• <b>Münzen</b><br>Berner Taler (Guldiner) von 1493. Silber, 42,1 mm, Vorderseite (Bernisches Historisches Museum) © Foto Stefan Rebsamen. Die Vorderseite zeigt den Berner Bär und den Reichsadler, umrahmt von den Vogteiwappen, die den Herrschaftsbereich der Stadt repräsentieren. Die Talerprägung wurde anlässlich der bernischen Münzreform von 1492 eingeführt und wirkte vorbildlich für die übrigen eidgenössischen Orte. Der Taler von 1493, ein Meisterwerk der spätgotischen Stempelschneidekunst, war vor allem eine Prestigeprägung, der wirtschaftlich keine Bedeutung zukam.
  • <b>Münzen</b><br>Berner Taler (Guldiner) von 1493. Silber, 42,1 mm, Rückseite  (Bernisches Historisches Museum) © Foto Stefan Rebsamen. Die Rückseite bildet den Stadtpatron, den heiligen Vinzenz, ab. Die Talerprägung wurde anlässlich der bernischen Münzreform von 1492 eingeführt und wirkte vorbildlich für die übrigen eidgenössischen Orte. Der Taler von 1493, ein Meisterwerk der spätgotischen Stempelschneidekunst, war vor allem eine Prestigeprägung, der wirtschaftlich keine Bedeutung zukam.
  • <b>Münzen</b><br>Hugues Darier: "Tableau du titre, poids et valeur des différentes monnaies d'or et d'argent, qui circulent dans le commerce", Genf 1807, Tafel 36, gestochen von  Pierre Escuyer (Schweizerische Nationalbibliothek). Das vom Genfer Münzprüfer verfasste und zusammen mit dem Kupferstecher Pierre Escuyer herausgegebene Handbuch verzeichnet die damals im Handel kursierenden europäischen Münzen. Die abgebildete Tafel zeigt zwei Münzen der Helvetischen Republik (40 Batzen und 4 Franken), einen Basler Taler und ein Solothurner 20-Batzenstück mit den jeweiligen Kantonswappen.

Münzen

Als Stücke aus Edel- oder anderem Metall waren M. während Jahrhunderten die wichtigste oder gar einzige Form des Geldes. Sie traten im Kleinasien des 6. Jh. v.Chr. auf und wurden dann in den Städten Griechenlands und deren Kolonien geprägt, so u.a. in Marseille. Banknoten - die Schweizerische Nationalbank (SNB) verfügt seit 1905 über das Monopol auf deren Ausgabe (Emission) - sowie seit dem ausgehenden 20. Jh. auch Plastikgeld haben die Geldstücke aus Metall zum Teil abgelöst.

1 - Latènezeit (3.-1. Jh. v.Chr.)

Die älteste in der Schweiz gefundene Münze ist eine Obole aus dem griech. Marseille, die auf dem Gräberfeld von Vevey in einem Grab von 250-200 v.Chr. entdeckt wurde. Vom 3. Jh. v.Chr. an wurde kelt. Geld in Nachahmung der Statere Philipps II. von Makedonien (Latènezeit) geprägt. Mehrere M. dieser Art stammen aus Gräbern der Ostschweiz (Horgen und Unterentfelden) von 200-150 v.Chr. Andere, die in der Westschweiz gefunden wurden, bezeugen eine jüngere Phase desselben makedon. Typs (Prägestempel aus Avenches). Von der Mitte des 2. Jh. v.Chr. an, als Rom seine Herrschaft bis zur Alpensüdseite ausdehnte, inspirierten röm. Geldstücke die kelt. Münzprägung. Der Quinar mit der Inschrift KALETEDV wurde nicht nur von den benachbarten Völkern (Lingonen, Sequaner) geprägt, sondern auch von den im Mittelland siedelnden Helvetiern (Stempel aus dem Oppidum auf dem Mont-Vully). Ähnlich verhält es sich mit den gegossenen Bronzestücken - sog. Potinmünzen - Typ "grosse tête", beeinflusst von M. aus Marseille (Mont-Vully, Basel), und denen vom Zürcher Typ mit Doppelanker (Zürich, Üetliberg). Diese M. gaben die Helvetier noch vor ihrem Aufbruch in die Saintonge und ihrer Niederlage bei Bibracte 58 v.Chr. aus. Nach dem Gall. Krieg wurden in der Region von Avenches, vielleicht im Oppidum von Bois de Châtel, Quinare mit der Inschrift VATICO hergestellt, zwischen dem südl. Neuenburgersee und dem Kt. Solothurn Quinare mit der Legende NINNO (Funde aus Basel, Balsthal, Bern-Enge, Yverdon-les-Bains, Gressy-Sermuz). Späte Nachprägungen der Drachme von Marseille entstanden im Wallis (Martigny, Gr. St. Bernhard).

Autorin/Autor: Anne Geiser / CSC

2 - Römische Zeit (1.-4. Jahrhundert)

Von Augustus' Herrschaft an wurden die röm. Münzsorten in Gold, Silber und Bronze geprägt. Das Verhältnis zwischen den versch. Einheiten änderte sich bis ins 3. Jh. kaum: 1 Aureus war 25 Denare wert, 1 Denar 4 Sesterzen, 1 Sesterze 2 Dupondii und 1 Dupondius 2 Asse. Die Bronzemünzen verloren gegenüber den Silberstücken an Wert, so dass Anfang des 3. Jh. der Doppeldenar in Umlauf gebracht wurde, den die Numismatiker als Antonian bezeichnen. Durch die Einführung neuer Münznominale reformierte Ks. Diokletian 295 das Münzsystem; und unter Konstantin dem Grossen wurde um 310 der Solidus eingeführt, eine Goldmünze, die ein stabiles Element des spätröm. Geldumlaufs bildete. Die kaiserl. Politik fand in den M. ein Mittel der Selbstdarstellung; der Aurei-Schatz aus Lousonna veranschaulicht beispielsweise die kaiserl. Propaganda der Antoniner (Schatzfunde). Vom 1. Jh. n.Chr. an waren M. von den Fundorten der heutigen Schweiz im Umlauf. Die Weiterverwendung älterer Münzen aus republikan. Zeit oder kelt. Provenienz spiegelt die Münzknappheit des 1. Jh. Mehrmals wurde die Prägung dezentralisiert (Münzstätten). Unter den Funden des 1. Jh. sind die Stücke aus den Münzstätten von Nîmes und Lyon stärker vertreten als M. aus Rom. Der Rückgang des Münzumlaufs ab Ende des 1. Jh. in Aquae Helveticae (Baden) und in Vitudurum (Oberwinterthur) zeigt, wie sehr diese Orte von der röm. Militärpräsenz in Vindonissa (Windisch) abhängig waren. Zu Beginn des 3. Jh. nahm der Münzumlauf in den meisten vici und villae des Mittellands ab. Mehrere Horte von Antoninianern sind ein Ergebnis der Alemanneneinfälle in der Mitte des 3. Jh. Die Münzumläufe machen deutlich, dass neben den offiziellen M. auch lokale Imitationen zirkulierten, die von Fälschern ausgegeben wurden und von bescheidenem Wert, Gewicht und Gepräge waren; die Fälscher profitierten möglicherweise von der Milde der Magistraten. Die Münzdepots in Peney, im spätantiken Refugium von Châtel-Arruffens sowie in Augst sind die letzten der Kaiserzeit in der Westschweiz. Unter ihnen finden sich M. mit den Namen der Ks. Honorius und Arcadius sowie der Usurpatoren Konstantin III. und Jovinus.

Autorin/Autor: Anne Geiser / CSC

3 - Frühmittelalter (5.-9. Jahrhundert)

Die Könige der Burgunder, Wisigoten und Ostrogoten prägten weiterhin M. nach den Vorbildern des byzantin. Reichs. Um 540 schuf der Frankenkg. Theudebert I. Titulatur und Bildnis des Kaisers ab. Dieser Bruch markierte den Beginn der merowing. M., die im Namen von Münzmeistern geschlagen wurden. Die ältesten in der Schweiz geprägten Trienten oder Tremisses, die einem Drittelsolidus entsprachen, wurden von Lausanne und Sitten zur Zeit des Kg. Gunthram (561-592) ausgegeben. Dieselben Münzstätten, zudem jene von Genf, Saint-Maurice d'Agaune, Avenches, Windisch, Zürich und Basel prägten dann bis in die Mitte des 7. Jh. Tremisses. Ende des 7. Jh. hatte man die Herstellung von Goldmünzen anscheinend aufgegeben. Ausserhalb der Schweiz geprägte Silberdenare waren ebenfalls im Umlauf.

Die karoling. Prägung von Silbermünzen umfasste den Pfennig und den Obol. Ab der Mitte des 8. Jh. beschränkte Pippin der Jüngere die Zahl der Münzstätten und führte das Regalrecht sowie auf den M. den Königsnamen wieder ein. Karl der Grosse zentralisierte die Münzprägung. 794 legte er den Kurs des Pfennigs fest und setzte den Wert von einem Pfund Silber auf 20 Schilling und den Schilling auf 12 Pfennige an. In der Schweiz war dieses Währungssystem bis 1850 in Gebrauch. Karoling. Pfennige wurden in Genf im Namen Pippins des Jüngeren und Karls des Grossen geprägt, in Saint-Maurice im Namen Ludwigs des Frommen, in Orbe von Konrad I. von Burgund, in Basel von Pippin dem Jüngeren und Ludwig dem Deutschen, in Zürich von Ludwig dem Kind; in Chur wurden ferner im Namen Karls des Grossen Goldmünzen und von Ludwig dem Frommen und Karl dem Einfältigen Pfennige geprägt. Auf dem Weg zum Gr. St. Bernhard bezeugen ein Depot von fünf Pfennigen in La Tour-de-Peilz und eines von zehn Pfennigen in Lausanne (Bel-Air) die Anfänge des Pfennigumlaufs in unserer Region. Der bedeutendste Fund von Pfennigen Karls des Grossen in der Schweiz ist der Münzhort von Ilanz.

Autorin/Autor: Anne Geiser / CSC

4 - Vom Hoch- bis ins Spätmittelalter (9.-14. Jahrhundert)

Von der Herrschaft Ludwigs des Frommen an führte die Verleihung zahlreicher Münzprägerechte an Bischöfe erneut zu einer Fragmentierung des Münzwesens. Die Regionalmächte, die Nutzniesser dieser Entwicklung, eigneten sich Schritt für Schritt die Münzstätten an, die sie im Namen des Herrschers verwalteten. Vom 11. Jh. an wurden in der Westschweiz nach einer Vorlage aus der Zeit Ludwigs des Frommen Pfennige mit Tempelmotiv geschlagen. Die Bf. von Lausanne (ab 1011), Genf (ab 1020) und Basel (ab 999) sowie die Abtei Saint-Maurice hatten das Recht der Münzprägung von Kg. Rudolf III. von Burgund erhalten. Hzg. Hermann von Schwaben liess in Zürich unter seinem Namen Pfennige und Obole schlagen. Die Kaiser taten dasselbe in Zürich und Chur. Im 11. Jh. wurden in der Nord- und Ostschweiz wie in Süddeutschland Pfennige von grossem Durchmesser und sog. Dünnpfennige oder Halbbrakteaten hergestellt. Die Emissionen des Bf. von Konstanz und des Fraumünsterstifts in Zürich spielten von der Mitte des 11. bis ins 13. Jh. eine wichtige Rolle. Bekannt sind auch Halbbrakteaten der Abtei St. Gallen und der Klöster Schaffhausen und Reichenau. In den schwäb. Ländern, am Bodensee und am Mittelrhein wurden im 13. und 14. Jh. Brakteaten ausgegeben (u.a. von Basel, dem Fraumünsterstift Zürich, dem Kloster Schaffhausen und der Abtei St. Gallen). Einige dieser Gemeinwesen schlossen sich im Rappenmünzbund zusammen (Münzvereine und Münzkonkordate). Mehrere Funde des 13. und 14. Jh. bezeugen den regionalen Umlauf dieser Geldstücke.

Autorin/Autor: Anne Geiser / CSC

5 - Vom Spätmittelalter bis zum Ende der frühen Neuzeit (14.-18. Jahrhundert)

Im 13. Jh. forderte der europaweit wachsende Handel die Emission grosser Münzstücke. Gold (florentin. Gulden, venezian. Dukat) und Silber (Mailänder Groschen) verbreiteten sich in ganz Europa, wo diese Geldwerte nachgeahmt wurden. Mehrere aus solchen Münzen bestehende Horte, die zwischen dem ausgehenden 13. und dem 15. Jh. vergraben wurden, spiegeln die Bedeutung der Alpen im Herzen Europas. Die Gemeinwesen auf dem Gebiet der Schweiz diversifizierten ihre Münzemissionen ebenfalls, indem sie Goldmünzen oder dicke Silbermünzen prägten.

Die Gf. bzw. Hzg. von Savoyen, die Stadt Genf, die Fürstbf. von Lausanne und Sitten sowie die Fürstäbte von St. Gallen gaben Silbermünzen aus (Groschen, Taler, Dicken, Plappart), seltener auch Goldmünzen. Im 14. und 16. Jh. verlieh der Fürstbf. von Chur sein Münzrecht dem Gotteshausbund. Die eidg. Orte prägten ähnl. Münzwerte, zu denen allerdings noch Krone, Pistole und Batzen hinzukamen.

Dieses reiche und vielfältige Münzwesen blieb bis 1798 erhalten. Auf die M. wurden Sinnsprüche und Schutzpatrone graviert, z.B. Maria auf manchen M. der Bistümer Lausanne, Sitten, Basel und Chur sowie des Kt. Schwyz, Petrus in Genf und Bern, Fridolin in Glarus, Niklaus von Flüe in Obwalden, Ursus in Solothurn oder Nikolaus in Freiburg. Andere M. zeigen die Wappen des Kantons; so tragen etwa Zürcher M. das Kantonswappen, M. aus Appenzell Ausserrhoden und Bern einen Bären.

<b>Münzen</b><br>Berner Taler (Guldiner) von 1493. Silber, 42,1 mm, Vorderseite (Bernisches Historisches Museum) © Foto Stefan Rebsamen.<BR/>Die Vorderseite zeigt den Berner Bär und den Reichsadler, umrahmt von den Vogteiwappen, die den Herrschaftsbereich der Stadt repräsentieren. Die Talerprägung wurde anlässlich der bernischen Münzreform von 1492 eingeführt und wirkte vorbildlich für die übrigen eidgenössischen Orte. Der Taler von 1493, ein Meisterwerk der spätgotischen Stempelschneidekunst, war vor allem eine Prestigeprägung, der wirtschaftlich keine Bedeutung zukam.<BR/>
Berner Taler (Guldiner) von 1493. Silber, 42,1 mm, Vorderseite (Bernisches Historisches Museum) © Foto Stefan Rebsamen.
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<b>Münzen</b><br>Berner Taler (Guldiner) von 1493. Silber, 42,1 mm, Rückseite  (Bernisches Historisches Museum) © Foto Stefan Rebsamen.<BR/>Die Rückseite bildet den Stadtpatron, den heiligen Vinzenz, ab. Die Talerprägung wurde anlässlich der bernischen Münzreform von 1492 eingeführt und wirkte vorbildlich für die übrigen eidgenössischen Orte. Der Taler von 1493, ein Meisterwerk der spätgotischen Stempelschneidekunst, war vor allem eine Prestigeprägung, der wirtschaftlich keine Bedeutung zukam.<BR/>
Berner Taler (Guldiner) von 1493. Silber, 42,1 mm, Rückseite (Bernisches Historisches Museum) © Foto Stefan Rebsamen.
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Autorin/Autor: Anne Geiser / CSC

6 - Erste Hälfte des 19. Jahrhunderts

In der Zeit der Helvetik (1798-1803) ging das Münzrecht an den Zentralstaat über. Bereits 1798 wurde die Emission von M. beschlossen. Grundeinheit des Systems, das sich noch nicht durchsetzen sollte, war der Schweizer Franken zu 10 Batzen oder 100 Rappen. Das Münzsystem bestand aus 4-, 2- und 1-Frankenmünzen denen 40, 20 und 10 Batzen entsprachen, ferner aus 5 und 1½ Batzen, aus Kreuzern (= 2½ Rappen) und aus Rappen. Ausserdem wurden Golddublonen von 32 und 16 Franken geschlagen. Die Vorderseite (Avers) weist die Legende "Helvetische Republik" sowie das Ausgabejahr auf, die Gold- und Silbermünzen zeigen zudem einen Soldaten mit der Fahne der Helvet. Republik in der Hand. Auf der Rückseite (Revers) erscheint der Nennwert des Stücks sowie das Zeichen der jeweiligen Münzstätte (B für Bern, BA für Basel oder S für Solothurn).

<b>Münzen</b><br>Hugues Darier: "Tableau du titre, poids et valeur des différentes monnaies d'or et d'argent, qui circulent dans le commerce", Genf 1807, Tafel 36, gestochen von  Pierre Escuyer (Schweizerische Nationalbibliothek).<BR/>Das vom Genfer Münzprüfer verfasste und zusammen mit dem Kupferstecher Pierre Escuyer herausgegebene Handbuch verzeichnet die damals im Handel kursierenden europäischen Münzen. Die abgebildete Tafel zeigt zwei Münzen der Helvetischen Republik (40 Batzen und 4 Franken), einen Basler Taler und ein Solothurner 20-Batzenstück mit den jeweiligen Kantonswappen.<BR/><BR/>
Hugues Darier: "Tableau du titre, poids et valeur des différentes monnaies d'or et d'argent, qui circulent dans le commerce", Genf 1807, Tafel 36, gestochen von Pierre Escuyer (Schweizerische Nationalbibliothek).
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Die Mediationsakte überantwortete die Münzhoheit wieder den Schweizer Kantonen. Neue wie alte Kantone sollten bei der Prägung allerdings einen einheitl. Münzfuss verwenden, der sich am Schweizer Franken von 6,75 g zu orientieren hatte. Einige wenige Dukaten und Golddublonen wurden zwischen 1807 und 1844 von den Kt. Zürich, Bern, Luzern, Schwyz, Solothurn und Graubünden hergestellt. Zürich, Bern, Luzern, Freiburg, Solothurn, Appenzell Ausserrhoden, Aargau, Tessin und die Waadt prägten Taler und Untereinheiten von 4 Franken. Uri, Schwyz, Ob- und Nidwalden, Glarus, Basel, St. Gallen und Graubünden schlugen nur kleine Währungseinheiten (10 Batzen oder weniger). Alle Kantone gaben Batzen und Untereinheiten in Billon aus. Auf einer Seite prägten sie ihre Wappen und ihre Sinnsprüche ein. Auf der anderen Seite der Taler von Luzern, Freiburg, Solothurn, Appenzell, Aargau, Tessin und der Waadt umrahmt die Legende "Schweizerische Eidgenossenschaft" oder "Confédération suisse" den Schweizer Soldaten auf den M. aus der Zeit der Helvetik. Die Bezeichnung "Schweizer" begleitet die Aufschrift des Frankens und des Batzens von Schaffhausen, Appenzell, St. Gallen, Graubünden, Aargau und Thurgau.

1825 vereinigten sich die Kt. Bern, Freiburg, Solothurn, Basel, Aargau und Waadt zu einem Münzkonkordat und verriefen die Billon-Münzen der 16 anderen Kantone. Sie schlugen Batzen und Kreuzer in Billon mit den Wappen und Sinnsprüchen der Kantone auf der Vorderseite und der Umschrift "Concord Cantone der Schweiz" um ein Schweizerkreuz auf der Rückseite. Bern (zwischen 1816 und 1819) und die Waadt (1830) liessen den Umlauf der französ. Krone (écu) von 6 Pfund Silber zu, die sie mit kant. Entsprechungen im Wert von 40 oder 39 Batzen ergänzten. Die M. des Fürstentums und Kt. Neuenburg trugen nach wie vor Namen und Bildnis des Fürsten.

Autorin/Autor: Anne Geiser / CSC

7 - Nach 1848

Zu Beginn des 19. Jh. waren in der Schweiz 860 unterschiedl. Münzensorten in Umlauf, die von 79 versch. Behörden ausgegeben worden waren. Um dieses Wirrwarr zu beenden, verlieh die Bundesverfassung von 1848 dem Bund das alleinige Recht, M. zu prägen. Das Münzgesetz von 1850 etablierte den Schweizer Franken als einheitl. Münze. Gemäss diesem wurden Silberstücke zu 5, 2, 1 und ½ Franken, Billon-M. zu 20, 10 und 5 Rappen sowie Kupferstücke zu 2 und 1 Rappen geprägt. Das System ist zu Beginn des 21. Jh. nach wie vor in Kraft. Allerdings wurde das Silber 1967 durch Kupfernickel ersetzt und die 2-Rappenstücke wurden 1975 abgeschafft. 1850 entschied man nach der Prüfung mehrerer Entwürfe, auf der einen Seite der 5-, 2-, 1- und ½-Frankenstücke die sitzende, von Antoine Bovy gravierte Helvetia (Allegorie) abzubilden und auf deren andern den Nennwert und das Ausgabedatum anzugeben.

Die Mitgliedschaft der Schweiz in der 1865 gegr. Lateinischen Münzunion führte ab 1873 zur Emission von 20- und 10-Frankenstücken in Gold, die auf der Vorderseite eine sitzende Helvetia aufwiesen. Das Vreneli, ein 20-Frankenstück in Gold, wurde zwischen 1897 und 1949 geprägt. Nach 1874 wurde auf den 2-, 1- und ½-Frankenstücken die sitzende durch eine stehende Helvetia ersetzt, welche 22 die Kantone symbolisierende Sterne umgaben. Die Figur geht auf Albert Walch zurück, der auch die Helvetiabüste auf den 20-, 10- und 5-Rappenstücken entwarf. Diese Rappenstücke waren noch Anfang des 21. Jh. in Umlauf. Die Edelmetallknappheit während des 1. Weltkriegs zog in manchen Ländern der Lat. Münzunion eine Münzentwertung nach sich, welche die Schweiz dazu bewegte, den Vertrag 1926 aufzukündigen.

2007 waren in der Schweiz 4,1 Mrd. Geldstücke mit einem Gesamtgewicht von rund 16'000 Tonnen und einem Wert von 2,3 Mrd. Franken im Umlauf. Die 10-Rappenmünze ist das häufigste Stück (882 Mio. Einheiten). Jedes Jahr prägt die Schweiz. Nationalbank neue M., um die abgenutzten zu ersetzen.

Autorin/Autor: Anne Geiser / CSC

8 - Die Numismatik in der Schweiz

Seit Jahrhunderten betrieben, gewann die Numismatik als Kunde von M. und Medaillen unter dem Einfluss ital. Humanisten an Bedeutung. Eine der ältesten Sammlungen Europas geht auf Bonifacius Amerbach zurück, der damit die Basis des Hist. Museums Basel legte. Klöster wie diejenigen von St. Gallen oder Einsiedeln besitzen ebenfalls grosse Sammlungen. Die St. Galler Sammlung begründete Abt Joseph von Rudolphi (1717-40). Auch einzelne Schweizer Numismatiker taten sich hervor; der Berner Andreas Morell beispielsweise wurde 1680 nach Versailles berufen, um das königl. Münzkabinett zu inventarisieren.

Das 1892 gegr. Schweiz. Landesmuseum in Zürich umfasst ein Münzkabinett, das die Schweizer M. betreut. Einzelne Sammlungen wurden den Kantonsbibliotheken oder ab dem 17. Jh. auch den ref. Akademien (z.B. die Sammlung von Gottlieb Emanuel von Haller in Bern) übergeben. Die meisten Münzkabinette entstanden allerdings im 19. Jh., so diejenigen von Genf (mit der Sammlung von Frédéric Soret), Lausanne (mit den Nachlässen von Louis Levade und Arnold Morel-Fatio), Freiburg (1823), Sitten (1829) und Neuenburg (1840, Sammlung des Gf. de Pourtalès). Das Münzkabinett Winterthur verfügt über 80'000 Gipsabgüsse griech. M. von Friedrich Imhoof. Das Rhät. Museum in Chur (1872) besitzt ebenfalls eine bedeutende Numismatikabteilung.

Auf Initiative des Freiburgers Anton-Ulrich Henseler und des Lausanners Charles-François Trachsel wurde 1879 die Schweiz. Numismat. Gesellschaft gegründet. 1882 erschien das "Bulletin de la Société suisse de numismatique", 1891 die "Schweiz. Numismat. Rundschau" unter der Leitung von Paul Stroehlin. 1949 redigierte Herbert Cahn die erste Ausgabe der "Schweizer Münzblätter". Unter der Leitung von Colin Martin entstand 1959 der "Schweiz. Münzkatalog" und 1977 die monograf. Reihe "Typos". Diese Veröffentlichungen spielen in der internat. Numismatik eine bedeutende Rolle. Seit 1992 schliesslich besteht das Inventar der Fundmünzen der Schweiz, eine Einrichtung, die mit den Universitäten zusammenarbeitet. Die Univ. Basel, Zürich und Lausanne bieten Veranstaltungen in Numismatik an, oftmals in Verbindung mit den Lehrstühlen für Alte Geschichte.

Autorin/Autor: Anne Geiser / CSC

Quellen und Literatur

Literatur
Schweiz. Münzkat. 1-7, 1959-1972
– J.-P. Divo, Die M. der Schweiz im 19. und 20. Jh., 1967 (21969)
– J.-P. Divo, Die M. der Schweiz im 18. Jh., 1974
– J.-P. Divo, Die M. der Schweiz im 17. Jh., 1987
– H.-U. Geiger, «Schweiz», in A Survey of Numismatic Research 1990-1995, hg. von C. Morrisson et al., 1997, 441-445
– M. Peter, «Röm. Numismatik in der Schweiz 1972-1997», in Schweizer Münzbl., 48, 1998, 2-8
– A. Geiser, (Diss. in Vorb.)

Autorin/Autor: Anne Geiser / CSC