Sankt Peterzell

Ehem. polit. Gem. SG, Region Toggenburg, seit 2009 mit Brunnadern und Mogelsberg Teil der neuen polit. Gem. Neckertal. Am Mittellauf des Neckers gelegen, grenzt S. mit dem Weiler Wald und den Aussengebieten Stofel, Rüti, Schönenbühl, Aemisegg, Chäseren, Arnig, Eggen und Hönenschwil an den Kt. Appenzell Ausserrhoden. 1178 cellam sancti Petri. 1827 943 Einw.; 1850 1'193; 1900 1'272; 1950 1'007; 2000 1'256. 1178 bestätigte Papst Alexander III. der Abtei St. Johann versch. Klosterbesitzungen, unter denen die Klause (cella sancti Petri) aufgeführt war. Als Propstei von St. Johann genoss S. eine gesonderte Verwaltung. Die Vogteirechte lagen bei den Gf. von Werdenberg, dann bei den Edlen von Rorschach und ab 1340 bei den Gf. von Toggenburg. 1399 erwähnte Freie wurden 1484 vom Haupt- und Gewandfall befreit und erhielten das Recht der Ammannwahl. Zwischen 1524 und 1531 - während der Reformation - ging die Propstei ein. 1555 wurde die Abtei St. Johann der Fürstabtei St. Gallen inkorporiert, die 1565 den Bewohnern von S. und Hemberg durch ein Landrecht die gleiche Rechtsstellung wie den übrigen Toggenburgern verlieh. S. bildete bis 1798 ein eigenes Gericht. 1803 erfolgte die Schaffung der polit. Gemeinde und der Ortsgemeinde S.-Wald. Nach 1533 wurde der kath. Gottesdienst wieder eingeführt und 1565 eine kath. Pfarrei errichtet. Der Pfrundbrief von 1538 anerkannte die ref. Kirchgemeinde. Die Kirche und das Propsteigebäude gehörten weiterhin der Abtei und St. Johann, wurden aber paritätisch genutzt. Die Versorgung der ref. Kirchgemeinde erfolgte 1564-1709 von Hemberg aus (1610 und 1650 Abkurungen). 1722 wurde die zunächst paritätisch genutzte, später kath. Barockkirche St. Peter erbaut. Das Simultanverhältnis bestand bis 1963, als die ref. Kirche gebaut wurde. Ab 1516 gab es im Mesmerhaus eine kath. Winterschule, die ref. Schule im Dorf wurde 1680 eingeführt. Ab 1865 verfügte die Gem. über eine genossenschaftlich organisierte Sekundarschule, 1951 wurde die Sekundarschulgemeinde Oberes Neckertal (mit Hemberg) gegründet. Die konfessionellen Schulen bestanden bis 1959. Zur Land- und Forstwirtschaft kamen Gewerbe und ein wenig Industrie hinzu. Seit 1910 verfügt S. über einen Bahnanschluss in Brunnadern. Ab 1912 verkehrten Postautos zwischen S. und Schönengrund, 1921 wurde die Linie nach Brunnadern erweitert. Das Gebiet Dürrenmoos, das teilweise auf Boden Hembergs liegt, wurde 1974 unter Naturschutz gestellt.


Literatur
– H. Büchler, Das Toggenburg in alten Ansichten vom 17. bis 19. Jh., 1975
S., 1978
– J. Huber, «Der Kirchenbez. in S. im Licht neuer Qu. und Überlegungen», in Toggenburger Jb., 2007, 71-94

Autorin/Autor: Hans Büchler