28/11/2002 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ)

Die 1930 gegr. B., mit Sitz in Basel (die Standortwahl war ein Kompromiss der beteiligten Staaten), ist die älteste internat. Finanzinstitution. Sie untersteht nicht der schweiz. Bundesgesetzgebung und geniesst sowohl steuerl. wie auch administrative Privilegien. Mit ihrer Gründung verfolgte man zwei Ziele: die Abwicklung der dt. Reparationszahlungen gemäss dem Young-Plan (1930) sowie die Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Zentralbanken, insbes. im Bereich der Geld- und Währungspolitik. Das Kapital der B. wird mehrheitl. von denjenigen Zentralbanken gehalten, die sie begründet haben und auch die Leitung sicherstellen. Der Abschluss der Reparationszahlungen 1931-32 beraubte die B. eines ihrer Hauptzwecke. In der Folge diente sie bis 1939 v.a. als "Klub" für Zusammenkünfte der Zentralbankgouverneure. Während des 2. Weltkriegs unter starkem dt. Einfluss (zeitweise mehr als 70% der Aktionärsstimmen) stehend, versuchte die B. - ab 1940 unter dem Präsidium des Amerikaners Thomas Harrison McKittrick - strikte Neutralität zu wahren. So setzte sie wie die SNB die Geschäfte mit dem Dritten Reich fort, von dem sie u.a. rund 13,5 t Gold erwarb, darunter auch Raubgold. 1944 empfahl das Abkommen von Bretton Woods ihre Liquidation, einerseits aufgrund ihrer Geschäfte mit dem nationalsozialist. Deutschland, andererseits infolge der Gründung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank. Dieser Empfehlung wurde aber nicht Folge geleistet, und die B. etablierte sich nach Auslieferung von 3,75 t Raubgold an die alliierte Tripartite Commission rasch als unentbehrl. Instrument der neuen Währungsordnung. Hauptsächl. diente sie den Zentralbankpräs. der wichtigsten Industrieländer als Forum für die internat. Geldpolitik. In den 1960er Jahren erleichterte sie beispielsweise das Funktionieren des Bretton-Woods-Systems, indem sie die Anstrengungen der G-10-Staaten koordinierte, die Goldparität des Dollars aufrechtzuerhalten sowie Währungen wie das brit. Pfund, den franz. Franc und die ital. Lira zu stützen. Die B. dient auch als Forschungszentrum für Wirtschafts- und Geldfragen, die spezif. die Zentralbanken interessieren. Schliessl. verwaltet sie als Bank der Notenbanken einen Teil von deren Fremdwährungsreserven. Am 31.3.1998 wies sie eine Bilanzsumme von umgerechnet ca. 185 Mrd. Fr. aus. Das Basler BIZ-Hochhaus von 1977 ist ein Werk des Architekten Martin Burckhardt.


Literatur
– R. Pierot, La Banque des règlements internationaux, 1973
Die Bank für Internat. Zahlungsausgleich und die Basler Zusammenkünfte, 1980
– G. Trepp, Bankgeschäfte mit dem Feind, 1993 (21996)
NZZ, 15./16.8.1998
Veröff. UEK 16

Autorin/Autor: Youssef Cassis / AZ