Schänis (Gemeinde)

Polit. Gem. SG, Region See-Gaster, umfasst S. und die Ortsgem. Maseltrangen, Dorf, Rufi und Rütiberg auf Anschwemmterrassen am Rand der Linthebene und Alpen im Gebiet des Speers. 972 Skennines. S. war bis 1798 Hauptort (Amtshaus, Landsgemeindeort) der Herrschaft Gaster. 1830 1'745 Einw.; 1850 1'917; 1900 1'876; 1950 2'223; 2000 3'573.

Auf dem Gasterholz von einer latènezeitl. Kulturschicht überlagerte Siedlungsspuren der Hallstattzeit. Aus röm. Zeit Wachtturm auf dem Biberlikopf, evtl. Talsperre bei Maseltrangen. Die Geschichte des Dorfs ist eng mit jener des gleichnamigen Damenstifts verknüpft, das vom HochMA bis zum Ende des 18. Jh. im Gaster grundherrl. Rechte ausübte. Die hohe Gerichtsbarkeit lag nacheinander bei den Gf. von Lenzburg, Kyburg und Habsburg; sie ging 1438 an Schwyz und Glarus über. Die Burg Nieder-Windegg war bis 1438 Sitz des jeweiligen Ammanns und zerfiel danach (heute Ruine). Die fünf aus spätma. Genossenschaften entstandenen Ortsgemeinden schlossen sich 1798 zur polit. Gem. S. zusammen, die 1803 in den neuen Kt. St. Gallen eingegliedert wurde. 1831-2002 war S. Hauptort des Bez. Gaster. 1847 siegte an der Bezirksgemeinde in S. die liberale Partei; die dadurch erzielte Mehrheit im Gr. Rat liess St. Gallen zum "Schicksalskanton" im Sonderbundskrieg werden.

An der 1859 eröffneten Bahnlinie Rapperswil-Glarus erhielt S. eine Station und den Knotenpunkt Ziegelbrücke. Die 1824 zwischen Rufi und Maseltrangen im Cholloch gefundene Braunkohle wurde v.a. während der beiden Weltkriege abgebaut. Vieh- und Alpwirtschaft spielten traditionell eine grosse Rolle, Industrie und Gewerbe sind erst seit dem 2. Weltkrieg von Bedeutung. Auch nach der Linthkorrektion (1807-23) und Melioration (1941-64) hielt sich der Ackerbau in Grenzen. Die Schlossfabrik Schulte & Co. (1924, seit 1997 STS Systemtechnik S. GmbH) und die Matratzenfabrik Bico Birchler & Co. (1972, seit 1999 Bico AG) sind die grössten Unternehmen im Dorf. 2005 stellte die Landwirtschaft noch 21% der Arbeitsplätze in der Gem., der 3. Sektor 46%. Neue Überbauungen verwischen die gewachsenen Strukturen immer mehr.


Literatur
Kdm SG 5, 1970, 155-280
S., 1990

Autorin/Autor: Stefan Paradowski