07/04/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken

Krinau

Polit. Gem. SG, Region Toggenburgo. Die in einem westl. Quertal der Thur gelegene und von den Ausläufern des Chrüzeggkammes begrenzte Gem. besteht aus dem Dorf K. und den Weilern Altschwil, Au, Dreischlatt, Gurtberg, Schuflenberg, Krinäuli, Niederberg, Kapf und Gruben. 1357 Krinnow. 1789 180 Einw.; 1850 452; 1900 381; 1950 320; 2000 278. Hof und Vogtei waren im Besitz der Gf. von Toggenburg und wurden 1468 von der Fürstabtei St. Gallen erworben. 1510 kaufte sich K. von allen Feudallasten frei. Das Dorf übte fortan als freie Gem. die niedere Gerichtsbarkeit selbst aus und fällte seine Entscheide in einer eigenen Landsgemeinde. In hochgerichtl. Beziehung unterstand es weiterhin der Fürstabtei St. Gallen. Während der Helvetik wurde K. zunächst der Gem. Lichtensteig, dann Oberhelfenschwil zugeteilt. Bei der Gründung des Kt. St. Gallen 1803 wurde es im Rahmen der neuen Gemeindegesetzgebung wieder selbstständig. Nach der Reformation 1524-31 lebte in K. nur noch eine geringe Anzahl kath. Familien. Die Katholiken wie die Reformierten waren nach Bütschwil kirchgenössig, wo der Pfarrer von Mogelsberg die Reformierten betreute. 1724 wurde in K. die ref. Kirche gebaut; die Abkurung der Reformierten von der Mutterkirche geschah aber erst 1775. Seit 1992 gehören die Katholiken zur Pfarrei in Lichtensteig. 1736 wurde eine unentgeltliche Freischule eröffnet und 1828 das Primarschulhaus erbaut. Die Sekundarschule befindet sich in Lichtensteig. Im 18. und 19. Jh. standen Hand- und Buntweberei in Blüte. Anfang des 21. Jh. lebte die Bevölkerung K.s von Milchwirtschaft, Viehzucht, Forstwirtschaft, wenig Gewerbe und Tourismus. Die zahlenmässig kleinste Gem. des Kt. St. Gallen leidet unter Abwanderung und teilweise unter Wohnungsnot, da die alte Bausubstanz an Feriengäste vermietet wird. Das Dorfbild K.s ist von nationaler Bedeutung. In der Streusiedlung befinden sich vereinzelt herrschaftl. Bauernhäuser. 2005 schloss sich die Schulgem. K. mit jener von Wattwil zusammen.


Literatur
– J.H. Weber, Hist. Denkwürdigkeiten der Gem. K. im Kt. St. Gallen, 1824 (21999)
– A. Müller, «K.», in Toggenburger Heimat-Jb. 15, 1955, 74-80

Autorin/Autor: Hans Büchler