25/01/2015 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Zahlungsverkehr

Unter Z. versteht man normalerweise die Gesamtheit aller nationalen und internat. Transaktionen, die die Übertragung von Zahlungsmitteln betreffen. Die Geschichte des Z.s ist eng verbunden mit dem internat. Währungssystem, mit den Mitteln und dem System der Zahlungen, den polit. Rahmenbedingungen, den Anforderungen der Wirtschaft und der Gesellschaft sowie dem techn. Fortschritt.

Bis zu Beginn des 19. Jh. zirkulierten auf dem Gebiet der heutigen Schweiz zahlreiche und versch. Münzen. Für Zahlungen von einem Handelsplatz zum anderen wurden Wechselbriefe gebraucht. 1850 wurde im ersten eidg. Münzgesetz der Franken als Geldeinheit (Geld) bestimmt; diese Vereinheitlichung vereinfachte den Handel in der Schweiz massgeblich. Erste Banknoten kamen in der Schweiz ab 1825 auf, aber bis in die 1880er Jahre blieben für kleinere Zahlungen Münzen das gängige Zahlungsmittel. 1905 erhielt die Schweizerische Nationalbank (SNB) das Monopol für die Geldemission sowie ein Mandat, um den bargeldlosen Z. zu vereinfachen. Sie richtete ein dezentrales Überweisungssystem ein, das hauptsächlich von den Schweizer Banken, der Eidgenossenschaft sowie den ausländ. Zentralbanken benutzt wurde. 1906 baute die Post für die Zahlung kleiner Beträge von Privatpersonen ihr eigenes Scheck- und Überweisungssystem auf, das bis zum Ende des 20. Jh. von der Mehrheit der Bevölkerung genutzt wurde. 1930 wurde eine Verrechnungsstelle eingerichtet, die unter der Aufsicht der SNB die Börsentransaktionen (Börsen) in Zürich und Basel beaufsichtigte. Die Zahlungssysteme der SNB und der Post, die Kontokorrente der Geldinstitute und die Verrechnungsstellen bildeten das Fundament des bargeldlosen Z.s. Dazu kamen die Handels- und Finanzwechsel, die innerhalb der Schweiz und auf internat. Ebene als Zahlungsmittel dienten.

Ab 1860 wurde ein erstes internat. Währungssystem eingerichtet. Die Einführung der Goldwährung bildete die Grundlage für den freien Kapitalverkehr und läutete eine erste Globalisierungsphase ein. Der 1. Weltkrieg erschütterte diese Ordnung und die Weltwirtschaftskrise liess sie 1929 zusammenbrechen. Die Mehrzahl der Länder, darunter die Schweiz, handelten danach bilaterale Wirtschaftsabkommen (Clearing) aus, die den Devisentransfer im Prinzip überflüssig machten (Schweizerische Verrechnungsstelle). Erst Ende der 1950er Jahre wurde der Handel in Europa erneut liberalisiert. 1944 wurde mit dem Abkommen von Bretton Woods ein System mit fixen Wechselkursen eingeführt, das 1971 durch ein System mit flexiblen Wechselkursen abgelöst wurde. Dieses System, bei dem die Wechselkurse täglich auf den Devisenmärkten bestimmt werden, bildet bis heute den Rahmen für die Regelung der internat. Transaktionen. In diesem veränderten internat. Kontext führten die Schweizer Banken ihren Z. mit dem Ausland mithilfe ihres weltweiten Netzes von Korrespondenzbanken aus. 1973 schlossen sich 240 Banken aus 15 Ländern in Brüssel zur Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication (Swift) zusammen. Dieses internat. Kommunikationssystem vereinfachte die standardisierte Übertragung von Informationen.

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs wurden die Finanztransaktionen nach und nach vereinfacht. 1949 schufen die Grossbanken ein schweiz. Banken-Clearingsystem. Dieses stellte ihnen einen vereinheitlichten Einzahlungsschein zur Verfügung und zentralisierte die Überweisungen, die jedoch manuell blieben. Die Zunahme der Lohn- und Gehaltszahlungen mittels Überweisungen machte zu Beginn der 1970er Jahre die bargeldlosen Transaktionen populär. Diese erlaubte den Arbeitgebern zu sparen und verlangte von den Banken die Verwaltung des massenhaften Z.s. Die Banken, die mit Papierquittungen und Magnetbändern arbeiteten, entschieden sich zur Informatisierung ihres Clearings, um konkurrenzfähig zu bleiben. Die Schweiz. Bankiervereinigung, die Post und die SNB beauftragten die Telekurs AG zur Entwicklung eines vollständig informatisierten Systems. 1987 wurde das Swiss Interbank Clearing (SIC) ins Leben gerufen. Die Post entwickelte ihr eigenes System, bevor sie sich Ende der 1990er Jahre dem SIC anschloss.

Im Lauf der 1970er und 80er Jahre vervielfachten sich die elektron. Zahlungsmöglichkeiten. 1968 konnte erstmals mit einer Lochkarte Geld an einem Bankautomaten bezogen werden. Durch die Einführung der Swiss Cheques vereinheitlichten die Schweizer Banken 1969 ihre Schecks, die bis anhin von der Bevölkerung wenig gebraucht worden waren. Diese wurden 1978 durch den Eurocheque ersetzt. Ende der 1970er Jahre wurde die Eurocard (Kreditkarte), Mitte der 1980er Jahre die EC-direkt-Karte (Debitkarte) eingeführt. Ab den 1990er Jahren beschleunigte sich die techn. Entwicklung. 1996 wurde das sog. Cash als neues elektron. Geld eingeführt, 1998 Maestro.

Die elektron. Zahlungssysteme entwickelten sich dank der Fortschritte in der Informatik. Das SIC wurde an andere Systeme angepasst, die den Austausch der Datenträger, die direkte Eintreibung, Barbezüge an Automaten und Tankstellen, die Operationen mit EC-direkt und die Abwicklung von Schecks und Wertpapieren erlaubten. Aufgrund der Einführung des Euro gründete die Schweiz 1998 die Swiss Euro Clearing Bank (SECB) in Frankfurt am Main. Die SECB verwaltet das System euroSIC, das den Schweizer Banken den Zugang zum europ. Zahlungssystem Target erlaubt. Seit 2002 ist der Schweizer Finanzplatz dem internat. System für Devisentransaktionen Continuous Linked Settlement (CLS) angeschlossen. Zu Beginn des 21. Jh. waren alle nationalen Systeme miteinander verbunden und alle Transaktionen wurden über ein weltweites Netzwerk ausgeführt.


Archive
– Archiv SNB, Zürich, Akten
Literatur
Hb. des Geld-, Bank- und Börsenwesens der Schweiz, hg. von E. Albisetti et al., 41988
Veröff. UEK 3
– F. Klein, G. Palazzo, Kulturgesch. des Geldflusses: die Entwicklung des Z.s mit Fokus Schweiz, 2003
– L. Raineau, L'utopie de la monnaie immatérielle, 2004
– B. Bonhage, «Die Einführung der bargeldlosen Lohn- und Gehaltszahlung», in Dienstleistungen, hg. von H.-J. Gilomen et al., 2007, 249-264
– R. Fluri, «Der bargeldlose Z.», in Schweiz. Nationalbank 1907-2007, 2007, 355-376

Autorin/Autor: Dominique Baumann / ASCH