28/04/2004 | Rückmeldung | PDF | drucken

Bertschikon

Polit. Gem. ZH, Bez. Winterthur, mit heute über 30 Dorfschaften, Weilern und Höfen an der Grenze zum Kt. Thurgau. Die polit. Gem. ist eine Schöpfung der Helvetik, etablierte sich aber erst 1882 völlig. Sie wurde aus den sieben (1928 aufgelösten) Zivilgemeinden B., Gundetswil, Kefikon (zürcher. Teil), Liebensberg, Stegen, Gündlikon und Zünikon gebildet. 1255 Bersinkon. Gündlikon: 774 Cundilinchova (unsicher), 1162 Gundilinchova. 1836 823 Einw.; 1850 949; 1900 643; 1950 720; 1960 733; 2000 985.

Röm. Siedlungsspuren im Ziegelacker. Die Sprachlandschaft deutet auf eine Landnahme im 7./8. Jh. hin. Im SpätMA verfügten v.a. die Kyburger und Habsburger, die Klöster St. Gallen und Reichenau über Grundeigentum und Herrschaftsrechte. Das Dorf B. selbst kam mit einigen weiteren Höfen 1471 hoch- und niedergerichtlich von Habsburg an Zürich. Nachdem Zürich 1587 die Herrschaft Hegi erworben hatte, wurden alle Herrschaftssplitter in der Obervogtei Hegi vereinigt. Kefikon kam erst 1798 zur Hälfte zu B. Kirchlich gehören Gündlikon und Zünikon zu Elgg, die übrigen Fraktionen zu Gachnang. Beispiel für die spätma. und frühneuzeitl. Gemeindebildung in den Fraktionen ist der Einzugsbrief von Gundetswil (1636). 1850 zählte die Gem. neben 118 Landwirten auch 53 Fabrikarbeiter der Kattundruckerei im benachbarten thurg. Islikon. Das Fehlen eines Siedlungszentrums und die geringe Kontinuität der polit. Gem. haben die Entwicklung von B. gehemmt: Es fehlen Anschlüsse an das öffentl. Verkehrsnetz und lokale Infrastrukturen. So wurde erst 1958 aus fünf Korporationen eine kommunale Wasserversorgung geschaffen. Die Ausscheidung einer Bauzone in Gundetswil hat den Trend zur Agglomerationsgemeinde verstärkt: B. ist mit 68% Wegpendlern und noch 43% Beschäftigten im 1. Sektor (1990) auf dem Weg zur halbagrar. Gemeinde.


Literatur
Kdm ZH 8, 1986, 272-286

Autorin/Autor: Martin Illi