15/09/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken

Amden

Polit. Gem. SG, Bez. Gaster. Auf der Sonnenterrasse über dem Nordufer des Walensees liegende, alpwirtschaftl. und tourist. gemischte Streusiedlung. Die Gem. umfasst das Dorf A. (908 m), die Weiler Fli (teilweise) und Betlis (419 m) sowie das Feriendorf Arfenbühl (1259 m). 1178 Andimo monte Voraden, 1230 Andimin, 1282 in montibus Andinen, später Ammon. Um 1800 1'350 Einw.; 1834 1'644; 1850 1'524; 1900 1'229; 1950 1'372; 2000 1'593. Röm. Burgruine Stralegg. 1178 bestätigte Papst Alexander III. dem Damenstift Schänis den Besitz in Andimo monte. Die Alp Matte gehörte 1419 dem Kloster Einsiedeln. 1594 regelte ein Spruchbrief die Alpnutzung zwischen den Bauern- und Alpgenossenschaften Hinterberg (Gotteshausgut im Besitz des Kloster Schänis) und Vorderberg (Eigengut im Besitz der jeweiligen Grundherren im Gaster). Die aus diesen Genossenschaften entstandenen zwei Dorfkorporationen vereinigten sich erst 1839. Von 1438 an war A. Teil der Vogtei Gaster. 1803 wurde A. polit. Gem. des Kt. St. Gallen, 1832 erfolgte die Gründung der Ortsgem. Bei den Grossratswahlen 1847 gab der liberale Stimmentscheid A.s den Ausschlag im Bez. Gaster und damit im Kt. St. Gallen, der in der Folge auf die Seite der radikalen, die Auflösung des Sonderbunds befürwortenden Kt. trat. Trotz eigener Kirche (im 13. Jh. gegr., Gallus-Patrozinium) blieb A. bis zur Bildung einer eigenen Pfarrei 1594 nach Schänis kirchgenössig. Wichtigster Erwerbszweig war die Alpwirtschaft, die wiederholt Gegenstand rechtl. Auseinandersetzungen zwischen Gotteshaus- (Stift Schänis) und anderen Eigenleuten war (1657 Alpordnung, 1708 Satzung für die gemeinen Alpen, 1771 Abteilung und Nutzung der Allmend, 1834 Regelung des Zugrechts beim Verkauf von Alprechten). Im 19. Jh. entstand ein bescheidenes Gewerbe (Weissküferei, Schindel-, Rechen-, Gabelmacher). Die ab Mitte des 19. Jh. aufkommende Seidenweberei verschaffte gegen 300 Frauen Arbeit, z.B. in der 1908-58 bestehenden Webereifabrik. Die dörfl. Infrastruktur verbesserten nach dem Dorfbrand von 1874 die Eröffnung der Strasse Weesen-A. 1882, ein regelmässiger Postkutschenbetrieb ab 1892, der Bau des Elektrizitätswerks 1906, erste Lawinenverbauungen 1888 und die Mattstockverbauung 1946. Die Entwicklung zum Fremdenverkehrsort setzte in den 1950er Jahren ein. 1990 arbeiteten 24% der in A. Erwerbstätigen in der Landwirtschaft, 64% im 3. Sektor.


Literatur
Kdm SG 5, 1970, 9-35
– I. Kalberer, A., 1978

Autorin/Autor: Silvio Bucher