der wichtigsten Finanzdrehscheiben des Kontinents auf; diese Zeitspanne brachte allerdings keine institutionellen Innovationen hervor, die an Bedeutung jenen der vorausgegangenen Phase vergleichbar gewesen wären. Bezüglich der Nachfrage stellten v.a. während der Kriegs- und Krisenzeit der Bund, die SBB und die Kantone die zentralen Akteure dar. Der von einem starken Zustrom ausländ. Gelder angeregte Kapitalexport, dessen wachsende Bedeutung vom 1. Weltkrieg an intensive Debatten auslöste, zeugt vom Fortgang des Internationalisierungsprozesses. Die Krise der 1930er Jahre unterbrach diesen Aufschwung und veranlasste den Staat, für den Bankensektor beträchtl. Unterstützungsgelder freizumachen; auch zwang sie die Eidgenossenschaft, die seit Kriegsende die Stempelsteuer auf Emission und Coupons von Wertschriften erhob, 1934 zum Erlass des Bundesgesetzes über die Banken und Sparkassen. Dieses war sehr liberal, auch wenn es die Nationalbank im Prinzip mit einem Vetorecht bei Kapitalexporten ab der Höhe von 10 Mio. Fr. (Art. 8) und einem Kontrollrecht bei jeder Erhöhung der Zinssätze von Bank-Kassenobligationen (Art. 10) ausstattete. Ein ergänzender Bundesgesetzentwurf über die Börsen wurde hingegen fallen gelassen zugunsten der Schaffung einer parität. Instanz (1938), die über die Zulassung ausländ. Wertpapiere zur Börsennotierung entschied. Während der beiden Weltkriege trugen die Möglichkeiten, die der schweiz. K. den Kriegführenden bot, zum Erhalt seiner Rolle als internat. Finanzdrehscheibe bei - zum Preis von fragwürdigen und manchmal betrüger. Gefälligkeiten.

Der Beginn der 1950er Jahre leitete eine lange Expansionsphase ein, in deren Verlauf der schweiz. K. seine Rolle konsolidierte und in bestimmten Bereichen weltweit Gewicht erlangte. Während der ganzen Zeitspanne setzte sich der Konzentrationsprozess bei den Finanzinstituten fort. Am meisten profitierten davon die Grossbanken, die den K. schon vor dem 1. Weltkrieg dominiert hatten. Ab den 1980er Jahren bauten diese zudem ihre Stellung im Ausland erheblich aus, indem sie in den wichtigsten internat. Zentren Niederlassungen eröffneten, bestimmte Geschäftszweige verlagerten und sich zusätzlich spezif. Know-how verschafften. Gleichzeitig stieg die Zahl der ausländ. Niederlassungen, die auf dem schweiz. Markt tätig waren, markant an, u.a. weil die Erleichterungen auf dem Gebiet der Investmentfonds das Interesse der institutionellen Anleger weckten. Auch wenn die 1970-80 erfolgte Deregulierung auf den internat. Märkten einige der Wettbewerbsvorteile des schweiz. K.s minderte, profitierte dieser doch über die ganze Periode hinweg von einer sehr liberalen Gesetzgebung und einer im internat. Vergleich nur mässigen Steuerbelastung (Steuern). So wurden die Massnahmen, die in den 1960 und 70er Jahren von den für die Geld- und Wirtschaftspolitik zuständigen Instanzen zur Regulierung der Kapitalimporte und -exporte ergriffen worden waren, schon im folgenden Jahrzehnt wieder gelockert. Seither wurden fiskal. Erleichterungen gewährt, um - so lautet die Begründung - die Wettbewerbsfähigkeit der Finanzakteure zu stärken. 1993 erfolgte die Zentralisierung der Schweizer Börsen als Teil des Konzentrations- und Modernisierungsprozesses in diesem Sektor, während die Annahme eines Bundesgesetzes über die Börsen 1995 der mitunter bizarr anmutenden Vielfalt der kant. Gesetzgebungen ein Ende machte. Der schweiz. Markt ist weltführend auf dem Gebiet der Emission internat. Anleihen. Seine von allen Beobachtern festgestellte grosse Anlagekapazität ist in hohem Mass auf die Anziehungskraft zurückzuführen, die von der Kombination einer starken Währung (Geld, Geld- und Währungspolitik) mit einem vorteilhaften Steuersystem trotz relativ niedriger Zinssätze auf die internat. Sparguthaben ausgeht. In dieser Hinsicht hat die Positionierung der schweiz. Finanzintermediäre auf dem Gebiet der Vermögensverwaltung - sie legten in den 1990er Jahren schätzungsweise zwischen einem Drittel und der Hälfte des grenzüberschreitenden Offshorevermögens von Privatpersonen an - das Aufnahmevermögen des nationalen Marktes während langer Zeit verstärkt.

<b>Kapitalmarkt</b><br>Quellen: Statistisches Jahrbuch der Schweiz; Schweizerische Nationalbank   © 2007 HLS und Marc Siegenthaler, Bern.<BR/><BR/>
Anleihen auf dem Schweizer Kapitalmarkt 1978-2006
<b>Kapitalmarkt</b><br>Quellen: Statistisches Handbuch des schweizerischen Geld- und Kapitalmarktes, 1944; Statistisches Jahrbuch der Schweiz; Schweizerische Nationalbank  © 2006 HLS und Marc Siegenthaler, Bern.<BR/>Die Statistik weist ab 1924 auch die nicht öffentlich gezeichneten Emissionen aus, wobei die Aussagekraft zu den ausländischen Anleihen beschränkt ist, da deren Ausmass stark unterbewertet ist.<BR/>
Anleihen auf dem Schweizer Kapitalmarkt 1900-1980

Autorin/Autor: Malik Mazbouri / AHB

2.2 - Marktstruktur, Kapitalangebot und -nachfrage

Während der 2. Hälfte des 19. Jh. bestimmte die Kapitalnachfrage die Organisation des Angebots und demzufolge auch die Strukturierung des schweiz. K.s in zwei Segmente. Das erste, hervorgegangen aus dem immensen Geldbedarf für den Eisenbahnbau und andere Investitionen in dessen Umfeld, ist sowohl national als auch international ausgerichtet; es befriedigt hauptsächlich die Bedürfnisse der Grossunternehmen, des Zentralstaats sowie der grossen internat. Kreditnehmer, öffentlicher oder privater, und wird von den Grossbanken dominiert. Das andere Marktsegment, das zum Teil als Reaktion auf die wachsende Macht der grossen Finanzinstitute entstand, ist von eher regionaler Dimension. Die durch die jeweiligen Regierungen unterstützten Kantonalbanken spielten darin lange eine zentrale Rolle, indem sie insbesondere zur Stabilisierung der Zinssätze beitrugen. Darauf stützten sich die Kantone, die öffentl. Kreditnehmer geringeren Zuschnitts sowie die kleine und mittlere Geschäftskundschaft aus kleinindustriellen, gewerbl. und agrar. Kreisen. Diese schon vor dem 1. Weltkrieg festgelegte bipolare Struktur blieb während des ganzen 20. Jh. bestehen. Erst infolge der in den 1960er Jahren einsetzenden Konzentrationsbewegung und v.a. der Schwierigkeiten, in welche die meisten Kantonalbanken ab Ende der 1980er Jahre gerieten, büssten die kleineren Finanzinstitute zugunsten der Grossbanken und Versicherungsgesellschaften (Versicherungen) an Einfluss ein. Sie verloren besonders bei der Mittelbeschaffung in Form von Spargeldern und dadurch auch auf dem Hypothekarmarkt an Boden.

Trotz dieser dualist. Struktur ist der Schweizer K. stark kartellisiert. So bildeten die grossen Banken 1897 das Kartell schweiz. Banken und die Kantonalbanken 1907 den Verband Schweiz. Kantonalbanken; 1911 taten sich die beiden Organisationen zur Bildung des Emissionssyndikats der Schweizer Banken zusammen, um alle öffentl. Anleihen, die einen gewissen, trotz einiger späterer Revisionen relativ niedrigen Betrag überschritten, unterzubringen und zu platzieren. Ursprünglich errichtet, um der ausländ. Konkurrenz Stand zu halten und die entsprechende Kapazität der Grossbanken gegenüber den öffentl. Kreditnehmern zu verbessern, sicherten diese Organisationen ihren Mitgliedern eine Monopolstellung auf diesem Geschäftssektor, auch wenn die öffentl.-rechtl. Körperschaften ab dem 1. Weltkrieg einen Teil ihrer Anleihen direkt bei den Versicherungsgesellschaften und den Pensionskassen unterbrachten. Zudem boten diese Organisationen, insbesondere im Falle des Kartells, die Gelegenheit, permanente Syndikate zu errichten, die sich mit den Anleihen grosser Privatemittenten sowie den internat. Grossemissionen befassten. Der in den frühen 1990er Jahren erfolgte Abbau der diversen Wettbewerbsabreden und Zusammenschlüsse, die aus dem weitgehend von den Grossbanken dominierten Emissionssyndikat hervorgegangenen waren, beeinträchtigte allerdings deren Hegemonie in diesen Geschäftssegmenten in keiner Weise.

Mittel- und langfristiges Kapital wurde je nach Bestimmung der Geldmittel, Qualität des Schuldners, Marktbedingungen und untersuchter Zeitspanne in Form von speziellen Bankkrediten (darunter der Kontokorrentkredit und das Hypothekardarlehen), durch die Ausgabe von sog. Notes (Schuldverschreibungen, die auf dem Markt handelbar sind und ausserhalb der Bilanz ausgewiesen werden) und von Anleihen (Obligationen- und Aktienmarkt) zur Verfügung gestellt. Es ist anzunehmen, dass der Bankkredit bis zum Ende des 19. Jh., d.h. bis zur Entstehung eines eigentlichen nationalen K.s, für die einheim. Nachfrage durch Private eine wichtige Rolle gespielt hat. Wenn er in der Folge auch an Bedeutung einbüsste, blieb der Bankkredit vermutlich die wichtigste Quelle für die Fremdfinanzierung, auch für Schuldner, deren wirtschaftl. Gewicht gross genug war, um die Emission einer Anleihe zu rechtfertigen. Von den 1980er Jahren an führte die Bewegung der sog. Verbriefung des Kreditmarktes bzw. der Desintermediation (die Unternehmen bringen direkt, ohne Vermittlung der Banken, Titel auf den Markt) auf internat. Ebene zur Ablösung der traditionellen Bankkreditformen durch die Emission von handelbaren Wertpapieren - darunter die Notes und andere neue Finanzinstrumente -, die einen immer grösseren Anteil am Kapitalexport der Banken ausmachen.

<b>Kapitalmarkt</b><br>Von   Advico, Young & Rubbicam   gestaltete Werbung für die Wirtschaftszeitung "Cash", 1989 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).<BR/>Die zur Ringier AG gehörende Wochenzeitung machte sich als Wirtschaftsblatt einen Namen, das eine breite Öffentlichkeit ansprach. Im Juli 2007 stellte "Cash" sein Erscheinen ein, fand aber in der täglich erscheinenden Gratiszeitung "Cashdaily" einen Nachfolger und wird als Online-Zeitung mit Links zu Banken, Fonds und Derivaten sowie zur Börse weitergeführt.<BR/>
Von Advico, Young & Rubbicam gestaltete Werbung für die Wirtschaftszeitung "Cash", 1989 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).
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Der Hypothekarmarkt stellt in Anbetracht seines Alters, der Vielfältigkeit der Sektoren, die ihn in Anspruch nehmen, sowie seines relativen Anteils am gesamten Angebot seit langem eine sehr wichtige Komponente des schweiz. K.s dar. Er war zeitweise auch eine nicht unbedeutende Quelle für Kapitalexporte, insbesondere auf dem Weg über die spezialisierten Filialen der Grossbanken. Obwohl die Versicherungsgesellschaften und die Pensionskassen in diesem Bereich seit dem 2. Weltkrieg eine wachsende Rolle spielen, halten die Banken an der Schwelle zum 21. Jh. noch immer mehr als drei Viertel der Anteile am schweiz. Hypothekarmarkt.

Autorin/Autor: Malik Mazbouri / AHB

Quellen und Literatur

Literatur
  • Vor 1850

    – H. Lüthy, La banque protestante en France, 2 Bde., 1959-61
    – F. Ritzmann, Die Schweizer Banken, 1973
    – M. Körner, Solidarités financières suisses au XVIe siècle, 1980
    – M. Körner, Luzerner Staatsfinanzen, 1415-1798, 1981
    – B. Veyrassat, Négociants et fabricants dans l'industrie cotonnière suisse, 1760-1840, 1982
    Staatsfinanzierung und Sozialkonflikte (14.-20. Jh.), hg. von S. Guex et al., 1994
    – U. Pfister, «Le petit crédit rural en Suisse aux XVIe-XVIIIe siécles», in Annales 49, 1994, 1339-1357
  • Nach 1850

    Hb. des Bank-, Geld- und Börsenwesens der Schweiz, 1947 (41987)
    – K. Stocker, Bedeutung der ausländ. Emissionen für den schweiz. Geld- und K., 1958
    Le marché financier, les mouvements internationaux de capitaux, les restrictions sur les opérations en capital en Suisse, 1971
    Monatsber. / SNB, 1980-2005
    – B.V. Christensen, Switzerland's Role as an International Financial Center, 1986
    – H. Hämmerli, Aspekte des schweiz. Emissionsgeschäftes, 1986
    – S. Guex, La politique monétaire et financière de la Confédération suisse, 1993
    – H.B. Meier, J.E. Marthinsen, Switzerland: a Guide to the Capital and Money Markets, 1996
    Bankenstatist. Monatsh. / SNB, 1998-
    – J. Jung, Von der Schweiz. Kreditanstalt zur Credit Suisse Group, 2000
    Veröff. UEK 13
    – M. Mazbouri, L'émergence de la place financière suisse (1890-1913), 2005