• <b>Ausstellungen</b><br>Jakob Stämpfli eröffnet am 27. Juni 1857 die dritte Schweizerische Industrieausstellung in der Berner Heiliggeistkirche. Holzschnitt, erschienen in der "Illustrirten Zeitung" vom 1. August 1857 (Bernisches Historisches Museum) © Foto Stefan Rebsamen. Die symbolträchtige Heiliggeistkirche war wohl deshalb gewählt worden, weil an diesem Ort früher schon die Tagsatzung und die Bundesversammlung ihre Eröffnungszeremonien veranstaltet hatten.
  • <b>Ausstellungen</b><br>Plakat für die kantonale Walliser Ausstellung von 1909 von  Ludwig Werlen (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste). Im Wallis hielt man noch im 20. Jahrhundert an der zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstandenen Tradition einer kantonalen Gesamtschau von Industrie, Landwirtschaft und Kunst fest. Im 20. Jahrhundert weichen die Gesamtschauen allmählich den Fachausstellungen.
  • <b>Ausstellungen</b><br>Plakat für die Muba 1917, von  Burkhard Mangold (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).
  • <b>Ausstellungen</b><br>Plakat für den Comptoir suisse 1923, von  Percival Pernet (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).
  • <b>Ausstellungen</b><br>Plakat für die erste Fiera Svizzera in Lugano 1937, von  Mario Pescini (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).
  • <b>Ausstellungen</b><br>Plakat aus dem Jahr 1929 von    Hans Arp und Walter Cyliax (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste). Nach dem Ersten Weltkrieg nahm das Interesse an Kunstausstellungen zu. Vor allem im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts wurden einige solche Ausstellungen zu grossen Publikumserfolgen.

Ausstellungen

A. sind öffentl. Präsentationen von Gegenständen zur Veranschaulichung ihres wirtschaftl. und ideellen Wertes und zur Information der Besucher. Im Unterschied zu Messen, Märkten und Auktionen dienen A. nur teilweise kommerziellen Zwecken. Ökonom. Aspekte stehen v.a. bei Gewerbe- und Industrie-A. sowie bei den landwirtschaftl. A. im Vordergrund, während bei wissenschaftl., kulturellen und polit. A. eher ideelle, aufklärer. Motive betont werden. Wie schon die Entstehung des Ausstellungswesens zeigt, lässt sich aber eine solche Unterscheidung im konkreten Fall meist nicht eindeutig vornehmen.

Das Ausstellungswesen ging nicht aus den traditionellen Warenmessen hervor, sondern hatte seinen Ursprung vielmehr in den Kunstausstellungen, die im 18. Jh. in Frankreich und England aus dem Bedürfnis heraus entstanden waren, das Schaffen zeitgenöss. Künstler einer sich auch in Kunstvereinen und Akademien konstituierenden Öffentlichkeit vorzuführen. 1789 fand in Genf die erste Kunstausstellung statt. Nach einer privaten Gemäldeausstellung 1790 erfolgte in Zürich 1799 die erste öffentl. A.

Einen Grundstein für die Ausstellungsbewegung in ganz Europa legte 1798 die "Exposition des produits de l'industrie française", deren kunsthandwerkl. und gewerbl.-industrielle Exponate primär als Leistungsschau und Selbstdarstellung der Republik dienten. Ähnl. Veranstaltungen wurden in den folgenden Jahrzehnten im nationalen, regionalen und lokalen Rahmen in ganz Europa durchgeführt.

In der Schweiz fand 1804 in Bern auf Anregung der Ökonomischen Gesellschaft eine erste Kunst- und Industrieausstellung mit 399 Ausstellern aus mehreren Kantonen statt. Der Versuch des Leiters Franz Sigmund Wagner, die anlässlich einer Tagsatzung eröffnete A. permanent zu gewährleisten, scheiterte. 1810, 1818, 1824 und 1830 wurde die Berner A. wiederholt. In der Regenerationszeit entwickelte sich die Ausstellungstätigkeit auf industriell-gewerbl. Gebiet, parallel zur Gründungswelle von Gewerbevereinen, auch in anderen Kantonen (u.a. 1828 und 1833 in Genf, 1830 in Basel, 1833 und 1839 in Lausanne, 1845 in Aarau, 1846 in Zürich). 1843 fand in St. Gallen eine erste gesamtschweiz. Gewerbe- und Industrieausstellung statt, welcher 1848 und 1857 in Bern die 2. und 3. Schweiz. Industrieausstellung folgten.

<b>Ausstellungen</b><br>Jakob Stämpfli eröffnet am 27. Juni 1857 die dritte Schweizerische Industrieausstellung in der Berner Heiliggeistkirche. Holzschnitt, erschienen in der "Illustrirten Zeitung" vom 1. August 1857 (Bernisches Historisches Museum) © Foto Stefan Rebsamen.<BR/>Die symbolträchtige Heiliggeistkirche war wohl deshalb gewählt worden, weil an diesem Ort früher schon die Tagsatzung und die Bundesversammlung ihre Eröffnungszeremonien veranstaltet hatten. <BR/>
Jakob Stämpfli eröffnet am 27. Juni 1857 die dritte Schweizerische Industrieausstellung in der Berner Heiliggeistkirche. Holzschnitt, erschienen in der "Illustrirten Zeitung" vom 1. August 1857 (Bernisches Historisches Museum) © Foto Stefan Rebsamen.
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Diese A. dienten sowohl kommerziellen Zwecken wie auch als Medien der kant. und nationalen Selbstdarstellung. Gleichzeitig veranschaulichten sie als eine Art Fortschrittsbarometer die Abfolge von Invention, Innovation und Imitation in Technik und Wirtschaft. Sie waren damit über die unmittelbare Markterschliessung und Werbewirkung für Produkte und Produzenten hinaus auch ein geeignetes Medium zur Inszenierung und Propagierung der bürgerl. Leitwerte des Technischen Fortschritts, der Konkurrenz, des Arbeitsethos und der Konstruktion einer kollektiven Identität. Ihr Rendement blieb vorerst eher bescheiden und erreichte erst mit den Landesausstellungen (1883 Zürich, 1896 Genf, 1914 Bern, 1939 Zürich, 1964 Lausanne) grössere Kreise. Der internat. Präsentation diente auch die Teilnahme von jeweils mehreren hundert schweiz. Ausstellern an den seit 1851 periodisch stattfindenden Weltausstellungen.

Neben den allgemeinen kant. und regionalen A. entstanden auch versch. Spezialausstellungen, u.a. für Stickerei (Appenzell 1881), Uhren und Bijouterie (in Genf permanente A., Neuenburg 1881), Gartenbau oder Schul- und Lehrmittel. Grosse Verbreitung fanden die seit den 1820er Jahren existierenden A. von landwirtschaftl. Geräten, Maschinen und Produkten sowie die Vieh-A., die 1873 in Weinfelden erstmals zu einer allgemeinen schweiz. landwirtschaftl. A. zusammengefasst wurden.

<b>Ausstellungen</b><br>Plakat für die kantonale Walliser Ausstellung von 1909 von  Ludwig Werlen (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).<BR/>Im Wallis hielt man noch im 20. Jahrhundert an der zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstandenen Tradition einer kantonalen Gesamtschau von Industrie, Landwirtschaft und Kunst fest. Im 20. Jahrhundert weichen die Gesamtschauen allmählich den Fachausstellungen.<BR/>
Plakat für die kantonale Walliser Ausstellung von 1909 von Ludwig Werlen (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).
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Abgesehen von der Landwirtschaft entwickelten sich grössere und periodisch wiederkehrende Fachausstellungen erst im 20. Jh. mit A. für das Gastgewerbe (Bern 1910), für Elektrizität (Basel 1913), für Binnenschifffahrt und Wasserkraftnutzung (Basel 1926) sowie für Gartenbau (Zürich 1933). Die Ausweitung der Ausstellungstätigkeit nötigte auch zur Konzentration der Kräfte und führte 1917 zur Gründung der Schweiz. Mustermesse in Basel (Muba), welcher der Charakter einer nationalen Industrie- und Handelsmesse zukam. Nationale und z.T. internat. Ausstrahlung erreichten auch der Comptoir suisse in Lausanne (seit 1920), der Internat. Automobil-Salon in Genf (seit 1924), die Fiera Svizzera in Lugano (seit 1937), die Schweizer Messe für Land- und Milchwirtschaft Olma in St. Gallen (seit 1943), die A. für Gewerbe, Landwirtschaft, Handel und Industrie BEA in Bern (seit 1949) und die Herbstschau für Haushalt, Wohnen, Sport und Mode Züspa in Zürich (seit 1946). Alle diese Messeplätze haben eine permanente organisator. und bauliche Infrastruktur aufgebaut, die für versch. A. zur Verfügung steht. So bietet die 1920 als Genossenschaft organisierte Mustermesse, seit 1995 unter dem Namen Messe Basel, auch versch. Fachmessen Raum (u.a. Art, Worlddidac, Weltmesse für Uhren und Schmuck), und Palexpo in Genf beherbergt alljährlich auch den Salon du Livre. Daneben bestehen noch verschiedene andere Messen mit regionaler Reichweite sowie mehr oder weniger regelmässig stattfindende kant. und lokale Gewerbeausstellungen.

<b>Ausstellungen</b><br>Plakat für die Muba 1917, von  Burkhard Mangold (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).<BR/>
Plakat für die Muba 1917, von Burkhard Mangold (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).
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<b>Ausstellungen</b><br>Plakat für den Comptoir suisse 1923, von  Percival Pernet (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).<BR/>
Plakat für den Comptoir suisse 1923, von Percival Pernet (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).
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<b>Ausstellungen</b><br>Plakat für die erste Fiera Svizzera in Lugano 1937, von  Mario Pescini (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).<BR/>
Plakat für die erste Fiera Svizzera in Lugano 1937, von Mario Pescini (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).
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Angesichts der Verbreitung und Diversifikation des Ausstellungswesens drängte sich eine Koordination und Institutionalisierung auf. So entstand 1912 eine erste, nicht in Kraft getretene, und 1928 eine zweite internat. Konvention, der sich auch die Schweiz anschloss. Seit 1907 wird auf eine Eingabe der wirtschaftl. Spitzenverbände hin das permanente schweiz. Ausstellungskomitee (seit 1927 Schweiz. Zentrale für Handelsförderung) subventioniert, das die internat. Beteiligungen koordiniert. Der internen Koordination dient die Vereinigung Messe Schweiz mit 19 Mitgliedern.

Neben den primär kommerziell ausgerichteten Fachausstellungen entstanden auch A. mit aufklärer., polit. Zweck, wie die Heimarbeiter-A. in Zürich 1909 und die viel beachtet Schweiz. A. für Frauenarbeit (Saffa 1928, 1958) oder die Luftschutzausstellungen ab 1936. Im Bereich der bildenden Kunst spielten im 19. Jh. die jährl. A. im Rahmen des Turnus in versch. Schweizer Städten eine zentrale Rolle. Daneben etablierten sich Museen und Galerien (Kunsthandel) mit ständigen und wechselnden A. Wachsender Beliebtheit erfreuten sich in jüngster Zeit themat. und insbesondere hist. Sonderausstellungen von Museen und anderen Trägerschaften aus aktuellen oder Jubiläumsanlässen.

<b>Ausstellungen</b><br>Plakat aus dem Jahr 1929 von    Hans Arp und Walter Cyliax (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).<BR/>Nach dem Ersten Weltkrieg nahm das Interesse an Kunstausstellungen zu. Vor allem im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts wurden einige solche Ausstellungen zu grossen Publikumserfolgen.<BR/>
Plakat aus dem Jahr 1929 von Hans Arp und Walter Cyliax (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).
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Literatur
Expodata 1-, 1969-
ZAK 43, H. 4, 1986
– F. Bächtiger, «Konturen schweiz. Selbstdarstellung im Ausstellungswesen des 19. Jh.», in Auf dem Weg zu einer schweiz. Identität, 1848-1914, hg. von F. de Capitani, G. Germann, 1987, 207-243
– U. Beckmann, Gewerbeausstellungen in Westeuropa vor 1851, 1991

Autorin/Autor: Ruedi Brassel-Moser