01/09/2004 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Bretton Woods, Abkommen von

Um das im Sept. 1931 zusammengebrochene internat. Währungssystem neu zu ordnen, wurden an der Internat. Währungs- und Finanzkonferenz, die vom 1. bis 22. Juli 1944 in Bretton Woods (New Hampshire, USA) stattfand, die Verträge über die Errichtung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Internationalen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (Weltbank) geschlossen. Mit diesen Verträgen wurde ein Wechselkurssystem mit stabilen Wechselkursen auf freien Devisenmärkten etabliert. Zugleich wurde damit die Vormachtstellung der Vereinigten Staaten gefestigt (Rückkehr zur Golddevisenwährung). Der IWF mit Sitz in Washington nahm seine Tätigkeit im März 1947 auf, die Weltbank im Juni 1946. Der einseitige Beschluss der USA, die Goldkonvertibilität des Dollars aufzuheben, erschütterte das System im August 1971 in seinen Grundfesten.

Die Schweiz trat den Bretton-Woods-Institutionen erst nach langem Zögern bei. Sie fürchtete insbesondere die Folgen, die einige Bestimmungen der IWF-Statuten für sie hätten haben können, namentlich die Gefahr einer zunehmenden Internationalisierung des Frankens infolge der strukturell bedingten aktiven Zahlungsbilanz. Im Gegensatz dazu öffnete sie ihren Kapitalmarkt weitgehend für die Kredite der Weltbank, der sie von Beginn an hätte beitreten können, wenn nicht die Mitgliedschaft im IWF Voraussetzung für die Aufnahme gewesen wäre. Nachdem versch. Entwicklungsorganisationen das Referendum ergriffen hatten, fiel der Entscheid für den Beitritt der Schweiz zur Weltbank und zum IWF in der Volksabstimmung vom 17. Mai 1992. Seit Nov. 1992 ist die Schweiz offiziell Mitglied beider Institutionen und hat je einen Sitz in deren Exekutivdirektorien inne. Die Mitgliederversammlungen des IWF und der Weltbank finden alljährlich in Washington statt. Vorher werden jeweils Sitzungen der Zehnergruppe, des Interims- und des Entwicklungsausschusses abgehalten, an denen die Schweiz, die seit 1984 Vollmitglied der Zehnergruppe ist, regelmässig teilnimmt.


Literatur
– C. Dechamp, «La reconstruction économique et la stabilité monétaire», in Revue syndicale suisse, Nr. 1, 1945, 30-49
Die Schweiz und die Bretton Woods-Institute, 1991

Autorin/Autor: Marian Stepczynski / EM