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Benken (SG)

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Polit. Gem. SG, Bez. Gaster, umfasst das Strassendorf B. in der Linthebene am Fusse des Benkner Büchels, die Siedlungen Giessen, Sand, Rötli, Dorf, Räbli, Halden, Starrberg, Unterhalden, Schmittenäcker, Schmitten sowie Einzelhöfe in der Ebene und Streusiedlungen auf dem Büchel. 741 Babinchova. Das Gebiet erlebte einen tief greifenden Wandel der Topografie: Der Benkner Büchel erhob sich einst über einer Seenlandschaft, die im MA zusehends verlandete und in der Neuzeit durch die Linth-Korrektion (1807-23) und Melioration (1941-64) zu intensiv genutztem Kulturland umgestaltet wurde. 1770 730 Einw.; 1850 1'242; 1900 1'341; 1950 1'741; 2000 2'228.

In Kastlet wurde eine Hallstatt-Anlage entdeckt, in Starrberg wurden röm. Münzen gefunden. 741 und 744 wurden im Kloster Babinchova Urkunden für die Grundherrin, die Beata-Sippe, ausgestellt. Bis heute fehlen genaue Kenntnisse über das Kloster. Der Standort ist unbekannt, archäolog. Untersuchungen der Pfarrkirche B. 1983-84 erbrachten nicht den erhofften Nachweis. Die Patrozinien und Bezeichnungen der Kirchen von B. (St. Peter und Paul, "Unterkirch") und Kaltbrunn (St. Georg, "Oberkirch") deuten auf eine Reichenauer Niederlassung hin. Meinrad nahm als Reichenauer Mönch um 824 im Kloster Babinchova seine Lehrtätigkeit auf. Das Kloster ging wohl noch im 9. Jh. ein. Im 11. Jh. vergabten die Gf. von Lenzburg den Hof B. samt Kirche dem Damenstift Schänis, wo er bis zur Helvet. Revolution verblieb. Der Hof, in Quellen des 13. und 14. Jh. überliefert, umfasste auch Maseltrangen, Kaltbrunn, Rieden und Gommiswald. Vom mutmassl. Herrschaftszentrum, der Wandelburg (Wandelberg), sind keine Überreste vorhanden; sie wurde wohl 1316 oder um 1386 von den Schwyzern zerstört. Als Teil der Herrschaft Gaster (Windegg) stand B. nach 1283 unter habsburg. Landesherrschaft, 1438-1798 lag die hohe Gerichtsbarkeit bei Schwyz und Glarus. Zur Pfarrei B. gehörten ursprünglich Kaltbrunn (Loslösung vermutlich im 10. Jh.), Gommiswald (bis 1500), Rieden (bis 1762) und Maseltrangen (bis 1789). Dem Bildersturm und Übertritt zur Reformation 1529 folgte nach dem 2. Kappelerkrieg unter Druck von Schwyz die Rückkehr zum alten Glauben. Der Wallfahrtsort Maria Bildstein ("Gfrörer-Chappeli") auf dem Benkner Büchel geht auf einen 1519 errichteten Bildstock zurück, lockte aber erst im 18. und 19. Jh. Pilger in grösserer Zahl an. 1848 wurde eine Kapelle, 1881-83 ein Neubau und 1966 die heutige Kirche errichtet. Im 14. Jh. ist die Genosssame B. erstmals greifbar (1367 Einung). 1750 teilten B., Kaltbrunn, Gommiswald, Rieden und Maseltrangen die Allmende Hochwald auf. 1803 wurde B. mit dem übrigen Gaster dem Kt. St. Gallen angegliedert, obwohl die Bevölkerung den Anschluss an Glarus wünschte.

In der Landwirtschaft standen seit dem SpätMA Vieh- und Pferdezucht im Vordergrund. Daneben wurden Flachs- und Hanfanbau, Ziegeleien und Hafnereien betrieben. Die mit der zunehmenden Verlandung der Linthebene wachsenden Nutzflächen lösten unter den Nachbargemeinden Streitereien aus, die erst im Rahmen der eidg. Tagsatzung von 1835 endgültig geschlichtet werden konnten. Infolge intensiver Abholzung der Bergwälder im Glarnerland verstopfte im 17. und 18. Jh. vermehrt Geschiebe das Flussbett der Linth; es folgten verheerende Überschwemmungen. Die Versumpfung förderte die Ausbreitung des als "Gfrörer" bezeichneten Sumpffiebers. Die erste in die Ebene vorgeschobene Siedlung, Giessen, bezog ihre Bedeutung aus der Brücke und dem als "Reckdienst" bezeichneten Treideln (Pferde zogen bis zum 2. Weltkrieg Schiffe linthaufwärts). Einen wirtschaftl. Entwicklungsschub löste 1859 die Eisenbahnlinie Rapperswil-Glarus mit der Station Starrberg aus. Die traditionelle Streuewirtschaft behauptete sich noch in der Zwischenkriegszeit. Die Melioration der Linthebene, im Rahmen der Anbauschlacht begonnen, brachte nicht den erhofften Aufschwung des Ackerbaus; die Milchwirtschaft dominiert weiterhin. Privathäuser mit hohen Parterreräumen erinnern an die im 19. Jh. verbreitete Stickerei-Heimarbeit. Die Textilindustrie fasste nur vorübergehend (1885-1915) Fuss in vier Fabriken; die bedeutendste stand in Starrberg. Grösste Arbeitgeberin (2001 190 Mitarbeiter) ist die 1974 gegründete Firma Romer's Hausbäckerei AG, ein Unternehmen für tiefgekühlte Feinbackwaren. Seit dem Anschluss an die A3, der die Gem. 31 ha Kulturland kostete, haben Wohn- und Gewerbebauten stark zugenommen. Seit 1983 gelten vermehrte Anstrengungen der Pflege der Naturreservate und einer massvollen Ortsplanung.


Literatur
– A. Hafner et al., Gesch. der Pfarrei B., 1941
– F. Elsener, Der Hof B., 1953
HS III/1, 239-247
– S. Paradowski et al., Jubiläumsbuch B. 741-1991, 1991

Autorin/Autor: Stefan Paradowski