29/07/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken

Lütisburg

Polit. Gem. SG, Region Toggenburg. L. besteht aus dem gleichnamigen Dorf, das auf einer Felsrippe am Zusammenfluss von Thur und Necker thront, dem über einer markanten Molassewand gelegenen Weiler Tufertschwil und den in hügeliger Landschaft verteilten Weilern Ober- und Unterrindal, Winzenberg, Rimensberg, Grünhügel, Gonzenbach, Schauenberg, Haslen, Dottenwil, Altegg, Wildenhof, Herrensberg und Chrummentürli. 1214 Liutinsburch. Bereits früher belegt sind 849 Runtal (Rindal), 928 Turolveswilare (Tufertschwil) und 928 Waleessvanton (Alenschwanden). 1803 1'070 Einw.; 1850 1'285; 1900 1'270; 1950 1'372; 2000 1'395.

Die 1078 vom Kloster St. Gallen errichtete Burg des Ministerialen Liuto wurde kurze Zeit später vom Kloster wieder aufgegeben. Aufgrund ihrer strategisch bedeutenden Lage war sie vom 13. bis 15. Jh. ein Hauptsitz der Gf. von Toggenburg. Nachdem die Fürstabtei St. Gallen 1468 die Grafschaft Toggenburg erworben hatte, diente die Burg als Vogteisitz. Die Hörigen wurden dem Gericht Bazenheid zugewiesen. 1803 wurde die polit. Gem. L. geschaffen.

1214 ist erstmals ein Leutpriester, 1275 eine Kirche und 1529 die ma. St.-Bartholomäus-Kapelle Tufertschwil (1891 umgestaltet) belegt. Nach der Reformation 1528 existierte 1537-1935 ein Simultanverhältnis. Die ref. Minderheit wurde 1559-1856 von Kirchberg (SG), die kath. Mehrheit von Bütschwil und bis 1691 von Ganterschwil aus betreut. 1810-11 entstand die parität., heute kath. Pfarrkirche St. Michael aus Steinen des nahen Schlosses, in dessen Seitenflügel die kath. Schule eingerichtet war. 1935 wurde eine ref. Kirche gebaut.

Seit 1970 sind die vormals konfessionell getrennten Schulen vereint. 1877 wurde in Altgonzenbach das kath. Waisenhaus, heute Kinderdörfli St. Iddaheim begründet. Im 19. Jh. dominierten neben der Landwirtschaft die Industrie (Eisenwerk, Kupferhammer) und Manufakturbetriebe. Auch im 20. Jh. waren der 1. und der 2. Sektor am stärksten. Seit 1870 existiert ein Bahnhof an der Linie Rapperswil (SG)-Wil (SG). L.s Ortsbild ist von Brücken und Stegen geprägt, u.a. der gedeckten Holzbrücke über die Thur (1790), der Letzibrücke (1853, 1969), dem Guggenloch-Eisenbahnviadukt (1870, 1945) und der neuen Thurbrücke (1997). 2007 wurde eine grosse Sportanlage gebaut.


Literatur
Das Lütisburger Buch, hg. von E. Lüber, 1990
Das Toggenburg, hg. von H. Büchler, 1992 (21993), 314

Autorin/Autor: Hans Büchler