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Pfäfers (Gemeinde)

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Polit. Gem. SG, Region Sarganserland. Die Gem. umfasst das Dorf P. am Ausgang des Taminatals auf einem Plateau über der Rheinebene mit den Weilern St. Margrethenberg und Vadura sowie die Dörfer Valens, Vasön und Vättis. Sie erstreckt sich nach Süden über das Taminatal bis zum Kunkelspass und von Vättis nach Westen ins Hochtal Calfeisen. Sie ist von grossen Höhenunterschieden (Taminaschlucht 693 m, Ringelspitz 3247 m), von Wäldern, Wiesland, Alpen sowie den Stauseen Gigerwald und Mapragg geprägt. 762 abbas de Fabarias, 1247 Pheuers, 1288 Pfaevaers, rätorom. Faveras. 1831 1'634 Einw.; 1850 1'315; 1900 1'510; 1950 1'900; 2000 1'754.

Höhlenbärenknochenfunde aus dem Paläolithikum, aber keine ebenso frühen Siedlungsspuren im Drachenloch oberhalb Vättis. Eine vorröm. Lanzenspitze wurde in Pardätsch und röm. Münzen bei Vättis entdeckt. Die Geschichte von P. ist bis 1798 mit jener des 730/750 gegr. Benediktinerklosters P. verbunden. Die Grundherrschaft der Abtei erstreckte sich ab dem HochMA über das ganze Taminatal. Zum Schutz der Abtei wurde 1206 auf einem unterhalb von ihr gelegenen, nach Osten steil abfallenden Felskopf die Burg Wartenstein errichtet, die den Äbten zeitweise als Wohnsitz diente. Sie blieb als Ruine erhalten. Ab 1382 wurde das warme Thermalwasser der Taminaquelle als Bad P. genutzt. Von den sich im 14. Jh. im Calfeisental ansiedelnden Walsern blieb die 1432 erstmals erw. St.-Martinskapelle erhalten. Die spätma. Kirchen mit den Patrozinien St. Maria Magdalena und St. Evort sind archäologisch nicht belegt. Die 1688-94 in P. erbaute Abteikirche dient seit 1838 als Pfarrkirche. Vättis mit der St.-Anian-Kirche war ab dem 13. Jh. Pfarrei. Die Dorfkapelle Vasön ist ein Neubau von 1980-81, in Vadura entstand 1955 eine Bruder-Klaus-Kapelle.

1803 wurden die Ortsgem. P., Valens mit Vasön und Vättis zur polit. Gem. P. vereinigt und dem Kt. St. Gallen einverleibt. Im Besitz der Ortsgemeinde befinden sich dreizehn Alpen mit einer Fläche von 1'316 ha. 1839-40 wurde eine Wasserleitung erstellt, die einen Teil des Thermalwassers der Tamina nach Ragaz hinunterleitete, wo in der Folge ein weiterer Badekurort entstand. 1847 eröffnete der Kt. St. Gallen in der 1838 aufgehobenen Benediktinerabtei die kant. Heil- und Pflegeanstalt für Geisteskranke, die spätere psychiatr. Klinik St. Pirminsberg, die auch der Suchtbehandlung dient. 2007 arbeiteten dort 245 und in der Rehabilitationsklinik in Valens 350 Mitarbeiter. Von diesen Beschäftigten wohnten nur wenige in der Gemeinde.

Bis 1798 bildeten die Lehensleute der Abtei sowie freie Bauern der Gem. eine Genossame. Diese war in einem Verband mit Vättis, Valens und Ragaz der niederen Gerichtsbarkeit der Abtei P. unterstellt. Brände und Naturkatastrophen (Lawinen und Überschwemmungen) suchten die Gem. bis ins 20. Jh. immer wieder heim. 1954 wurde die Sekundarschulgem. P.-Vättis gegründet, 1971 die Schule in Vadura aufgehoben und nach P. verlegt, 1984 in der Gem. das neue Oberstufenzentrum eröffnet. Von 1855 bis ca. 1965 wurden bei Vadura Schiefer sowie im 18. und 19. Jh. im Bergwerk Gnapperkopf bei Vättis Kupfer- und Silbererze abgebaut. Seit 1961 befindet sich der Sitz der damals gegr. Kraftwerke Sarganserland in P. 1977 erfolgte die Inbetriebnahme des Stausees Gigerwald mit seiner 147 m hohen Staumauer. 1969 stellte das Bad P. den Betrieb ein. Als Ersatz wurde 1970 die Rheuma- und Rehabilitationsklinik Valens mit öffentlich zugängl. Thermalbad eröffnet. Etwas Kleingewerbe und v.a. Viehzucht, Alp- sowie Forstwirtschaft gaben P. auch zu Beginn des 21. Jh. ein ländl. Gepräge.


Literatur
Kdm SG 1, 1951
300 Jahre Kirche St. Anian Vättis (1697-1997), 1997
– T. Pfiffner-Eckert, Bad Ragaz und Bad P., 81999
– B. Anderes, Altes Bad P., 1999
– J. Huber, Die Walsersiedlung St. Martin im Calfeisental, 2000
SGGesch. 1, 93-98

Autorin/Autor: Franz Xaver Bischof