21/11/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Eschenbach (SG)

Polit. Gem. SG, Region See-Gaster. Umfasst E., Bürg, Diemberg, Ermenswil, Länziken, Lütschbach und Neuhaus. 775 Esghibach, 829 Esgithorf. Rund um die urspr. kleinen Haufendörfer Einzelhöfe des hochma. Landesausbaus. 1611 610 Einw.; 1743 1'105; 1825 1'690; 1850 1'961; 1900 2'117; 1950 2'560; 2000 5'083.

Auf Chastli bei Bürg Siedlungsspuren der vorröm. und röm. Zeit. Auf Balmenrain zwischen E. und Schmerikon Hügelgräber mit Keramikgefässen, Bronze- und Eisengegenständen der Hallstattzeit. Im 8. und 9. Jh. erwarb das Kloster St. Gallen grundherrl. Rechte. 885 ist eine St. Michaelskirche erwähnt. Ab ca. 1200 gehörte E. zur Grafschaft Uznach, welche unter der Hoheit der Gf. von Toggenburg stand. Eine Burg der Ministerialen von Dienberg (13.-14. Jh.) ist bis anhin nicht nachgewiesen. Die Pfarrei E. umfasste auch das Dorf Schmerikon. 1309 schenkten die Gf. von Toggenburg das Kirchenpatronat (vermutlich seither Vinzenzpatrozinium) dem Kloster Rüti. 1327-28 wurde die Kirche dem Kloster inkorporiert, das in dieser Zeit schrittweise den Zehnten und einige Güter erwarb. Nach dem Aussterben der Gf. von Toggenburg ging die Grafschaft Uznach an die Herren von Raron (1436), danach an Schwyz und Glarus (1469-1798) über. Unter den sieben Gem. der Herrschaft war E. die bevölkerungsreichste.

Schon unter den Toggenburgern war der Status der Eigenleute weitgehend verschwunden. Die Bauern verfügten gemäss dem Freiheitsbrief von 1439 über Haus und Hof sowie gemeinsam über ihre Allmendgüter. Um 1500 löste sich Schmerikon von E. durch Gründung einer eigenen Pfarrei. In der Reformation verlor die Pfarrei E. mit der Aufhebung des Klosters Rüti (1524) durch Zürich den bisherigen Patronatsherrn. Die Glaubensspaltung zerstörte die engen familiären und wirtschaftl. Verbindungen mit dem angrenzenden Zürcher Oberland. Nach dem 2. Kappelerkrieg kam es zum Abtausch von Patronatsrechten zwischen Zürich und Rapperswil: 1537 verzichtete Rapperswil auf die Kirche Elgg, erhielt dafür Zehnten und Patronatsrecht von E., verkaufte diese aber noch im gleichen Jahr den Kirchgenossen von E. Seither verfügt die Gem. über eine selbstständige Kirchenverwaltung mit Pfarrwahl. In der barocken Frömmigkeitsbewegung des 17.-18. Jh. wurden die Furrer-Kapelle im Oberdorf (um 1700), St. Jakob in Neuhaus am Pilgerweg nach Einsiedeln (Erneuerung 1635, Neubau 1695-97), und die Domeisen-Kapelle (Familienstiftung 1740) gebaut oder restauriert.

Nach der Helvetik, während der E. zum Kt. Säntis gehörte, wurde es 1803 gegen den Willen der Einwohner in den neuen Kt. St. Gallen eingegliedert. Neben bäuerl. Mischwirtschaft mit überwiegendem Ackerbau entfaltete sich ein bescheidenes dörfl. Gewerbe. Die Industrialisierung setzte spät und eher zaghaft ein; ein Anschluss an das Bahnnetz erfolgte nicht. 1857 entstand die Weberei Aatal-Neuhaus, 1863 eine Spinnerei im Dorf, 1888 die Federnfabrik Baumann & Co. AG in Ermenswil (1990 grösster Betrieb der Gem. mit ca. 500 Mitarbeitern), 1961 die Buchbinderei Eibert AG und 1976 die Enviro-Chemie. Seit 1980 nimmt die Wohnbautätigkeit stark zu, der Pendlerstrom nach Jona, Rapperswil, Uznach, Wald und der Agglomeration Zürich wächst (2000 mehr als zur Hälfte Wegpendler). Von regionaler Bedeutung ist die Sekundarschule Oberer Seebez. (seit 1950), welcher die Gem. E., St. Gallenkappel und Goldingen angeschlossen sind.


Literatur
– J. Reck, 400 Jahre selbständige Pfarrei E. 1537-1937, 1938
– L. Kilger, «Die Anfänge der Gem. E.», in Heimatkunde vom Linthgebiet 1943, 33-48
– H. Kägi, A. Stadler, Gesch. von E., 1975

Autorin/Autor: Alois Stadler