20/12/2002 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Brache

Die B. ist jener Teil der landwirtschaftlich genutzten Fläche eines Betriebs oder einer Gemeinde, der für einen längeren Zeitraum (ein halbes bis ein ganzes Jahr) unbebaut bleibt. Als "Rotationsbrache" gehörte die B. zur Fruchtfolge der Zelgensysteme. In der Dreizelgenwirtschaft musste das Brachfeld -- im Rahmen des Flurzwangs oder des "Brach- und Zelgenrechts", wie es in der frühen Neuzeit hiess -- der Weide des Dorfviehs offen stehen (Bodennutzungssysteme). Gepflügt wurde die B. drei Mal: im Brachmonat Juni ("Brachen"), im September vor der Aussaat des Wintergetreides ("zur Saat fahren") und vom 12. Jh. an ein drittes Mal dazwischen ("Kehren"). In der frühen Neuzeit kamen gebietsweise noch weitere Pflügungen hinzu. Die teilweise Besömmerung der B., d.h. die Bepflanzung mit sog. Brachfrüchten wie Erbsen, Linsen, Wicken, Ölfrüchten, Gespinstpflanzen, Hirse, Gerste kam bereits im SpätMA vor, in der frühen Neuzeit wurde sie v.a. in der Umgebung der Städte, wo genug Dünger zur Verfügung stand, praktiziert. Die vollständige Besömmerung der B. besonders mit Futtergräsern, die den Boden mit Stickstoff anreicherten, war ein wichtiges Element der Agrarrevolution 1750-1850, sie führte zur verbesserten Dreifelderwirtschaft.

Die B. diente ursprünglich der Bodenruhe bzw. -erholung. Weil in der vormodernen Landwirtschaft zu wenig Dünger anfiel, konnten die Getreideflächen nicht ununterbrochen angebaut werden (Düngung). Besonders bei Böden in Hanglage bestand aber die Gefahr, dass sie, wenn sie unbedeckt lagen, durch Bodenabschwemmung allmählich erodierten. Neben der B. im Rahmen der Dreizelgenwirtschaft gab es in der frühen Neuzeit die Praxis, Zelgenäcker mit Erlaubnis der Gemeinde ein paar Jahre dem Anbauzwang zu entziehen und sie als "Grünbrache" der natürl. Berasung zu überlassen. Bei der z.T. auch noch im 20. Jh. gepflegten "Schwarzbrache" bleibt das Feld vegetationslos und wird während des Jahres mehrmals umgebrochen. Dadurch wird die Unkrautbildung eingedämmt, und der Boden wird gelockert und gelüftet, womit die Verfügbarkeit der Nährstoffe und die Bodengare verbessert werden. In der Neuorientierung der Agrarpolitik seit Mitte der 1990er Jahre gewinnt die B. für den ökolog. Ausgleich eine neue Bedeutung (Flächenstilllegung).


Literatur
– C. Pfister, Das Klima der Schweiz 1525-1860, 2 Bde., 1984 (31988)
– W. Rösener, Bauern im MA, 1985
– H. Moser, Der schweiz. Getreidebau und seine Geräte, 1988
– N. Morard, «L'assolement triennal à Fribourg aux 14e et 15e siècles», in Paysages découverts 1, 1989, 135-152
– A. Ineichen, Innovative Bauern, 1996

Autorin/Autor: Albert Schnyder