Schilling

Der Name S. (franz. sou oder sol, ital. soldo) bezeichnet eine vielfältige Gruppe spätma. und neuzeitl. Silber- und Billonmünzen unterschiedl. Gewichts- und Wertstufen. Der S. geht auf den Solidus, die spätröm. Hauptgoldmünze im Gewicht von 1/72 röm. Pfund, zurück. Im FrühMA ahmten versch. germanische Reiche den byzantin. Solidus und sein Drittel-Teilstück, den Triens, nach. Mit dem Übergang von der Gold- zur Silberprägung im Merowingerreich in der 2. Hälfte des 7. Jh. wurde der goldene Solidus bzw. Triens zusehends durch den Silberdenar ersetzt. Der S. wurde fortan zur nicht mehr ausgeprägten, reinen Zähleinheit. Spätestens ab der Münzreform Karls des Grossen 793/794 galten 12 geprägte Silberpfennige (Pfennig) als ein S. und 20 S. als ein Pfund. Erst 1266 wurde mit dem Gros tournois in Frankreich erstmals wieder eine Silbermünze im Wert von 12 deniers tournois, einem S., geprägt. In der Folge entwickelte sich der S. rasch zu einer weitverbreiteten Silbermünze. Im Schweizer Geldumlauf des 14. und 15. Jh. deckten zunächst, mangels einheim. Schillingnominalen, v.a. Mailänder Grossi und Pegioni (Groschen) die Wertstufe des S.s ab. Erste eigenständige Schillingprägungen von nennenswertem Umfang entstanden ab 1375 mit dem Demi-Gros der Lausanner Bischöfe in der Westschweiz. Etwas verzögert setzte die Schillingprägung im grösseren Rahmen ebenfalls in der Deutschschweiz im frühen 15. Jh. ein, v.a. in Zürich, Bern und Basel. Um 1420 entwickelte sich aus dem S. der etwas höherwertige Plappart. Mit dem Übergang vom MA zur Neuzeit sank der S. zur geringwertigen Kleinmünze aus Billon ab. V.a. in der Innerschweiz, Zürich und Genf spielte der S. in der Neuzeit als Kleinnominal eine wichtige Rolle. In der Westschweiz prägte Genf noch bis 1833 S.e, während die letzten S.e der Deutschschweiz 1806-13 vom Kt. Glarus ausgegeben wurden. In Frankreich und der Westschweiz war die Bezeichnung sou (100 sous für 5 Fr., 4 sous für 20 Rp.) noch bis zur Mitte des 20. Jh. gebräuchlich.


Literatur
– R. Kunzmann, «Die schweiz. Schillingsmünzen», in Helvet. Münzenztg. 20, 1985, 194-202, 242-248, 290-296, 338-344

Autorin/Autor: Lorenzo Fedel