Notenbanken

Die Gründungs- und Aufbauphase des schweiz. Notenbanksystems fällt in die Zeit des polit. und wirtschaftl. Aufbruchs während der Regeneration in den 1830er Jahren. Sie steht im Zusammenhang mit der Umgestaltung des Binnen- und des Aussenhandels sowie mit der Ausdehnung der Geldwirtschaft. Kennzeichnend für das schweiz. System ist die anfänglich dezentrale Organisation. Mehrere öffentl.-rechtl. wie auch private Banken waren mit dem Notenprivileg ausgestattet (1850 8, 1879 36 Institute).

Der Erfolg der neu gegr. Diskontbanken und N. in der Modernisierung des Geldumlaufs und der Erleichterung des Zahlungsverkehrs durch die Einführung von gedeckten Banknoten hielt sich vorerst in Grenzen. Die Notenzirkulation war durch die schweiz. Währungsvielfalt (Geld) und durch die lokale Geschäftstätigkeit der einzelnen Emissionsinstitute behindert. Zudem waren die Banknoten nicht gesetzl. Zahlungsmittel, und die N. weigerten sich, Noten der Konkurrenz einzulösen. Immerhin brachte die Münzreform von 1850-51 die einheitl. Silberwährung in Franken; vor der Gründung des Bundesstaats waren nicht weniger als 312 Münzsorten (Münzen) gezählt worden. Die Einführung von Silberwährungen in anderen Ländern führte nach Beginn der Währungsreform in der Schweiz zu einem Silberabfluss und zu einem Anstieg des Silberpreises. Durch die damit verbundenen finanziellen Schwierigkeiten waren die N. gezwungen, ihre Noten auch auf franz. Goldmünzen auszustellen. In der Folge führte die Schweiz die Doppelwährung in Silber und Gold (Goldwährung) ein und schloss sich 1865 der Lateinischen Münzunion an. Die Münzprägung wurde vorwiegend dem Ausland überlassen. Mit dem Ausbruch des Dt.-Franz. Kriegs 1870 war die Schweiz deshalb plötzlich von ihrer monetären Basis abgeschnitten -- die N. gerieten in eine Zahlungskrise. Aus föderalist. Motiven wurde jedoch verworfen, die Unzulänglichkeiten des schweiz. Notenbanksystems mittels Schaffung einer Zentralbank zu beheben: Der Bund erhielt im Rahmen der Verfassungsrevision 1874 lediglich das Recht, über die N. zu legiferieren. Das entsprechende Bundesgesetz von 1881 beinhaltete Bestimmungen über die Ausgabe von Noten und die Einlösepflicht der Banken sowie über die Golddeckung des Notenumlaufs. Anhaltende Währungsprobleme aufgrund des sinkenden Wechselkurses des Frankens, insbesondere das Fehlen einer gemeinsamen Geld- und Währungspolitik zur Bekämpfung der Deflation in den 1880er Jahren, stellte die N. vor unlösbare Schwierigkeiten und führte vor der Jahrhundertwende zur Abkehr vom dezentralen Notenbanksystem. 1905 wurde die Schweizerische Nationalbank gegründet, und die noch bestehenden 36 Emissionsbanken liquidierten bis 1910 ihre Notenbankgeschäfte.


Literatur
– A. Jöhr, Die Schweiz. N. 1826-1913, 1915
– F. Ritzmann, Die Schweizer Banken, 1973

Autorin/Autor: Peter Püntener