08/09/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken

Bad Ragaz

Polit. Gem. SG, Bez. Sargans. Kur- und Badeort am Ausgang des Taminatobels in die Rheinebene, an den Nord-Süd- und Ost-West-Verkehrsachsen über die Bündnerpässe gelegen. Um 843 Ragaces, bis 1937 Ragaz. 1800 954 Einw.; 1850 1'366; 1880 1'993; 1900 1'866; 1950 2'584; 1970 3'713; 1990 4'325. Einzelfunde aus der Jungsteinzeit (Serpentinbeil) und aus röm. Zeit (Münzen und Körpergrab). B. wird erstmals im churrät. Reichsgutsurbar von ca. 843 schriftl. erw. (u.a. Kirche mit Zehntrecht), 1050 erstmals urkundl. genannt. Im HochMA bildete B. einen Hof (curtis), in welchem die Benediktinerabtei Pfäfers ihre grundherrl. Rechte ausübte. In der 1. Hälfte des 13. Jh. wurde die Burg Freudenberg errichtet, auf der u.a. die Wildenberger als Vögte des Klosters Pfäfers sassen und die Hochgerichtsbarkeit ausübten. Die 1209 erstmals erw. Pfarrkirche St. Pankraz wurde 1327 durch den Churer Bf. Johannes I. Pfefferhard der Abtei Pfäfers inkorporiert, 1703-05 im Barockstil neu gebaut. Um 1410 wurde in der Baschärebene die Wallfahrtskapelle St. Leonhard erbaut (1980-81 umfassend restauriert). 1483 kam B. zur gemeineidg. Herrschaft Sargans. Daneben bestanden die Grundherrschaft und die niedere Gerichtsbarkeit des Abts von Pfäfers in der Rheinebene von B. und im Taminatal bis 1798 weiter. Dem Übertritt der Ragazer zur Reformation und ihrer baldigen Rückkehr zum alten Glauben (1533) folgte eine Zeit relativer Ruhe, die bis zum Aufruhr gegen die Pfäferser Herrschaft 1795 anhielt. 1734 äscherte ein Brand einen Teil des Dorfes ein, und 1799 vernichtete eine weitere Feuersbrunst den Dorfteil links der Tamina. 1798 kam B. zum helvet. Kt. Linth, 1803 zum neuen Kt. St. Gallen.

Neben der traditionellen Landwirtschaft (Ackerbau, Viehwirtschaft mit Streuwiesen in der Rheinebene) war das Transportgewerbe von Bedeutung. 1515 entstand in B. eine Sust mit Zollhaus (im 20. Jh. abgebrochen). Die Gesch. von B. als Bade- und Kurort beginnt nach der Aufhebung der Abtei Pfäfers (1838) mit dem Bau der Strasse durch das Taminatobel zum Bad Pfäfers (1839), der Herausleitung des warmen Thermalwassers nach B. (1840) und der Errichtung erster Kuranstalten (Hotel "Hof Ragaz") in den Räumlichkeiten der ehem. Pfäferser Statthalterei. Gefördert wurde diese Entwicklung durch den Anschluss an die Bahnlinie St. Gallen-Chur (1858). Einen entscheidenden Einschnitt bedeutete das Jahr 1868, als der Glarner Architekt Bernhard Simon die ehem. Pfäferser Klosterdomäne in B. vom Kt. erwarb, die Kuranstalt Ragaz-Pfäfers gründete und neue Kureinrichtungen (u.a. Grandhotel "Quellenhof") erbaute. B. wurde damit zum internat. Kurort von Weltruf mit einer ersten grossen Blütezeit vor dem 1. Weltkrieg (1913 106'000 Logiernächte, 1914 68'000). Nach dem schweren wirtschaftl. Einbruch in der Zwischenkriegszeit (1920 56'000 Logiernächte) konnte die Gem. erst nach Mitte der 1950er Jahre an die frühere Prosperität anknüpfen. Mit dem Bau der Pizolbahnen wurde B. 1954 auch zum Wintersportort. Zu Beginn der 1990er Jahre begann eine grossangelegte Erweiterung der Infrastruktur von Bade-, Sport- und Freizeiteinrichtungen sowie Hotellerie und Parahotellerie (Gäste v.a. aus den westeurop. Ländern und den USA, 1994 311'000 Logiernächte). Gleichzeitig entstand in der Ebene zum Rhein hin eine spezialisierte Industrie mit Elektronik- und Maschinenbaubetrieben.


Literatur
– F. Egger, Urkunden- und Aktenslg. von Ragaz, 1872
Kdm SG 1, 1951, 275-315
Bad Pfäfers - B. (1868-1968), 1968
B. in alten Ansichten, hg. von W. Vogler, 1984

Autorin/Autor: Werner Vogler