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Batzen

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Vom 16. Jh. bis 1850 v.a. in der westl. Schweiz (Bern, Solothurn, Freiburg) verbreitete und in Billon (B., Halbbatzen) oder Silber (div. Mehrfache) geprägte Münzeinheit (Münzen). Der Name "Rollenbatzen", später B., entstand vermutlich als Schimpfname ("Dreckklumpen"). In Bern wurde er gemäss Valerius Anshelm als "bätzen" für Bär gedeutet. Im Zuge einer Münzreform prägte Bern 1492 in Absprache mit Solothurn einen Doppelplappart, der im Wert (2 Plappart, 4 Kreuzer, 32 Haller) zwischen den Klein- und Grossmünzen (Silber, Gold) lag und internat. Anschluss an vier versch. Münzsysteme hatte. Als B. verbreitete er sich deshalb rasch über die heutige Schweiz, Süddeutschland, das Oberrheingebiet, die Pfalz, Österreich und Oberitalien. Der B. war als Münze des tägl. Zahlungsverkehrs ebenso beliebt wie wegen inflator. Nachprägungen (z.B. in Italien) und Abwertung heftig umstritten. Im Bernbiet wurde er vorerst abgelehnt, weil seine Prägung mit einer Abwertung um 21% verbunden war.

Zwar wurde die Prägung von B. in Süddeutschland 1535-36 eingestellt, und in der Ostschweiz verdrängten Groschen den B. teilweise, doch war er von der Innerschweiz bis ins Wallis und von Basel bis Neuenburg verbreitet. In den währungsmässig liierten eidg. Orten Bern, Solothurn und Freiburg verdrängte der B. die Rechnungswährung Pfund im Zahlungsverkehr. Er gliederte sich in versch. Münzsysteme ein, wobei in diesem Raum das Rechnen in Kronen, B. und Kreuzern Vorrang genoss. Die Helvet. Republik übernahm den B. in ihre Einheitswährung als 1/10 des Frankens, geprägt nach dem bern. Münzfuss. Zwar ging das Münzregal 1803 wieder an die Kantone, doch behielten die meisten Kantone mit dem Franken den B. bei. Erst das eidg. Münzgesetz von 1850, das auf dem franz. Münzfuss basierte, verzichtete auf ihn. Nach dem Rückruf und Einschmelzen der alten Münzen wurde der B. zum Sammlerobjekt. Übertragen auf das 10-Rappen-Stück und allgemein auf Geld, ist er von den alten Münznamen der (Deutsch-)Schweiz bis heute am bekanntesten geblieben.


Quellen
Idiotikon 5, 1964-1976
Literatur
– H.-U. Geiger, Der Beginn der Gold- und Dickmünzenprägung in Bern, 1968
– H.-U. Geiger, «Entstehung und Ausbreitung des B.s», in Schweiz. numismat. Rundschau 51, 1972, 145-154

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler