26/11/2014 | Rückmeldung | PDF | drucken

Kaltbrunn

Polit. Gem. SG, Region See-Gaster. Das Dorf K. (940 Chaldebrunna) und die Weiler Fischhausen, Wilen und Steinenbrücke befinden sich auf Schuttkegeln am Rande der Linthebene. An den locker besiedelten Hängen liegen Gublen, Chirnen und Altwies. 1838 1572 Einw.; 1900 1700; 1920 2279; 1950 2451; 2000 3694. Auf dem Schlossbüchel prähist. Siedlungsspuren. Der Dinghof K., zuvor vermutlich zum Hof Benken gehörig, gelangte 940 an Einsiedeln. Verwaltet wurde er vom 13. bis 15. Jh. durch die Meier von K. (Sitz im "Steinhaus" Altbreiten?), ab Mitte des 15. Jh. durch Ammänner des Klosters. Die Burg Bibiton, wohl im 13. Jh. angelegt und zwischen 1358 und 1443 Sitz von Toggenburger und Einsiedler Lehensträgern (Bruchi, Meier von K.), wurde vermutlich im Alten Zürichkrieg 1444 zerstört. Die hohe Gerichtsbarkeit lag bis 1438 bei den Kastvögten Einsiedelns. Danach kam K. als Tagwen der Landvogtei Gaster unter die Herrschaft von Schwyz und Glarus und wurde 1803 in den neuen Kt. St. Gallen eingegliedert. Die im 10. Jh. gegr. Pfarrkirche St. Georg erhielt mit Bezug zur "unteren" Kirche in Benken den Namen "Oberkirch"; 1819-21 Abbruch und Neubau im Dorf. 1529 trat K. zur Reformation über, kehrte aber nach dem zweiten Kappelerkrieg unter Druck von Schwyz zum alten Glauben zurück. Viehzucht und Ackerbau waren lange die wichtigsten Erwerbsquellen. Der herbstl. Viehmarkt muss vor 1553 eingeführt worden sein; er ist noch heute von regionaler Bedeutung. Der Linthkanal (1807-23), Bachverbauungen um 1830 sowie Kanäle (1879-83) befreiten K. von der Wassernot. Das Kaltbrunner Riet, seit 1994 ein Flachmoor von nationaler Bedeutung, ist der Rest der einstigen Sumpflandschaft. Der Bau des Rickentunnels (1904-10) brachte den Bahnanschluss. Im 19. Jh. und während der Weltkriege wurde Kohle in Uzenbühl und Gublen abgebaut. Eine Federnfabrik (seit 1927) und die Linth Möbelfabrik AG (seit 1973) sind die grössten Unternehmen in K. Im 20. Jh. veränderte sich die Erwerbsstruktur erheblich. Der Anteil des 3. Sektors verfünffachte sich, der 2. wuchs um einen Drittel. Überbauungen am Ortsrand sind Zeugen der jüngeren Gemeindeentwicklung; viele Einwohner arbeiten heute auswärts. 1935 Sekundarschule, 1978 Oberstufenzentrum. 1977 Eröffnung des Ortsmuseums, 1997 der Mehrzweckhalle "Kupfen Treff".


Literatur
– J. Fäh, Die grundwirtschaftl. Entwicklung der Gem. K., 1921
– J. Fäh, Die Gesch. der Pfarrkirche St. Georg zu Oberkirch und K., 1940
Kdm SG 5, 1970, 95-140

Autorin/Autor: Stefan Paradowski