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Sargans

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Polit. Gem. SG, Region Sarganserland. Am Fusse des Gonzen liegend, umfasst die Gem. ausser dem Städtchen S. die Weiler Vild, Ratell, Prod, Splee, Riet, Farb, Töbeli und Schwefelbad. Im Osten grenzt sie mit dem Rhein an das Fürstentum Liechtenstein. An der Schnittstelle von Rhein- und Seeztal errichtet, ist S. strategisch und verkehrstechnisch bedeutend. 765 de Senegaune (Kopie des 16. Jh.), 1248 Sanegans. Die Schreibweise S. tauchte erst im späten 16. Jh. auf und setzte sich im 17. Jh. durch. 1800 680 Einw.; 1850 907; 1900 931; 1950 2'075; 1960 2'571; 1970 4'058; 2000 4'765.

Die nähere Umgebung von S. ist spätestens seit dem Neolithikum besiedelt. Im Gemeindegebiet wurde der bisher bedeutendste röm. Gutshof im Kt. St. Gallen entdeckt. Die Talfläche war allerdings bis Mitte des 19. Jh. versumpft und für die Besiedlung ungeeignet. Bis zur Verdrängung durch das Alemannische zwischen dem 8. und 13. Jh. gehörte S. zum alt-rätorom. Sprachgebiet Unterrätiens. Im MA war S. Teil des Herrschaftsgebiets der Gf. von Werdenberg-S., deren Sitz das vermutlich im 12. Jh. erbaute, 1282 erstmals erw. Schloss S. war. Die Gründung des Städtchens, für das 1271 erstmals ein Schultheiss belegt ist, erfolgte um die Mitte des 13. Jh. 1456 erneuerten die Stadtherren die verbrannten Freiheitsbriefe: Der Graf wählte den Schultheissen aus einem Dreiervorschlag der Bürger oder schlug diesen drei Kandidaten zur Auswahl vor. Mit Ausnahme der Blutgerichtsbarkeit besass S. die Gerichtshoheit, der Kriegsdienst erfolgte auf Kosten der Grafen. Räte und Richter ergänzten sich selbst. Vermutlich ab 1406 bildeten Stadt und Schloss eine sich ergänzende Festungsanlage. Weil die Hauptroute für den Warentransport vom Bodensee nach Italien über St. Luzisteig führte und Feldkirch sowie Chur als Marktorte wichtiger waren, konnte sich der Sarganser Markt trotz eines königl. Marktprivilegs von 1443 nicht entfalten. S. blieb eine Kleinstadt. Für die Entwicklung des Orts waren deshalb weiterhin vorwiegend militär.-strateg. Faktoren ausschlaggebend. Im 15. Jh. wurde S. in die Auseinandersetzungen zwischen den Gf. von Werdenberg-S., Österreich und der Eidgenossenschaft hineingezogen, in deren Verlauf 1445 das Städtchen, nicht aber das Schloss, von den Eidgenossen erobert und abgebrannt wurde. 1483 musste Gf. Jörg von Werdenberg-S. die Grafschaft S. für 15'000 rhein. Goldgulden den sieben eidg. Orten verkaufen. S. wurde Verwaltungszentrum der eidg. Landvogtei S., die ab 1712 von Bern mitregiert wurde. Amtssitz der Landvögte war das Schloss. 1490 brannte S. erneut nieder. 1501 bestätigten die Eidgenossen die städt. Freiheiten und verliehen das Recht auf einen Wochen- und einen dritten Jahrmarkt. 1798 kam S. als Teil des helvet. Distrikts Mels zum Kt. Linth, 1803-2002 war es Teil des Bez. S. im Kt. St. Gallen. 1811 zerstörte ein Brand das ganze Städtchen innerhalb der Ringmauern mit Ausnahme der Kirche und der Kaplanei.

Eine dem hl. Cassian geweihte Kirche wird erstmals im 9. Jh. urkundlich erwähnt, im späteren 15. Jh kam der hl. Oswald als Zweitpatron hinzu. 1708-11 entstand der heutige Bau. 1097 gelangte das Patronat als Schenkung an die Abtei Mehrerau und 1806 an den Kt. St. Gallen, 1814 an die Abtei Pfäfers und 1838 an die Gemeinde. Seit 1492 besteht die St. Magnusbruderschaft. 1955 erfolgte die Gründung der ref. Kirchgemeinde S.-Mels und 1959 in S. die Einweihung einer eigenen Kirche.

Bis Mitte des 19. Jh. lebte der grösste Teil der Bevölkerung von der Landwirtschaft (Feld-, Obst- und Weinbau, Viehzucht) und profitierte von der Lage der Gem. als regionalem Verkehrsknotenpunkt (Fuhrwesen, Wirtshäuser, Marktort) sowie vom Erzabbau im Gonzen. Im Ort treffen seit 1859 die Eisenbahnlinien Zürich-Chur und Bodensee-Chur aufeinander. Über S. führt seit 1884 die Linie Zürich-Wien. Für das benachbarte Fürstentum Liechtenstein, das über ein leistungsfähiges Busnetz erschlossen ist, ist S. der wichtigste Anschlussbahnhof. Bei S. liegt zudem das Autobahnkreuz von A3 und A13. Mit der Planung für den Sarganser Bahnhof erfolgte ab 1858 eine erste Saarkorrektion, eine zweite, samt Melioration der Saarebene wurde mit dem Autobahnbau begonnen und 1978 abgeschlossen. Die Industrialisierung fasste nur zögerlich Fuss. Während des 2. Weltkriegs entstand rund um S. eine militär. Festungszone. Nach 1960 setzte mit der Eröffnung der Kantonsschule und des Lehrerseminars 1963, dem Autobahnbau sowie der Vergrösserung des Bahnhofs ein starkes Wirtschaftswachstum ein. 1999 errichtete das amerikan. Hightech-Unternehmen IMS (elektron. Messsysteme) seinen europ. Hauptsitz in S. Dank der günstigen Verkehrslage wurde S. auch zum beliebten Wohnort. 2005 waren der Tourismus und zahlreiche Klein- und Mittelbetriebe die wichtigsten Arbeitgeber in S., wobei der 2. Sektor 38% und der 3. 59% der Arbeitsplätze stellten. Der Anteil der Wegpendler, v.a. auch ins Fürstentum Liechtenstein, lag 2000 bei 60%. Als Standort weiterer Schulen wie der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege, des Berufs- und Weiterbildungszentrums Sarganserland, der Schule für Detailhandel sowie der Broderhaus Haushaltungsschule ist S. das Bildungszentrum des südl. Kantonsteils. 1983 wurden Stollen des 1966 stillgelegten Eisenbergwerks am Gonzen zur Besichtigung geöffnet. Das Sarganser Wahrzeichen, das über dem Städtchen thronende Schloss, kam 1803 in Kantonsbesitz, wurde 1834 an Johann Georg von Toggenburg versteigert und gelangte 1899 an die Ortsgemeinde S., die es 1901-06 restaurieren liess und bereits 1901 eine sog. Altertümer- und Waffensammlung einrichtete. 1966 wurde im Bergfried das Museum Sarganserland eröffnet.


Literatur
– F. Perret, 1100 Jahre Pfarrei S., 1950
Kdm SG 1, 1951, 316-362
– A. Stucky, Schulgesch. von S., [1982], (StASG)
– M. Bugg, Das Schloss S. um 1900, 1999
– J. Huber, Kath. Gebetsstätten in S., 2002

Autorin/Autor: Wolfgang Göldi