Wangen-Brüttisellen

Polit. Gem. ZH, Bez. Uster, welche die Dörfer Wangen und Brüttisellen am Rand der Glattalebene umfasst. 1207 Britisseldon, 1242 Wangen apud Glatto, bis 1975 Wangen. 1467 ca. 105 Einw.; 1634 217; 1762 538; 1836 812; 1850 780; 1900 1'188; 1910 1'460; 1950 1'780; 1970 3'692; 2000 5'978. Hallstattzeitl. Grabhügel im Wieslistein. Die Neu-Rapperswiler übertrugen der Kommende Bubikon in deren Gründungsphase 1194-98 Güter in Wangen. Die Kommende übernahm vor 1326 die niederen Gerichte über Wangen und Hermikon (Gem. Dübendorf) von den Habsburgern. 1618 verkaufte sie die Gerichtsherrschaft Wangen der Stadt Zürich, die diese 1631 als niedergerichtlich selbstständigen Teil der Landvogtei Kyburg angliederte. Brüttisellen, das in der 1. Hälfte des 13. Jh. Sitz eines Freiherrengeschlechts gewesen war, wurde dem Unteramt der gleichen Landvogtei angeschlossen. Das Hochgericht über beide Dörfer kam über die Kyburger und Habsburger 1424 bzw. 1452 an Zürich. Die um 1100 erbaute Kirche in Wangen (erw. 1326) war Maria oder Verena geweiht. Im 14. Jh. besass die Kommende Bubikon den Kirchensatz, den sie ebenfalls 1618 Zürich abtrat. Ab dem HochMA gehörte auch Brüttisellen zur Pfarrei. 1874-76 wurde die Kirche in Wangen neu erstellt. Die Zelgen lagen erhöht auf einer Moränenstufe; das Allmendland befand sich in der versumpften Talebene, wo im 18. und 19. Jh. Torf als Heizmaterial abgebaut wurde. Im 18. Jh. verbreitete sich die Baumwollheimindustrie in Wangen (1787 ca. 90 Spinner, 47 Weber). 1798 entstand im Gebiet der Pfarrei die polit. Gemeinde, die zuerst zum Distrikt Bassersdorf, 1803 zum Bez. Bülach, 1814 zum Oberamt Greifensee und 1831 schliesslich zum Bez. Uster kam. Aus den Dorfschaften entwickelten sich die Zivilgemeinden Wangen (1970 aufgelöst) und Brüttisellen (2009 aufgelöst). Um 1830 wurden in Wangen zwei Kleinspinnereien gegründet, die Caspar Appenzeller 1856-57 in eine Seidenzwirnerei und eine Mädchenerziehungsanstalt umwandelte. 1874 richtete er in Brüttisellen auch ein Knabenheim ein. Die 1841 angelegte Hauptstrasse Zürich-Winterthur und die Bahnlinie der Nordostbahn mit der 1865 eingerichteten Haltestelle in Dietlikon förderten die Entwicklung Brüttisellens. Die dort in den 1890er Jahren erstellte Schuhfabrik Walder wurde zur grössten Arbeitgeberin der Region und machte die lockere Hofsiedlung zu einem Arbeiterdorf; 1930 waren 64% der in der Gem. wohnhaften Erwerbstätigen im 2. Sektor beschäftigt. Der 1910 z.T. auf Gemeindegebiet angelegte Flugplatz Dübendorf löste in Wangen keine baul. Entwicklung aus. In den 1960er Jahren wurde Brüttisellen Teil der Agglomeration Zürich-Nord, während in Wangen Einfamilienhäuser entstanden. Seit 1974 besteht der Anschluss an die Autobahn A1 in Brüttisellen, wo auch die Oberlandautobahn A53 abzweigt. Wegen des starken Wachstums Brüttisellens wurde die Verwaltung 1959 dorthin verlegt sowie die Gem. 1976 von Wangen in W. umbenannt.


Literatur
– H. Walder-Appenzeller, Caspar Appenzeller, 1903
Kdm ZH 3, 1978, 583-605

Autorin/Autor: Ueli Müller