Pfund (Währung)

Das vom lat. pondus (= Gewicht) hergeleitete P., ursprünglich eine Gewichtseinheit, wandelte sich im FrühMA zur Recheneinheit zu 240 Pfennigen. Als solche blieb es bis zur Einführung des Frankens 1850 in der Schweiz in Gebrauch, v.a. für Vermögen und Liegenschaften (Geld). Das röm. P. zu 324,72 g bildete noch im FrühMA die Grundlage für das Münzwesen. Karl der Grosse erhöhte dessen Gewicht und legte in der Münzreform von 793/794 fest, dass aus einem P. Silber 240 Pfennige (Denare) geprägt werden sollten. Der Schilling, ursprünglich eine spätröm. bzw. byzantin. Goldmünze, galt nun als Zähleinheit im Wert von 12 Pfennigen. Somit entstand das karoling. Rechengeldsystem (1 P. = 20 Schillinge = 240 Pfennige), wobei während der folgenden rund 400 Jahre nur der Pfennig ausgeprägt wurde. Durch die allmähl. Verschlechterung der Pfennige ging die doppelte Funktion des P.s als Gewichts- und Zähleinheit bald verloren, die Zählweise mit P., Schilling und Pfennig verbreitete sich jedoch über das karoling. Reich hinaus nach Spanien, Italien und England. Der zur Karolingerzeit überall gleich ausgebrachte Pfennig erlebte an versch. Orten eine unterschiedlich starke Abwertung, so dass im HochMA lokale Währungen entstanden, die in den Quellen unterschieden werden mussten (etwa P. Zürcher Währung). Ab der Mitte des 14. Jh. entstanden in der Deutschschweiz neue Pfundwährungen, die entweder auf dem Angster oder Rappen als grossem oder aus dem Haller oder Stebler als kleinem Pfennig beruhten. So bestanden z.B. in Luzern im 15. und 16. Jh. versch. Pfundwährungen, und zwar das P. Haller und das P. Währschaft, wobei 1 P. Haller 1⅓ P. Währschaft entsprach. Mit dem Aufkommen grösserer Münzsorten mussten diese in die bestehenden Rechensysteme eingepasst werden. Die wichtigste spätma. Goldmünze, der Gulden, wurde gegen Ende des 15. Jh. seinerseits zur Recheneinheit, die in den meisten Orten der Eidgenossenschaft 2 P. entsprach.


Literatur
– M. Körner, Luzerner Staatsfinanzen 1415-1798, 1981, 44-58
Dictionnaire de numismatique, hg. von M. Amandry, 2001, 332f.

Autorin/Autor: Daniel Schmutz