• <b>Technischer Fortschritt</b><br>Telefonzentrale Brugg. Fotografie der PTT, um 1930 (Museum für Kommunikation, Bern). Mit dem technischen Fortschritt entwickelten sich die Arbeitsorganisation und der Arbeitsmarkt: Zwischen 1880 und 1940 wurden zahlreiche weibliche Arbeitskräfte in den Telefonzentralen angestellt. Die schrittweise Einführung automatischer Telefone, welche die Direktwahl ermöglichten, machten die Vermittlung durch die Telefonistin wieder überflüssig.
  • <b>Technischer Fortschritt</b><br>Präsentation des Versuchsmodells von Solar Impulse im Jahr 2006, eines mit Sonnenenergie betriebenen Flugzeugs  © KEYSTONE. Bertrand Piccard (links), Initiant und Präsident des Projekts Solar Impulse, das 2003 mit Unterstützung der Ecole polytechnique fédérale de Lausanne lanciert worden war, zeigt Nick Hayek (Mitte), damals Leiter der Firma Omega und Hauptsponsor des Projekts, sowie André Borschberg (rechts), Ingenieur, Pilot und CEO des Projekts, das Modell.
  • <b>Technischer Fortschritt</b><br>Plakat der Gegner der Volksinitiative "für Lebensmittel aus gentechnikfreier Landwirtschaft" vom 27.11.2005 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste). Die Einreichung dieser Volksinitiative im Jahr 2003 löste eine breit geführte Debatte aus. Damit erklärt sich der ausserordentliche Erfolg des in der gleichen Zeit gezeigten Dokumentarfilms "Mais im Bundeshuus" (2003) von Jean-Stéphane Bron über die Diskussion in der Kommission, welche am Vorentwurf der neuen Gen-Lex gearbeitet hatte. Das fünfjährige Gentech-Moratorium wurde von den Stimmberechtigten im Dezember 2005 mit 55,7% angenommen und 2010 vom Parlament bis 2013 verlängert.

Technischer Fortschritt

Fortschritt als stetige Verbesserung der Bedingungen menschl. Existenz aufgrund techn. und wissenschaftl. Entwicklung ist ein Konzept der Aufklärung. Im 18. und vermehrt im 19. Jh. wurden Wissenschaft und T. als Garanten für wirtschaftl., sozialen und moral. Fortschritt gesehen. Da die Menschen mit Hilfe der Technik die Welt veränderten, galt diese als Mass der menschl. Höherentwicklung. Doch das durch die Industrialisierung verursachte soziale Elend, das Vernichtungspotenzial der Militärtechnologien im 20. Jh. oder die Umweltschäden dämpften diesen szientist. Optimismus.

In wirtschaftl. Hinsicht umschreibt T. eine Veränderung der Produktionsmethoden (neue Maschinen und Produktionsverfahren sowie neue Arbeitsorganisation), die zu einer Produktivitätssteigerung oder zu neuen Errungenschaften (neue Produkte) führt. Da er allgemein als wichtige Quelle für das Wirtschaftswachstum gilt, wird seit ca. 100 Jahren massiv in Forschung und Entwicklung investiert.

1 - Technischer Fortschritt vor der Industriellen Revolution

Vor der Industriellen Revolution kam es nur beschränkt zu techn. Neuerungen, so dass einige traditionelle Werkzeuge oft bis zum 20. Jh. in Gebrauch blieben. Der weitaus wichtigste Sektor, die Landwirtschaft, war während des Ancien Régime sowohl in der Schweiz wie anderswo technisch wenig entwickelt. Einige spürbare Fortschritte wie das Dreizelgensystem (Zelgensysteme), die Verwendung des Pflugs mit eiserner Pflugschar und die Bewässerung der Alpweiden steigerten immerhin die Erträge. Zusammen mit der Urbarmachung neuen Ackerlands trugen diese techn. Neuerungen zur Subsistenz einer ab dem 12. Jh. wachsenden Stadtbevölkerung bei.

Handwerk und Gewerbe waren Neuerungen gegenüber aufgeschlossener. Neues Know-how, oft dank der Nutzung der Antriebskraft von Mühlen, hielt im SpätMA Einzug: Dazu gehörten auch Hochöfen, Leinenweberei, Seiden- und Wolltuchproduktion oder Gerbereien. Gefördert wurde die Verbreitung neuer Techniken durch die Ankunft hugenott. Refugianten zwischen dem 16. und 18. Jh., die Kapital und techn. Kenntnisse in die ref. Städte brachten. Beispiele dafür bieten die technikintensiven Druckereien, die v.a. in Basel und Genf eröffnet wurden. Die Zünfte und lokalen Obrigkeiten wirkten jedoch gegenüber Neuerungen oft als Bremse, weil sie ihre Privilegien wahren und die bestehende Gesellschaftsordnung nicht aufs Spiel setzen wollten. Wegen der Abwehrhaltung der aristokrat. Eliten und der Kaufleute fehlte innovationsbereiten Fabrikanten oft das Kapital für den Aufbau von Manufakturen.

Im 18. Jh. erzielten neue Techniken entscheidende Durchbrüche. Die Konjunktur war günstiger, und die Ideen der Aufklärung förderten die Entfaltung industrieller Tätigkeiten. Neue Industriezweige wie die Baumwollspinnerei und -weberei, der Zeugdruck sowie die Uhrmacherei fassten im Land Fuss. Der Einsatz einfacher, handbetriebener Maschinen (Webstühle, Strickmaschinen, Drehbänke usw.) verbreitete sich rasch; erste Formen von Fabriken (Fabrique-Neuve de Cortaillod) traten im Zeugdruck auf. Die Zünfte, beträchtl. Hemmschuh der Technikentwicklung, wurden in der helvet. Republik 1798 aufgehoben. Die eigentl. Wende hinsichtlich der Übernahme techn. Innovationen erfolgte jedoch erst in der Zeit der industriellen Revolution.

Autorin/Autor: Thomas Perret / MD

2 - Blütezeit der Industrialisierung

Im 19. Jh. beschleunigte sich der T. rasant. Die Industrielle Revolution kann daher in erster Linie als techn. Revolution angesehen werden: Die Erfindung mechan. Baumwollspinnmaschinen in Grossbritannien, die von Dampfmaschinen angetrieben wurden, veränderte die Herstellungsmethoden grundlegend. Die Folge war ein ungeheurer Produktivitätsschub, der sich auf eine mehr oder weniger kontinuierl. Reihe techn. und arbeitsorganisator. Innovationen stützte.

2.1 - Mechanisierung und Rationalisierung

Der Prozess der Mechanisierung verlief weder geradlinig noch gleichförmig. Zwischen den versch. Industriezweigen (und damit den Landesteilen), aber auch innerhalb desselben Sektors vollzog sich der Wandel in unterschiedl. Geschwindigkeiten. Zunächst hielt die Mechanisierung in der Baumwollspinnerei Einzug: Ab 1801 importierten und kopierten Schweizer Fabrikanten engl. Maschinen - nur eines von zahlreichen Beispielen für die Bedeutung des Technologietransfers. Während die Handspinnerei schon um 1814 nahezu vollständig verschwunden war, wurde die Baumwollweberei erst in den 1830er Jahren, der Bereich der Fertigfabrikate sogar noch später mechanisiert. Die Mechanisierung der Textilindustrie führte rasch zur Entwicklung einer weiteren Sparte, der Maschinenindustrie. In der 2. Jahrhunderthälfte setzte sich der Wandel in allen Bereichen durch: Das Eisenbahnnetz entstand, Chemie und Elektroindustrie erlebten einen Aufschwung. In anderen Zweigen wie etwa der Uhrmacherei, die erst Ende des 19. Jh. in Fabriken produzierte, verlief die Entwicklung langsamer.

Auch die Landwirtschaft verzeichnete rasante Fortschritte. Zwischen 1800 und 1900 gingen die im Primärsektor Beschäftigten zwar um die Hälfte zurück, doch sank der Versorgungsgrad trotzdem nicht, weil diverse Neuerungen wie Düngung und Anbaudiversifizierung zu Ertragssteigerungen führten (Agrarrevolution). Im Dienstleistungssektor wurde dank Telefon, Schreibmaschine und Buchungsmaschine der Bürobetrieb auf vergleichbare Weise mechanisiert. Insbesondere in der Zwischenkriegszeit kam es zu einer Rationalisierung der Verwaltungsarbeit. Mit der Technifizierung im Büro stieg der Anteil weibl. Angestellter, wie schon zuvor in den Fabrikwerkstätten, da Frauen in der Regel weniger qualifiziert und günstiger waren.

<b>Technischer Fortschritt</b><br>Telefonzentrale Brugg. Fotografie der PTT, um 1930 (Museum für Kommunikation, Bern).<BR/>Mit dem technischen Fortschritt entwickelten sich die Arbeitsorganisation und der Arbeitsmarkt: Zwischen 1880 und 1940 wurden zahlreiche weibliche Arbeitskräfte in den Telefonzentralen angestellt. Die schrittweise Einführung automatischer Telefone, welche die Direktwahl ermöglichten, machten die Vermittlung durch die Telefonistin wieder überflüssig.<BR/>
Telefonzentrale Brugg. Fotografie der PTT, um 1930 (Museum für Kommunikation, Bern).
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Seit Anfang des 20. Jh. schliesslich bestand T. nicht mehr nur aus Innovationen in der Mechanik, Physik und Chemie, sondern ebenso aus arbeitsorganisator. Neuerungen. 1902-03 erschienen in der Schweiz die ersten Artikel zum Taylorismus, doch kam es erst am Ende des 1. Weltkriegs zu einer Rationalisierungsbewegung. Einen gewissen Umfang erlangte sie allerdings erst mit den konjunkturellen Einbrüchen in der Zwischenkriegszeit, als die Unternehmen Kosten einzusparen suchten.

Autorin/Autor: Thomas Perret / MD

2.2 - Soziale Folgen

Die techn. Umwälzungen des 19. Jh. zeitigten schwerwiegende gesellschaftl. Folgen. Die Einführung neuer Produktionsmethoden drängte zahlreiche Heimarbeiter rasch an den Rand der Armut, so dass Fabrikarbeit meist ihr einziger Ausweg blieb. Dennoch ereignete sich mit dem Usterbrand von 1832 nur ein einziger Fall von Maschinensturm in der Schweiz. Im Lauf des Jahrhunderts bildete sich eine breite Arbeiterklasse heraus, auch wenn sie weniger homogen und umfangreich war als in anderen Ländern.

Die Arbeitsbedingungen unter dem Regime von Mechanisierung und Serienproduktion waren oft sehr hart. Die Vorschriften im eidg. Fabrikgesetz von 1877 zeugen von den gravierenden Folgen des T.s für die Arbeiter (Fabrikgesetze). Sie sollten v.a. das Risiko der durch Maschinen oder die Verwendung gefährl. Stoffe verursachten Berufsunfälle und -krankheiten begrenzen. Lohnerhöhungen mussten hart erkämpft werden: Erst nach Hunderten von Streiks zwischen den 1880er Jahren und dem 1. Weltkrieg profitierten auch die Arbeiter etwas von den Produktivitätsgewinnen. Entgegen den Behauptungen der Freisinnigen bedeutete der T. nicht automatisch auch sozialen Fortschritt.

Allgemein führte die Fabrikarbeit zu einem grossen Mentalitätswandel. Mit dem Verschwinden der Heimarbeit hörte auch eine gewisse Freiheit in der Arbeitszeitgestaltung, der Arbeitskleidung und dem Arbeitsverhalten auf. Von nun an verpflichtete die Fabrikordnung die Arbeiter zur gleichen Arbeitsweise und zur gleichen Disziplin. Taylorist. Massnahmen verstärkten zusätzlich den Druck auf die Arbeiterschaft.

Autorin/Autor: Thomas Perret / MD

2.3 - Faktoren des technischen Fortschritts

Im Zuge der Arbeitsteilung schuf die Industrialisierung zwar zahlreiche Stellen für wenig Qualifizierte, führte aber gleichzeitig zu einer Professionalisierung der techn. Berufe. Die Unternehmen benötigten nun geschulte Techniker und Mechaniker für den Bau und Betrieb der Maschinen. Hier zeigten sich die Grenzen der herkömml. Berufsbildung, die von der ständigen Weiterentwicklung der Produktionsanlagen überfordert war. Um Grundlagenwissen u.a. in theoret. Mechanik, Materialkunde und Chemie zu vermitteln, mussten die Bildungsgänge angepasst werden. Berufsschulen, die gegen Ende des 18. Jh. vereinzelt eröffnet worden waren, wurden in der 2. Hälfte des 19. Jh. immer zahlreicher (Berufsbildung). Im Jurabogen z.B. entstanden ab den 1860er Jahren rund ein Dutzend Uhrmacher- und Mechanikerschulen, 1874 wurde das erste Schweizer Technikum in Winterthur eröffnet. Auch die Industrie brauchte Ingenieure, die die mechanisierte Produktion weiterentwickeln und neu organisieren konnten. Doch erst um die Mitte des 19. Jh., v.a. mit der Eröffnung des Eidg. Polytechnikums 1855 in Zürich (Eidgenössische Technische Hochschulen), wurden die angewandten Wissenschaften zu anerkannten Lehrfächern. Die Einrichtung neuer Bildungsgänge hinkte zwar hinter der Industrialisierung der Schweiz her, fand aber zeitgleich mit dem Aufschwung der neuen Elektro- und chem. Industrie statt, die auf eine enge Zusammenarbeit mit der Wissenschaft angewiesen war.

Ende des 19. Jh. wurde die Bereitschaft, sich neue Kenntnisse und Kompetenzen anzueignen, ein wichtiger Faktor für den wirtschaftl. Erfolg. Daher eröffneten Grossunternehmen zuerst Versuchs-, später eigentl. Forschungslabors. Gleichzeitig entstanden öffentl. Anstalten, so 1880 die Eidg. Anstalt zur Prüfung von Baumaterialien (heute EMPA) am Eidg. Polytechnikum in Zürich, 1886 die besonders auf die Textilindustrie ausgerichtete Schweiz. Versuchsanstalt in St. Gallen und 1921 das Laboratoire suisse de recherches horlogères in Neuenburg. Zwischen dem Ende des 19. Jh. und der Zwischenkriegszeit verschob sich die Innovationstätigkeit daher vom Einzelnen zur Gruppe: Waren zuvor Fabrikanten, Handwerker oder Facharbeiter einzeln und unabhängig voneinander als Erfinder tätig, trat nun die zentralisierte, von den Unternehmen kontrollierte Erfindertätigkeit an deren Stelle. Da aber längst nicht alle Unternehmen eigene Technikabteilungen oder Labors besassen, fanden viele Versuche weiterhin in Werkstätten statt. Trotzdem führten die Firmen immer komplexere, systematischere Studien durch, die dem Einzelnen nicht mehr möglich waren. Dieses Bestreben nach Kontrolle der techn. Errungenschaften und deren wirtschaftl. Auswirkungen spielte auch bei der Inkraftsetzung des ersten eidg. Patentgesetzes 1888 eine Rolle (Erfindungen).

<b>Technischer Fortschritt</b><br>Präsentation des Versuchsmodells von Solar Impulse im Jahr 2006, eines mit Sonnenenergie betriebenen Flugzeugs  © KEYSTONE.<BR/>Bertrand Piccard (links), Initiant und Präsident des Projekts Solar Impulse, das 2003 mit Unterstützung der Ecole polytechnique fédérale de Lausanne lanciert worden war, zeigt Nick Hayek (Mitte), damals Leiter der Firma Omega und Hauptsponsor des Projekts, sowie André Borschberg (rechts), Ingenieur, Pilot und CEO des Projekts, das Modell.<BR/>
Präsentation des Versuchsmodells von Solar Impulse im Jahr 2006, eines mit Sonnenenergie betriebenen Flugzeugs © KEYSTONE.
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Autorin/Autor: Thomas Perret / MD

3 - Von der Konsumgesellschaft zur Öko-Kritik

Mit der Ausdehnung der Massenproduktion setzte sich der Mechanisierungs- und Rationalisierungsprozess der Arbeit nach dem 2. Weltkrieg fort. Einen qualitativen Sprung stellte die Automatisierung dar, die mit dem Bau und Einsatz elektronisch gesteuerter Maschinen in den 1960er Jahren begann. Dieser Prozess verlief allerdings nicht gleichförmig. In den 1950er Jahren griff man in mehreren Industriezweigen zum Zweck der Produktionssteigerung noch auf billige ausländ. Arbeitskräfte zurück, anstatt die Herstellungsmethoden zu rationalisieren. Im Gegensatz zu anderen westl. Ländern, in denen die Arbeitskräfte im Sekundär- auf Kosten des Tertiärsektors zurückgingen, nahmen diese in der Schweiz zu. In den 1960er Jahren rüstete auch die inländ. Industrie die Produktionsanlagen unter dem Druck des Personalmangels auf; zudem drohte ausländ. Konkurrenz die Schweizer Unternehmen technisch zu überflügeln.

Die beiden Weltkriege, in denen neue Techniken zu Zerstörungen in bislang unvorstellbarem Ausmass geführt hatten, erschütterten den Glauben an eine bessere Zukunft in seinen Grundfesten. Doch verhalf die Hochkonjunktur der Nachkriegsjahre der Vorstellung des T.s im Kopf der Leute zu neuem Glanz. Nach 1945 fand auch die Arbeiterschaft Zugang zur Massenkonsumgesellschaft und der materielle Wohlstand war grösser als je zuvor. Die neuen Technologien im Alltag, Elektrohaushaltsgeräte, Radio, Fernseher und Auto, spielten eine wichtige Rolle in der Vorstellungswelt immer breiterer Schichten. Gleichzeitig liess dieser "American way of life" den Energieverbrauch explosionsartig ansteigen; mit dem Ausbau des Strassennetzes nahm auch die Anzahl der Fahrzeuge zu (1950 190'000 Fahrzeuge, 1970 1,5 Mio.) und verbreitet wurden umweltschädigende Chemikalien eingesetzt.

Wer die sowohl moralisch wie ökologisch verheerenden Auswirkungen dieser Entwicklung anprangerte, stiess lange auf wenig Gehör. Eine erste Anti-Fortschrittswelle, die v.a. ästhetisch argumentierte, manifestierte sich in der Belle Epoque und führte zur Gründung des Heimatschutzes. Die Ökologische Bewegung kam in den 1970er Jahren auf, stiess aber erst Ende des 20. Jh. auf Resonanz. Wie die Jugendbewegung die Konsumgesellschaft angeprangert hatte, so hinterfragte sie den T. grundsätzlich, indem sie die grenzenlose Ausbeutung der natürl. Ressourcen denunzierte und die negativen Auswirkungen der Technik auf die Lebensqualität beklagte. Weite Bevölkerungskreise begannen sich gegen die zunehmende infrastrukturelle Erschliessung und Überbauung der Landschaft durch Autobahnen und Staumauern zu engagieren. Der Widerstand gegen die Atomkraftwerke ist eines der sichtbarsten Zeichen dieser neuen Geisteshaltung, wobei die Ablehnung der zivilen Nutzung der Atomtechnologie zur älteren Angst vor einem weltweiten Nuklearkrieg (Antiatombewegung) hinzugekommen ist. Auch die Biogenetik stiess vielfach auf grosse Vorbehalte (Gentech-Moratorium 2005). Paradoxerweise erwartete man dennoch vom T. die Lösung zahlreicher Probleme (Klima, Energie, Mobilität und Migration). Innert weniger Jahre ist er damit erneut zum Kernthema der polit. und gesellschaftl. Debatte geworden.

<b>Technischer Fortschritt</b><br>Plakat der Gegner der Volksinitiative "für Lebensmittel aus gentechnikfreier Landwirtschaft" vom 27.11.2005 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).<BR/>Die Einreichung dieser Volksinitiative im Jahr 2003 löste eine breit geführte Debatte aus. Damit erklärt sich der ausserordentliche Erfolg des in der gleichen Zeit gezeigten Dokumentarfilms "Mais im Bundeshuus" (2003) von Jean-Stéphane Bron über die Diskussion in der Kommission, welche am Vorentwurf der neuen Gen-Lex gearbeitet hatte. Das fünfjährige Gentech-Moratorium wurde von den Stimmberechtigten im Dezember 2005 mit 55,7% angenommen und 2010 vom Parlament bis 2013 verlängert.<BR/>
Plakat der Gegner der Volksinitiative "für Lebensmittel aus gentechnikfreier Landwirtschaft" vom 27.11.2005 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).
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Autorin/Autor: Thomas Perret / MD

Quellen und Literatur

Literatur
– R.S. Edwards, Industrial Research in Switzerland, 1950
– P.-L. Pelet, «L'histoire des techniques avant la révolution industrielle», in SZG, 32, 1982, 324-337
– J.-M. Ayer, Progrès technique et science économique, 1990
– S. Latouche, La mégamachine: raison technoscientifique, raison économique et mythe du progrès, 1995 (22004)
– H.-J. Gilomen et al., Innovationen: Voraussetzungen und Folgen - Antriebskräfte und Widerstände, 2001
Technikforschung, 2004
Prométhée déchaîné: technologies, culture et société helvétiques à la Belle Epoque, hg. von C. Humair, H.U. Jost, 2008

Autorin/Autor: Thomas Perret / MD