Goldwährung

Der Gesetzgeber definierte in dieser Währungsordnung die Währungseinheit in Mengeneinheiten von Gold (Goldparität). Bei der - historisch sehr seltenen - Goldumlaufwährung waren die Goldmünzen das einzige gesetzlich zugelassene Zahlungsmittel (Geld).

Im System der Goldkernwährung schrieb der Staat vor, dass die als Zahlungsmittel verwendeten Noten durch eine bestimmte Goldmenge gedeckt sein und die Notenbanken die Noten bei Bedarf in Gold oder Goldmünzen eintauschen müssen. Die Theorie des klass. Goldstandards besagte, dass der Ausgleich der staatl. Zahlungsbilanzen automatisch über den Zufluss und Abfluss von Devisen und Gold reguliert und längerfristig über die Anpassung der internat. Goldproduktion an die Nachfrage Wechselkurs- und Preisstabilität vorherrschen würde (Währungsbewertung). Obwohl der sog. Goldautomatismus in der Praxis nur bedingt funktionierte, sah die diesbezüglich von David Ricardo beeinflusste Nationalökonomie in ihm lange den wesentl. Garanten für eine ausgeglichene Entwicklung der internat. Wirtschaft.

Die sog. Golddevisenwährung (oder Golddevisenstandard) lässt dagegen neben Gold auch in Gold konvertierbare Devisen zur Deckung der Noten zu und verzichtet auf die Noteneinlösepflicht der Nationalbanken.

Autorin/Autor: Martin Kloter

1 - Entwicklung des klassischen Goldstandards

Grossbritannien führte 1821 die erste auf dem Goldstandard basierende Währung ein, indem die Bank von England verpflichtet wurde, Pfundnoten in Goldmünzen einzulösen. Jedoch erst die Peel'sche Bankakte von 1844 schrieb die Golddeckung der Notengeldmenge vor. Der internat. Goldstandard entstand im Verlaufe des 19. Jh., als immer mehr Staaten dazu übergingen, Gold als wichtigstes Mittel zur Deckung ihrer Landeswährung zu betrachten. Bis zum Beginn des 1. Weltkriegs bildete Grossbritannien als dominierendes Finanz- und Handelszentrum und imperiale Macht den Mittelpunkt des Systems und verfügte auch über eine hohe Steuerungsfähigkeit. Die britischen parlamentar. Eliten hielten einen grossen Teil ihrer Vermögen in Staatspapieren und favorisierten daher Preisstabilität.

Die Schweiz machte als Mitglied der Lateinischen Münzunion ab den 1880er Jahren faktisch deren Wandel vom Bimetallismus zum Goldstandard mit. Der Feingoldgehalt der Goldmünzen in Schweizer Franken wurde 1870 per Gesetz demjenigen des franz. Francs angeglichen. Im Bundesgesetz über die Schweizerische Nationalbank legte das Parlament 1905 die Golddeckung der Noten auf 40% fest. Die Aufrechterhaltung der Goldparität und die internat. Konvertibilität des Schweizerfrankens waren Hauptziele der schweiz. Geld- und Währungspolitik bis 1914. Kennzeichnend für den Zeitraum 1890-1914 war trotz globalen Finanzkrisen die enorme Stabilität der Wechselkurse der meisten Währungen. Neueste Forschungen bestreiten jedoch die Ansicht, dass auch die Stabilität des Wirtschaftswachstums oder der Inlandspreise ein Charakteristikum der Ära des klass. Goldstandards gewesen sei.

Autorin/Autor: Martin Kloter

2 - Der Golddevisenstandard

Zu Beginn des 1. Weltkriegs brach der internat. Goldstandard innert weniger Tage zusammen. Die Goldeinlösepflicht wurde 1914 in der Schweiz wie anderswo zur Überwindung der akuten Zahlungskrise aufgehoben. Unmittelbar nach dem Krieg führte ein enormer Inflationsdruck in Grossbritannien zur Aufgabe der Goldkonvertibilität des Pfunds. Die Weltwährungskonferenz von Genua empfahl 1922 den Notenbanken, neben Gold auch Devisen als Währungsreserven einzusetzen. Lediglich die Notenbanken der Leitwährungsländer Grossbritannien und USA hielten ausschliesslich Gold als Währungsreserven. Die wichtigsten Reservewährungen waren das brit. Pfund und der US-Dollar, was der Währungspolitik dieser Länder einen grossen internat. Einfluss verschaffte.

1926 hatten die wirtschaftlich wichtigsten Länder den Golddevisenstandard eingeführt. Die Schweiz. Nationalbank hatte bereits zwei Monate nach der Bank von England im Juni 1925 die Rückkehr zur Vorkriegsparität erklärt. Die von Grossbritannien 1931 und den USA 1933 ausgelöste Abwertungswelle zur Überwindung der ökonom. Probleme während der Weltwirtschaftskrise beendete endgültig die Existenz des vornehmlich über das Gold definierten internat. Währungssystems. Bis 1936 versuchten alle Länder des sog. Goldblocks, zu dem auch die Schweiz gehörte, ihre internat. Wettbewerbsfähigkeit über eine Abwertung wiederzuerlangen. Die Schweiz trat einen Tag nach der Abwertung 1936 gemeinsam mit Belgien und den Niederlanden dem Dreimächteabkommen zwischen den USA, Grossbritannien und Frankreich zur Stabilisierung der Währungen bei. Der 2. Weltkrieg erschütterte das internat. Finanzsystem und die Alliierten etablierten bereits 1944 in Bretton Woods ein neues System, das auf der Bindung der Währungen an den US-Dollar basierte. Nach dem 2. Weltkrieg behielten nur noch die USA bis 1968 und die Schweiz eine Golddeckungspflicht für die Notengeldmenge aufrecht. Die Schweiz. Nationalbank hatte sich in der Nachkriegszeit gegen eine Demonetisierung des Goldes gewendet, was sie auch zu einer skept. Haltung gegenüber der Politik des Internat. Währungsfonds veranlasste. Gold verlor erst beim Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems seine Bedeutung als Basis des internat. Währungssystems. 1999 beschloss der schweiz. Gesetzgeber, die Goldbindung des Frankens aufzuheben.

Autorin/Autor: Martin Kloter

Quellen und Literatur

Quellen
Amtl. Slg. 1872, 1905, 1953, 1954, 1971, 2000
Literatur
– E. Ruoss, Die Geldpolitik der Schweiz. Nationalbank 1907-1929, 1992, (mit Bibl.)
The Gold Standard in Theory and History, hg. von B. Eichengreen, M. Flandreau, 21997