• Quelle: Angaben von Daniel Schmutz, BHM  ©  1999 HLS und Kohli Kartografie, Bern.

Münzstätten

M. sind Werkstätten bzw. industrielle Betriebe zur Herstellung von Münzen. Sie standen in der Regel unter der Leitung eines Münzmeisters, der mit Hilfe von Gesellen im Auftrag einer Münzherrschaft prägte (Münzprägung).

Kelt. Münzen wurden im Gebiet der Schweiz wahrscheinlich vom 2. Jh. v.Chr. an geprägt. Für die kelt. Zeit werden M. z.B. in Altenburg-Rheinau, auf dem Üetliberg, auf dem Mont Vully und in Aventicum (?) vermutet. Die Zuweisung einzelner Münzen zu bestimmten M. ist jedoch problematisch. In röm. Zeit ist eine Falschmünzerwerkstatt in Augusta Raurica fassbar. Die frühesten ma. M. waren in merowing. Zeit tätig (Genf, Lausanne, Avenches, Saint-Maurice, Sitten, Basel, Windisch). Nach einer Lücke von mehr als hundert Jahren setzte eine Prägetätigkeit mit Karl dem Grossen wieder ein. Die wenigen karoling. Emissionen stammen aus den königl. M. Genf, Chur, Basel und Zürich, evtl. auch aus Saint-Maurice und Orbe. In otton. Zeit münzten die dt. Kg. in Chur sowie in Zürich, hier gemeinsam mit den Hzg. von Schwaben. Das Zweite Königreich Burgund prägte in Basel, Orbe und kurzzeitig auch in Zürich. Im Lauf des 11. Jh. gingen sämtl. M. an geistl. Herrschaften über. M. betrieben nun die Bf. von Genf, Lausanne, Chur und Basel sowie die Abteien Fraumünster in Zürich, St. Gallen, Allerheiligen in Schaffhausen und Saint-Maurice.

Im SpätMA vermochten sich die Städte Basel, Zürich, St. Gallen und Schaffhausen im Münzwesen zunehmend gegen ihre geistl. Stadtherrschaft durchzusetzen. Als weitere Städte begannen im 13. Jh. Bern und Solothurn, im 15. Jh. Freiburg und Luzern zu prägen. Vom 13. Jh. an eröffneten Adelsherrschaften eigene M., so die Gf. von Kyburg (Diessenhofen) und Neu-Kyburg (Burgdorf, Wangen an der Aare), die Gf. von Toggenburg, die Gf. von Frohburg (Zofingen), die Gf. von Habsburg-Laufenburg (Laufenburg, Rheinau), die Gf. von Neuenburg und die Gf. bzw. Hzg. von Savoyen (Nyon, Saint-Maurice, später Cornavin-Genf). In Basel liessen die dt. Kg. 1429-1516 in einer eigenen Münzstätte Goldgulden herstellen.

Zwischen 1500 und 1798 unterhielten alle dreizehn eidg. Orte (ausser Appenzell Ausserrhoden) eigene M. Einen Sonderfall stellt die von Uri, Schwyz und Nidwalden zuerst in Bellinzona, ab 1548 in Altdorf (UR) gemeinsam betriebene Münzstätte dar. Von den zugewandten Orten münzten der Fürstbf. von Basel (nacheinander in Saint-Ursanne, Delsberg und Pruntrut), der Bf. von Sitten und die Republik Wallis (in Sitten), die Stadt und die Fürstabtei St. Gallen, das Fürstentum Neuenburg und die Stadtrepublik Genf. Eine hohe Dichte an M. wies Graubünden auf. Hier prägten das Bistum und die Stadt Chur sowie der Gotteshausbund (alle drei in Chur), die Abtei Disentis (Disentis, später Bonaduz), die Grafschaft Misox (Roveredo GR), die Herrschaft Haldenstein und die Freiherrschaft Reichenau. Einzelne Prägungen stammen von lokalen Adelsherrschaften wie der Baronie Franquemont und der Grafschaft Greyerz. Die Emissionen der kleineren Münzherrschaften blieben oft nur Episoden. Als einzige Münzstätte war Basel ohne längere Unterbrechungen in Betrieb.

Im 18. Jh. wurden zunehmend Aufträge an private Münzpächter vergeben, die in eigenen Werkstätten produzierten. So wurden Schwyzer Münzen in Bäch und Seewen geprägt, Zuger Münzen in Baar, Cham und Freiburg i.Br. Die Abteien Rheinau, Muri, Einsiedeln und Fischingen liessen im 18. Jh. auswärts Goldmünzen für Repräsentationszwecke herstellen.

In der Helvet. Republik wurde das Münzwesen zentralisiert und die Prägung auf die M. Basel, Solothurn und Bern beschränkt. Zwischen 1803 und 1848 gaben alle Kantone ausser dem Wallis und Appenzell Innerrhoden Münzen aus, wobei die M. der grösseren Kantone die Münzprägung der kleineren übernahmen. 1850 wurde das Münzwesen der Schweiz vereinheitlicht, 1853 die Eidg. Münzstätte in Bern eingerichtet. Zur Überbrückung von Engpässen wurden mehrmals Bundesmünzen im Ausland hergestellt, letztmals 1968 in London.

Quelle: Angaben von Daniel Schmutz, BHM  ©  1999 HLS und Kohli Kartografie, Bern.<BR/>
Die Münzstätten vor 1848


Literatur
– U. Friedländer, «Münzwesen der Schweiz bis 1850», in Hb. des Geld-, Bank- und Börsenwesens der Schweiz, 41987, 491-495

Autorin/Autor: Daniel Schmutz